Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ausgewählte Lektüre - Empfehlungen der Redaktion

Nicht nur in der Bibliothek, auch in den Buchhandlungen ist die Auswahl riesig. Die Redaktion des Gemeindeblatts hat nach streng subjektiven Kriterien Bücher und einen Film ausgewählt, die Sie getrost lesen, anschauen oder verschenken können. Alle getestet – und für gut befunden.

Cooles Ambiente und Bücher ohne Ende: die Stadtbibliothek am Mailänder Platz in Stuttgart. Foto: adobe stock/ Daniel Smolcic

Gekonnt dilettantisch

Glitterschnitter, BuchcoverSven Regener kehrt mit „Glitterschnitter“ zurück in das Berlin vor dem Mauerfall. Frank Lehmann lebt mit seinen Weggefährten in Kreuzberg im Jahr 1980 so vor sich. Er arbeitet an der Bar in einem Café, dem Mikrokosmos des Romans. Alle bereiten irgendetwas vor, eine Ausstellung, ein Konzert, die Eröffnung eines Kaffeehauses. Dabei legen sie einen erstaunlichen Dilettantismus an den Tag, denken aber viel über das Leben nach. Regeners Erzähltempo erinnert an den Advent der Kindheitstage, als die Zeit langsam verging. Sehr langsam. Aus heutiger Sicht ein Luxus. Antje Schmitz


◼ Sven Regener: Glitterschnitter.
    Galiani Berlin 2021, 480 Seiten, 24 Euro.

 

Heldin der Befreiung

Der Kinofilm „Harriet – Der Weg in die Freiheit“ nimmt einen mit in die Zeit der Sklaverei, kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. In bester Hollywoodmanier (Regie: Kasi Lemmons) erzählt er die Geschichte der tiefgläubigen Freiheitskämpferin Harriet Tubman, die dank Gottvertrauen 1849 der Sklaverei entkommt und dann selbst im Untergrund Hunderte von Menschen aus der Sklaverei befreit. Ein bewegender Film einer beeindruckenden Frau, der auf Tatsachen beruht und der Hauptdarstellerin Cynthia Erivo zu Recht 2020 eine Oscar-Nominierung eingebracht hat. Tobias Glawion

Harriet – Der Weg in die Freiheit,
    DVD/Blu-ray, 126 Minuten, 8,99 Euro.

 

Provozierende These

Buchcover, Im Grunde gutEs ist eine simple, aber zugleich provozierende These, die der niederländische Historiker Rutger Bregman aufstellt: Der Mensch, sagt er, sei „im Grunde gut“. Das klingt erst einmal naiv. Aber das Buch sofort aus der Hand zu legen, wäre ein Fehler. Denn Bregman beschreibt kein idealisiertes Paradies, sondern seine Beispiele, seine Geschichten und vor allem die zahlreichen Fakten, die er aufzählt, stammen direkt aus unserer realen Welt. Selbst wenn man ihm nicht an jeder Stelle zustimmt – dieses mitreißend geschriebene Sachbuch hat das Potenzial, den eigenen Blick auf die Welt zu verändern. Martin Janotta

◼ Rutger Bregman: Im Grunde gut.
    Rowohlt 2020, 480 Seiten, 15 Euro.

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Sympathie für Amerika

Buchcover, Alle Toten fliegen hochWer selbst einmal als Schüler ein Jahr in den USA verbracht hat, weiß: Dieses Buch erzählt eine Geschichte aus dem wahren Leben. Man schmunzelt unweigerlich, weil man irgendwie Ähnliches erlebt hat. Sympathisch ist, dass Meyerhoff die Amerikaner aus dem Westen nicht kulturell abkanzelt, wie so viele, sondern ihnen mit Wohlwollen begegnet. Von wegen oberflächlich: Am Ende ist die Beziehung zu den Gasteltern in Wyoming tief, auch vor dem tragischen Hintergrund, dass der Erzähler während seines Aufenthalts den Bruder in Deutschland bei einem Autounfall verliert.
Andreas Steidel

◼ Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch – Amerika.
    Kiwi-Taschenbuch 2020, 336 Seiten, 12 Euro.

