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Aus dem Vollen schöpfen

In diesem Jahr erwarten Landwirte eine reiche Apfelernte. Ist das gut oder schlecht für die Obstbauern und Landwirte? Familie Hartmann vom Wagnerhof am Bodensee schaut zufrieden auf das Jahr zurück. Für sie ist die ökologische Wirtschaftsweise die einzig wirklich nachhaltige. 


Eine reiche Apfelernte, wie sie in diesem Jahr gibt, freut viele. (Foto:Hanna Eder)

Ein abnormer Zustand: Der Überfluss an Schöpfungsprodukten, für die im Gottesdienst gedankt wird, bringe den Markt derart unter Druck, dass der Preiskampf Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gefährdet. „Wir müssen hier als Verbraucher alle umdenken und wirklich bereit sein, unser Geld nicht nur für Autos und Elektroartikel auszugeben, sondern auch für Lebensmittel mit fairen Preisen“, findet Wagner.

Auch beim Wagnerhof in Friedrichshafen rechnet man in diesem Jahr mit einer reichen Apfelernte. Acht verschiedene Apfelsorten baut der ökologische Landwirtschaftsbetrieb auf neun Hektar an: Topaz, Boskoop, Elstar, Jonagold, Cox Orange, Florina, Sansa und Fuji. „Es ist jedes Jahr wieder ein Wunder für mich, wenn die Bäume wachsen, gedeihen und Früchte tragen“, erklärt Landwirt Peter Hartmann (47).

Seit 1973 bewirtschaftet die Familie Hartmann in Seemoos, einem Stadtteil von Friedrichshafen, ihren Hof nach Biolandrichtlinien. „Wir sind dankbar, nach diesem Sommer aus dem Vollen schöpfen zu können“, betont auch Silke Strauch-Hartmann, die seit 1999 den Hof mit ihrem Mann Peter betreibt. Der Biohof ist im bundesweiten Netzwerk „Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau“ vertreten, in dem mehr als 200 Biohöfe zusammengefasst sind. „Die ökologische Wirtschaftsweise ist für uns einfach die einzig wirklich nachhaltige“, so die gelernte Redakteurin und Mutter von drei Kindern. „Als Demonstrationsbetrieb zeigen wir auch Vereinen oder Schulklassen, wie der Ökolandbau funktioniert.“

18 Milchkühe und nochmal soviel Nachzuchtrinder der Rasse Braunvieh fühlen sich auf dem Hof der Familie Hartmann wohl. Die Düngung der Felder, Wiesen und auch der Obstanlagen geschieht mit betriebseigenem Mist und Gülle aus dem Rinderstall. Die Tiere bekommen Gras, Silage, Heu und Kraftfutter aus eigenem Getreidebau. Im Fachjargon heißt das ökologischer Landbau im geschlossenen Kreislauf. Der Wagnerhof ist einer der wenigen, die ihren Apfelanbau nach dieser Idee umsetzen.

Und so sind es auch ökologische Überlegungen, die den Wagnerhof auf eine große Sortenvielfalt bei den Äpfeln setzen lassen. Wie Landwirt Hartmann erklärt, erfolgt die Vermarktung der Äpfel über eine Vermarktungsgesellschaft, den Naturkosthandel und den Hofladen. Sorgen, die Äpfel in diesem Jahr zu besonders niedrigen Preisen verkaufen zu müssen, haben die Hartmanns nicht. „Es wird nicht leicht sein, alles zu vermarkten, aber wir sind zuversichtlich“, urteilt Hartmann.

„Jeder Markt wird über Angebot und Nachfrage geregelt“, sagt Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg und Agrarbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ein Überangebot an Äpfeln lasse natürlich die Preise purzeln. Auch im Hohenlohischen seien einige Obstbauern von den Übermengen betroffen, weil die Abnehmer, vor allem die Saftindustrie, natürlich ihre Marktmacht nutzten.

