Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ballspielen, Beten, Bibelarbeit

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Viele Fußball-Stars sind bekennende Christen und machen aus ihrer Überzeugung keinen Hehl – auf und neben dem Platz. Doch kurz vor Beginn der WM hat der brasilianische Fußballverband gemeinsames Beten und religiöse Rituale außerhalb der Freizeit verboten.


Bundestrainer Jogi Löw sieht Gott als höhere Weisheit und eine Form von Liebe und Uneigennützigkeit

Im Fußball ist Brasilien das Maß aller Dinge; das gilt auch für den Katholizismus. Das Land mit den weltweit meisten Katholiken liegt mit fünf WM-Sternen an der Spitze der Titel-Wertung – und gilt als natürlicher Topfavorit bei der WM in Russland. Noch wichtiger als das runde Leder ist vielen Brasilianern nur die Religion – fast alle Nationalspieler sind gläubige Christen.

Superstar Neymar bekennt seinen Glauben nach Erfolgen wie dem Olympiasieg 2016 mit einem Stirnband, das die Aufschrift „100 Prozent Jesus“ trägt. Auch eine Reihe von Tätowierungen legen beim teuersten Spieler der Welt ein klares Zeugnis ab: ein Bild von Jesus, die Worte „Glaube“ und „Gott ist treu“, ein Gebet an den „Vater im Himmel“, die Hoffnung „Möge Gott mich segnen“ sowie Auszüge aus den Epheser- und Korintherbriefen, die Gott um Schutz ersuchen und von der Hoffnung künden, dereinst im Himmel den „unvergänglichen Siegerkranz“ zu bekommen.

Seine Gemeinde, eine Pfingstkirche, bezeichnet er als zweites Zuhause. Neymar spendet ihr zehn Prozent seines Einkommens. Sein Pastor schickt ihm Bibelverse und spirituelle Impulse auf sein Handy. 

David Luiz steht diesem Bekennermut in nichts nach. „Gott gibt mir die Stärke und Inspiration, auch Rückschläge wegzustecken“, sagt der Abwehrstar. Nach der vernichtenden Halbfinalniederlage gegen Deutschland 2014 zeigte er demütig gen Himmel. „Gott hat einen klaren Weg für uns“, betont der aus einfachen Verhältnissen stammende „Pastor von Chelsea“, der vor Spielbeginn den Mitspielern bisweilen segnend die Hände auflegt. Sein liebster, regelmäßig via Twitter verbreiteter Bibelvers lautet: „Freut Euch im Herrn zu jeder Zeit.“ 

Ebenfalls streng gläubig ist Kapitän Thiago Silva, der seine Genesung von einer Tuberkulose auf himmlischen Beistand zurückführt. „Ich bin nicht der Herr der Welt, aber ich bin ein Sohn des Herrn“, steht als Tattoo auf seinem Unterarm. 

Doch für die Fußball-WM in Russland hat der brasilianische Fußballverband gemeinsames Beten und religiöse Rituale außerhalb der Freizeit verboten. Er will damit sicherstellen, dass keiner außen vor bleibt. Schon einmal kam es zum Eklat.

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Der Fußballverband CBF und Trainer Tite befürchten, dass die religiöse Praxis nicht dienlich ist. „Wer nicht dazugehört, fühlt sich schnell ausgeschlossen. Solche Gruppenbildung kann Animositäten im Team zutage bringen“, verlautet aus dem Verband.

Das Nein zu Gottesdiensten und Gebetsstunden im Trainingslager hat eine Vorgeschichte. Bereits unter Trainer Dunga kam es im Jahr 2015 zu einem Eklat. Zehn Spieler der Seleção nahmen damals an einem nicht abgesprochenen Gottesdienst im Mannschaftshotel teil, der Pastor veröffentlichte die Bilder der betenden Spieler im Internet. Viele sahen darin einen Missbrauch der Nationalmannschaft, um Werbung für bestimmte Kirchen oder religiöse Überzeugungen zu machen. Daraufhin verfügte Dunga erstmals ein entsprechendes Verbot, das bis zu seinem Abtritt 2016 andauerte.
In der französischen Nationalmannschaft gibt es zwei bekennende Katholiken. Einer von ihnen ist Antoine Griezmann. Er hat ein Jesusporträt, die Erlöserstatue von Rio, die Jungfrau Maria und einen Rosenkranz eintätowiert. Er habe durch sein katholisches Elternhaus „in Religion gebadet“, sagt er. Er besucht gerne Kirchen, zündet Kerzen an und dankt Gott, dass seine Schwester das Terrormassaker im Konzertsaal Bataclan überlebt hat. 

Sturmpartner Olivier Giroud trägt auf dem Arm auf Lateinisch den berühmten Satz aus Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln.“ Er betet regelmäßig im Stillen, um „den Kopf freizukriegen“ und sich konzentrieren zu können. Nach dem englischen Pokalsieg 2017 schlüpfte Giroud in ein T-Shirt mit der Aufschrift „Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“.

In Uruguay wird Edinson Cavani in seiner Heimat nicht nur als Fußballer verehrt, sondern auch als Botschafter des Glaubens. Der sei „wie ein Navigationsgerät, das mich auf dem rechten Weg hält“, sagt der Superstar mit indigenen Wurzeln, der dem Schöpfer dankbar ist für sein Talent und seine Entwicklung: „Gott lenkt mich und schützt mich vor schlechten Erfahrungen“, sagt Cavani, der sogar ein Buch über seinen Glauben geschrieben hat.