 

Entgegen aller Klischees

Buchcover,Ueber MenschenMitten in der Corona-Zeit spielt dieser Roman von Juli Zeh, der viel über den Zustand unserer Gesellschaft erzählt. Im Mittelpunkt steht die Großstädterin Doro, die aus ihrem Leben und ihrer Beziehung flieht, in ein kleines Dorf in Brandenburg. Dort wird sie mir ihren eigenen Klischees und Vorurteilen konfrontiert – und als Leser fühlt man sich ebenfalls ertappt. Mit realistischer Beobachtungsgabe und trockenem Humor zeigt Juli Zeh anhand dieser Alltagsgeschichte auf, wie sehr unser Denken mittlerweile von einseitigen moralisch-überheblichen Schwarz-Weiß-Vorstellungen geprägt ist.


◼ Juli Zeh: Über Menschen.
   
Luchterhand Literaturverlag 2021, 416 Seiten, 22 Euro.

 

Verlust und Widerstand

Buchcover, Ich bleibe hier„Ich bleibe hier“ handelt von dem Dorf Graun in Südtirol, das für die Stromgewinnung in den 1950er-Jahren geflutet wurde. Entlang historischer Fakten wird die Geschichte der Familie von Trina und Erich erzählt. Es ist ein Buch über Verluste. Der Verlust eines Kindes, eines Dorfes und der Heimat. Aber auch die Geschichte eines Widerstands. Der italienische Autor Marco Balzano schreibt mit erzählerischer Wucht und in sensibler Sprache. Der Kirchturm des Dorfes ragt noch heute aus dem See. Wenn man über den Reschenpass ins Vinschgau fährt, sieht man ihn. Claudia Hilsenbeck

◼ Marco Balanzo: Ich bleibe hier.
   
Diogenes Verlag 2020, 288 Seiten, 22 Euro.

 

Faszination Meer

Buchcover, Die Eloquenz der SardineAls Kind fand der Autor Fische ganz furchtbar. Eklig. Freiwillig hätte er also nicht im Meer gebadet. Doch eines Tages sah er sie glitzern: eine Sardine auf einem Felsen. Die Sardine faszinierte ihn so sehr, dass er begann, ihren Lebensraum zu erkunden. Er fing an zu schnorcheln und war fast nicht mehr aus dem Wasser herauszubekommen. Inzwischen erforscht er das Leben in den Ozeanen und schreibt. Unter anderem diese Liebeserklärung an alles Leben im Wasser. Darin verbindet er unterhaltsam persönliche Erinnerungen mit neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Nicole Marten


◼ Bill Francois: Die Eloquenz der Sardine.
   C. H. Beck 2021, 233 Seiten, 22 Euro.

 

Merkel ermittelt

Buchcover, Miss MerkelDie Ex-Kanzlerin zieht für den Ruhestand mit Mann und Mops Putin aufs Land. Ihre Langeweile währt nur kurz. David Safier erzählt in seiner Kriminalkomödie, wie „Miss Merkel“ als Hobby-Detektivin den Verdächtigen teils gekonnt, teils unbeholfen auf den Zahn fühlt und manchmal sogar Beweismittel für ihre eigenen Ermittlungen mitgehen lässt, weil sie den zuständigen Polizeikommissar für unfähig hält. David Safier setzt eine bis dahin ungekannte – und natürlich frei erfundene – private Seite der Kanzlerin mit viel Humor in Szene. Ein kurzweiliges Lesevergnügen. Nico Bähr

◼ David Safier: Miss Merkel – Mord in der Uckermark.
    Kindler 2021, 320 Seiten, 16 Euro.

 

Putzfrau mit Studium

Buchcover, Nastjas TraenenWenn es an diesem Buch überhaupt etwas zu meckern gäbe, wäre es das verschwommene Cover. Es führt auf eine falsche Fährte: Natascha Wodin schreibt alles andere als verschwurbelt, sondern glasklar und mit oft grimmigem Humor über ihre aus der Ukraine stammende Putzfrau. Nastja ist eigentlich Ingenieurin, und was man als Leserin über ihr Leben vor Deutschland erfährt, öffnet viele eiserne Vorhänge. Wie sich die beiden Frauen näherkommen und wieder entfremden, wie unbehaust Nastja in ihrem Leben bleibt, das beschreibt Wodin so persönlich wie eindringlich. Dorothee Schöpfer


◼ Natascha Wodin: Nastjas Tränen.
    Rowohlt 2021, 89 Seiten, 22 Euro.

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