Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf, geh nach Ninive! - Impuls zur Predigt

Jona 1,1-3 Es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem Herrn nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo.

 

Auf, geh nach Ninive!

Impuls für den 1. Sonntag nach Trinitatis: Jona 1,1-2,2.11

Von Yasna Crüsemann

Yasna Crüsemann ist Pfarrerin in Gruibingen. Foto: Privat

Manchmal ist es zum Davonlaufen. Aufgaben türmen sich wie Berge. Eine Situation scheint unlösbar, eine Auseinandersetzung unvermeidlich. Bloß weg. Auch Jona macht sich auf und davon. Er will sich einem unbequemen Auftrag entziehen: Auf, geh nach Ninive! Ninive ist Symbol einer feindlichen und bedrohlichen Großmacht. Symbol für alles, was weh tut, was Veränderung oder Umkehr braucht. In Ninive herrschen Macht und Korruption, Hass und Gewalt. Ein ungemütlicher Ort, an dem unbequeme Aufgaben und Auseinandersetzungen warten. Wo man nicht gerne hin will. Auf, geh nach Ninive, heißt so viel wie: Schau und geh an die Schmerzpunkte der Welt und deines Lebens! Wo Beziehungen zerstörerisch sind. Wo Geschäfte gemacht werden auf Kosten der Armen. Wo die Erde und ihre Geschöpfe geschändet werden. Wo weggeschaut wird, wenn Menschen ertrinken oder in Lagern vergessen werden. Ninive, das gibt es im Großen und im Kleinen. Dort, wo Lebensstile oder Beziehungen zerstörerisch sind und Menschen und Erde zugrunde richten. Jona soll warnen: Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt! Damit ein gutes Leben für alle möglich wird. Ändert euren Lebensstil, eure todbringenden Handelsbeziehungen! Verbraucht weniger Ressourcen und CO2! Denkt an die nachkommenden Generationen! Gebt den Armen Impfstoff und den Pflegekräften anständigen Lohn! So könnten Jonas Rufe zur Umkehr heute lauten. Hört auf, Waffen zu liefern und Konflikte zu schüren! Hasskommentare und Drohungen wären ihm sicher. Ob seine Warnungen gehört würden, ist fraglich.

Yasna Crüsemann ist Pfarrerin in Gruibingen.Foto: PrivatKein Wunder, dass Jona weg will. So weit weg, wie es nur geht. Nach Westen statt nach Osten, aufs Schiff statt in die Stadt, ans Ende der Welt statt mitten ins Getümmel. Weg von allem, vor allem von Gott. Ruhe haben vor all den Problemen der Welt, lieber schlafen statt predigen. Als ob ich was ausrichten könnte, als ob es auf mich ankommt. Wer wird schon auf den kleinen Propheten hören im großen Ninive, auf die Stimme eines Ohnmächtigen im Land der Mächtigen? Und Gott? Macht eh, was er will, auch ohne mich.

Es wird nichts mit Weglaufen

Aber es wird nichts mit Weglaufen. Der Sturm holt Jona ein. Und droht die ganze Schiffsmannschaft mit in die Tiefe zu reißen. Die wecken den Schlafenden: Bete, Jona, zu deinem Gott. Und Jona betet und übernimmt Verantwortung. Im Bauch des Fisches scheint er am Ende, am Abgrund angekommen. Doch in der Tiefe beginnt die Wende, wie eine Geburt. Der Fisch spuckt ihn aus und wirft ihn an Land. Jona steht auf und geht nach Ninive, stellt sich seiner Aufgabe. Vielleicht nicht mit Herzblut, eher halbherzig, mit kargen Worten.

Dennoch mit Erfolg: die Leute von Ninive erkennen, was die Stunde geschlagen hat. Der König steigt von seinem Thron herab. Ninive kehrt um – und wird gerettet. Mission geglückt. Auch wenn es Jona gar nicht freut. Er hat noch viel zu lernen. Dass Gott Umkehr und Reue liebt, sogar die eigene. Dass Gott barmherziger und größer ist als unser kleines, enges Herz. Dass es keinen Sinn macht, vor unbequemen Aufgaben oder vor uns selbst davonzulaufen. Dass Hinsehen und Handeln nötig ist. Auch dort, wo es weh tut. Und dass Gott nicht ablässt von denen, denen es zum Davonlaufen ist. Oder wie es in Psalm 139 heißt: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ □

Foto: unsplash/Aleksandra BoguslawskaFoto: unsplash/Aleksandra Boguslawska

Gebet

Guter Gott, manchmal möchte ich davonlaufen.

Vor meinen Aufgaben, vor Veränderungen, vor mir selbst.

Gib mir Mut in Ängsten und Abgründen, auf Irrwegen und Umwegen den Weg zu gehen, der zum Leben führt.

Amen.