Christliche Themen für jede Altersgruppe

Begleiter fürs Leben - Bücher mehr als nur Papier

STUTTGART-ZUFFENHAUSEN – „Tolle, lege!“ – „Nimm und lies!“ Dieser Ausspruch des Augustinus dient als Motto der Bücherecke in der Pauluskirche. Das Team der Ehrenamtlichen präsentiert jedoch nicht nur Lesestoff, sondern organisiert auch ein eigenes Kulturprogramm, denn die Pauluskirche versteht sich als Kulturkirche.

Bücher Bibliothek Foto: Pixaby Stock SnapFoto: Pixaby / Stock Snap

Das Bücherlager auf der Empore ist übervoll, man fühlt sich darin ein wenig wie ein Kind im Spielwarenladen: Wo anfangen? In welche Welt als Erstes eintauchen? In der Bücherecke der evangelischen Pauluskirche finden nicht nur verwaiste Bücher und erklärte Leseratten zueinander, das Team von Ehrenamtlichen organisiert auch ein eigenes Kulturprogramm, mit Literatur, Musik und den großen Themen unserer Zeit. Coronabedingt ruht das Programm momentan. Doch die Pauluskirche und die Bücherecke bleiben geöffnet.

Ein Regal, in dem man ausgelesene Schmöker für andere Gleichgesinnte „aussetzen“ kann, gibt es mittlerweile an vielen Orten und in vielen Kirchengemeinden. In der Pauluskirche geht man aber mit einem besonderen Anspruch an das Thema Buch heran: „Die Kirche ist ja auch ein Bildungsort: Was wir hier machen, ist auch Gemeinwesenarbeit”, sagt Dieter Kümmel, Pfarrer der Pauluskirche. Dass eine Kirchengemeinde ein eigenes Kulturprogramm zur Bücherecke organisiert, „ist meines Wissens einzigartig“.

Pfarrer Dieter Kümmel, Elisabeth Schneeweiss-Bauer und Ruth Schwarz (rechts) vom Bücherecken-Team. Foto: Susanne Müller-BajiPfarrer Dieter Kümmel, Elisabeth Schneeweiss-Bauer und Ruth Schwarz (rechts) vom Bücherecken-Team. Foto: Susanne Müller-Baji

Pfarrer Kümmel hat den Stein 2013 ins Rollen gebracht, nachdem der örtliche Buchladen geschlossen hatte. Kümmel hatte von Anfang an gut ein Dutzend Freiwillige an seiner Seite. Die Bücherecke sei nicht nur für Vielleser wichtig. Man sehe ja, dass sich Kirchengemeinden immer mehr verschlanken und von Immobilien trennen müssten: „Da war es uns auch ein Anliegen, die Pauluskirche fest als Kulturkirche in der Wahrnehmung zu verankern.“

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Beim Betreten der Kirche erwarten den Besucher seither mehrere Regale mit handverlesenem Lesestoff. Weil der Zustrom nicht abebbt, müsse man leider wählerisch sein: „Keine CDs, keine Videos, keine Sprachlernbücher. Und die Bücher selbst müssen in gutem Zustand und einigermaßen aktuell sein“, sagt Ruth Schwarz, Buchhändlerin im Ruhestand. Manchmal tue es ihr in der Seele weh, wenn sie zerlesene, aber sichtlich über Generationen geliebte Bücher abweisen müsse: Weil ein gutes Buch mehr ist als nur eine Sache, sondern oft genug auch ein Begleiter fürs Leben.

Umso wichtiger ist es aber auch, möglichst vielen Menschen die Lust am Lesen zu vermitteln. So stellen Ehrenamtliche wie Ruth Schwarz und Elisabeth Schneeweiss-Bauer entsprechend dem Kirchenjahr, den Jahreszeiten oder auch zu aktuell relevanten Themen Büchertische zusammen.

Ein Buch hat seinen Wert

Auch sonst gibt es immer Lesestoff in der Bücherecke – im Austausch gegen ein anderes, gleichwertiges Buch oder gegen eine Spende ins Bücherecken-Kässle. Damit stellt sich das Team dem Trend entgegen, dass Bücher immer mehr verramscht werden. Ein Buch hat seinen Wert, sagt das Team der Bücherecke, und soll so viele Menschen wie möglich erfreuen. Am besten gehen übrigens Bilderbücher, als schwer vermittelbar gelten hingegen Bildbände, die wohl zu schwer zum Tragen sind.

Sechsmal pro Jahr organisiert das Team ein Kulturprogramm, Lesungen überregional bekannter Schriftsteller zumeist, die der Stammheimer Jazzpianist Werner Lener musikalisch umrahmt. Wolfgang Schorlau, Erhard Eppler und Inge Jens haben schon in der Pauluskirche vorbeigeschaut.

Die Bücherecke kann ihr anspruchsvolles Programm und die damit verbundenen Autorenhonorare auch deshalb stemmen, „weil unser Kirchengemeinderat ein klares Bekenntnis macht: Wir wollen das!“, sagt Kümmel.

Der Pfarrer hat die Beobachtung gemacht, dass Religion und Kultur einander ausgesprochen guttun: Der traditionelle Sonntagmorgen-Gottesdienst locke immer weniger Gäste in die Kirche und ein reines Konzert spricht oft auch nur einen recht kleinen Kreis an: „Sobald man aber einen Jazzgottesdienst macht, ist es brechend voll.“ Der Erfolg der Bücherecke in der Pauluskirche ist ein weiterer Beleg.

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