Weit weniger öffentlich ist die Religiosität von Cristiano Ronaldo. Der fünfmalige Weltfußballer kommt aus Madeira und ist ein gläubiger und wohltätiger Mensch. „Mein Talent ist ein Geschenk Gottes“, sagt Ronaldo, der Halsketten mit Kreuzanhängern sammelt. Tattoos, die unter der Haut für den Glauben werben, hat er keine. Das hat medizinische Gründe: Ronaldo spendet  Blut, und da sind Tattoos verboten.

Als Geheimtipp für die WM gilt Kolumbien, das 2014  an Brasilien scheiterte. James Rodríguez war damals Torschützenkönig. Seinerzeit twitterte der Stürmer, der heute beim FC Bayern spielt, aus Dankbarkeit: „Gott, Du bist größer als das All, ich glaube an Dich.“ Er trägt auf der Wade ein Bild von Jesus und auf dem Bizeps den Satz „Wenn du dich vor Gott verneigst, krönt er dich“.

Wenn Deutschland auf Mexiko trifft, kommt es zum Wiedersehen mit einem Bekannten: Javier Hernández spielte zwei Jahre für Leverkusen. Er geht vor jedem Spiel auf die Knie und betet, dass alle Spieler gesund bleiben. „Ich glaube an das Opfer Jesu Christi, dass es wichtig ist, seine Schuld zu bekennen, und dass man andere gut behandelt.“ Sein Gottvertrauen hat er von seiner Großmutter. Sie habe ihn gelehrt, dass Gott den perfekten Zeitplan habe und den richtigen Weg ebne: „Er war immer für mich da, wenn ich ihn gebraucht habe.“

Wie Mexiko ist auch Polen stark vom Katholizismus geprägt. Robert Lewandowski etwa engagiert sich in seiner Heimat für die Glaubensinitiative „Ich schäme mich nicht für Jesus“. „Ich weiß, dass Gott mir immer zuschaut“, sagt der Torjäger, der vor wichtigen Spielen in die Kirche geht. 

Jakub Blaszczykowski hat der Glaube geholfen, dunkle Zeiten zu überstehen. Er musste als Kind mitansehen, wie der Vater seine Mutter erstach. „Kuba“ liest jeden Tag in der Bibel und ist überzeugt davon, dass die Mutter von oben zuschaut und bei Gott ein gutes Wort für ihn einlegt.

Bei Kroatien ist Abwehrass Vedran C´orluka besonders engagiert. Der gebürtige Bosnier hat geholfen, die im Krieg zerstörte Kirche seines Heimatdorfs wiederaufzubauen. „Der Glaube und die Kirche sind mir sehr wichtig“, betont der Katholik.

In Costa Rica ist der Torwart der Star. Keylor Navas ist ein überaus populärer „Mann des Glaubens“. Eine gleichnamige Dokumentation über ihn kam sogar landesweit ins Kino. Navas geht vor jedem Spiel im Tor auf die Knie und betet – auch wenn ihn manche deswegen belächeln. „Wenn ich den Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Diener Christi“, zitiert er aus dem Galater-Brief. Er bitte Gott, „dass er an jeden Pfosten einen Engel stellt und auch einen hinter mich, damit alles gutgeht“, sagt Navas. Der Glaube sei tief in seinem Herzen verankert und helfe ihm beim Vorankommen – wenn auch der eigene Einsatz stimme: „Gott um etwas bitten und mit dem Hammer arbeiten“, nenne man das in Costa Rica.

Der Schweizer Torwart Roman Bürki hat auf dem Rücken unter anderem ein Kreuz und das Vaterunser eintätowiert. „Ich gehe nicht jede Woche in die Kirche, glaube aber an gewisse Grundsätze – und dass man belohnt wird, wenn man Gutes tut.“

Und was ist mit den deutschen Fußballern? Josua Kimmich kommt aus einem religiösen Elternhaus und trägt ein Armband mit einem Kreuz. Sein biblischer Name sei kein Zufall und bedeutet „Gott hilft“.

Bei Abwehrchef Jéroˆme Boateng geht die spirituelle Prägung unter die Haut: Auf seinem reich verzierten Körper findet man unter anderem ein Kreuz, Bilder von Jesus und der Jungfrau Maria sowie auf Englisch die Aufschrift „Nur Gott kann mich richten“. Boateng genießt in den Kirchen die Stille. Dann kann er in sich gehen. In seiner Verletzungsphase habe ihm der Glaube geholfen: „Ich bete regelmäßig, zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Das hat mir viel Kraft gegeben.“

Religiös geprägt sind auch Manuel Neuer, Mario Gomez und Thomas Müller. Jogi Löw, früher einmal Ministrant, sieht Gott als „höhere Weisheit und eine Form von Liebe und Uneigennützigkeit“. Für Teammanager Oliver Bierhoff sorgt der Glaube für „Geborgenheit im Leben – in den Höhen wie in den Tiefen“. Wovon es in Russland mehr geben wird? „Schaun mer mal“, würde jetzt Franz Beckenbauer sagen.