Von daher sei es wichtig, dass man sich als „Premiumprodukt“ am Markt positioniere: Heimische Äpfel, insbesondere aus Streuobstbeständen, die zum Erhalt der Kulturlandschaft beitragen und die heimische Landwirtschaft unterstützen, rät Dirscherl. Dort bestehe die Chance, durch eine entsprechende Verbraucheraufklärung auch die Preise annähernd stabil halten zu können.

Biolandwirt Ekkehard Wolpold aus Friedrichshafen betreibt eine traditionelle Weidewirtschaft. Auf seinen Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume, die im Sommer dem Vieh Schatten spenden. In diesem Jahr tragen die bis zu 100 Jahre alten Bäume reichlich Äpfel, die im eigenen Hofladen als Tafelobst und Apfelsaft verkauft werden. „Wir sind dankbar für die gute Ernte, auch wenn wir wissen, dass viele Landwirte wegen der Preispolitik viel Mostobst liegen lassen“, sagt Wolpold, der in diesem Jahr einen Erntehelfer mehr hat als im Vorjahr. Gerade bei Äpfeln aus konventioneller Landwirtschaft sei der Mostpreis sehr niedrig und liege mit vier Euro pro 100 Kilogramm unter dem Gestehungspreis.

Obstbauer Alfred Schraff aus Friedrichshafen-Ailingen, der einen konventionellen Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet, freut sich in diesem Jahr über einen guten Ertrag bei der Apfelernte. „Durch die lange und trockene Blüte hatten wir in diesem Jahr optimale Bedingungen“, erklärt der 53-jährige Landwirt. „Einen riesen Überertrag sollte es aber nicht geben“, schätzt er.

Der Grund für die geringen Schwankungen: Bei vielen Apfelsorten würde der Behang der Bäume schon im Vorfeld optimiert. „Wenn der Baum mehr als 100 bis 120 Äpfel Behang hat, wird er meist von Hand ausgedünnt, um eine optimale Sortimentsgröße zu erreichen“, erklärt Schraff und ergänzt: „Wenn der Handel die Preise im Verkauf senken würde, dann wäre uns Landwirten wahrscheinlich am meisten geholfen.“

„Natürlich werden die Preise für Äpfel niedriger sein, aber wir wissen noch nicht, wie sich der Lebensmittelhandel verhält“, sagt Kathrin Walter, Geschäftsführerin des Landesverbands Erwerbsobstbau Baden-Württemberg. Mit Blick auf das gute Apfeljahr, die qualitativ hohe Ernte und preiswertere Ware aus dem Ausland rät Walter: „Hier ist der deutsche Verbraucher gefragt, deutsche, regionale Ware zu kaufen und damit die heimischen Landwirte zu unterstützen.“

Beim Erntedankgottesdienst in der Schlosskirchengemeinde werden die Hartmanns auch in diesem Jahr dabei sein und den Erntedankaltar mit hofeigenen Äpfeln, Nüssen und Kürbissen ergänzen. Bauernpfarrer Wagner würdigt den Erntedankgottesdienst als ein besonderes Fest, bei dem „jedes Jahr Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, mit denen, die ihre Produkte verbrauchen, wie selbstverständlich aufeinandertreffen“.

Denn trotz der Sehnsucht nach Natur sei eine zunehmende Distanz und Unwissen gegenüber den Vorgängen des Säens und Erntens und der Tierzucht festzustellen, weiß der Pfarrer. Es fehle bei den Menschen die Verbundenheit: „Die Schere zwischen Konsumenten und Produzenten wird immer größer.“ Dies zeige sich auch an den Erntegaben. „Es wird zunehmend schwieriger, den Erntedankaltar zu füllen – sogar hier im Schwäbischen Oberland, das ja eigentlich eine große ländliche Prägung hat“, erklärt der 53-Jährige. Das Erntedankfest lade nicht nur zum Danken ein, sondern fordere von allen, nachzudenken. „Das hilft dann nicht nur den Landwirten, sondern uns allen. Wir müssen nämlich gemeinsam lernen was es bedeutet, eine lebenswerte und nachhaltige Kultur zu entwickeln.“