Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bei der Entscheidung helfen - Versorgung im Notfall

WILHELMSDORF – Carina Wachter und Stefan Weber arbeiten seit Januar 2019 bei den Zieglerschen als Gesprächsbegleiter der Versorgungsplanung. Sie ermöglichen behinderten Menschen, vorab über ihre gewünschte Behandlung in medizinischen Notsituationen zu entscheiden.

Carina Wachter (links) und Stefan Weber beraten Menschen mit Behinderung zu Möglichkeiten der Vorsorge. (Foto: Pressebild)Carina Wachter (links) und Stefan Weber beraten Menschen mit Behinderung zu Möglichkeiten der Vorsorge. (Foto: Pressebild)

Carina Wachter und Stefan Weber sitzen in vertrauensvoller Atmosphäre mit einer behinderten Heimbewohnerin und einer Angehörigen zusammen. Im vorsichtigen Gespräch hören sie die Wünsche der Frau mit Behinderung heraus, wie sie im Falle einer schweren gesundheitlichen Krise gepflegt und behandelt werden möchte. Noch kann sie sich äußern, in schwerer Krankheit oder angesichts des Todes ist das vielleicht nicht mehr möglich.

Vorsorgen, solange es noch geht

Seit 2017 gibt es ein neues Gesetz zur Versorgungsplanung. Es zielt ab auf ein Gesprächsangebot für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen durch professionell geschultes Personal. Diese gesundheitliche Versorgungsplanung soll Behinderten ermöglichen, ihre Wünsche in Bezug auf medizinische und pflegerische Behandlung in Notsituationen und im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit vorab festzulegen. Vom Team der Versorgungsplanung erstellte Formulare wie Patientenverfügungen oder andere Willenserklärungen können ausgefüllt werden. Müssen aber nicht.

Für Angehörige oder rechtliche Vertreter stellte die Behandlungsentscheidung bei behinderten, schwer-kranken Menschen, die ihren Willen nicht mehr kundtun konnten, oft eine große Herausforderung dar. Auch für sie bringt das neue Gesetz eine große Erleichterung.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Vor einem Gespräch werden zunächst alle wichtigen Personen aus dem Umkreis einer behinderten Person angeschrieben: die zuständigen Angehörigen und die gesetzlichen Betreuer. Wer dann letztlich bei dem Gespräch mit Carina Wachter oder Stefan Weber dabei sein sollte, entscheidet der Mensch mit Behinderung. Die ersten Gespräche dienen oft erst einmal dazu, sich an das Thema heranzutasten. „Am Ende muss kein Dokument entstehen“, erläutert Carina Wachter. „Wohl aber wird alles im Protokoll festgehalten. Wir wollen zunächst einmal für das Thema Krankheit, Leben und Sterben sensibilisieren. Insgesamt gehen wir bei der Beratung von acht bis zehn Sitzungen aus. Die können 15 Minuten oder auch eineinhalb Stunden dauern, da sind wir flexibel!“ Bei jeder neuen Sitzung wird erst einmal der Inhalt des letzten Gespräches in Erinnerung gerufen. Die Fragen sind dabei erfahrungsgemäß sehr individuell. Schriftlich fixierte Wünsche dürfen jederzeit geändert und der aktuellen Lebenssituation angepasst werden.

Mit Gesprächsbegleitern Notfallmaßnahmen besprechen

Das Angebot der Versorgungsplanung richtet sich an Bewohner in den Heimen der Zieglerschen. 35 Personen sind derzeit im Gespräch mit den beiden Gesprächsbegleitern oder haben es bereits abgeschlossen. „Wir sind ja noch in der Anfangsphase“, sagt Carina Wachter bescheiden. Natürlich hofft sie, dass immer mehr Personen ihr Gesprächsangebot annehmen. Die Werbung für die Beratungen läuft derzeit noch hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Heimbeiräte sind aber dabei, Flyer in leichter Sprache, unterstützt durch Bilder und Piktogramme, zu entwickeln.

Carina Wachter erinnert daran, dass die Behinderten früher vereinzelt Verfügungen oder Papiere eines Notars dabeihatten. Geholfen hat das wenig. Sie hatten kaum eine Möglichkeit, sich für oder gegen zukünftige Behandlungen zu entscheiden. Jetzt gibt es diese Möglichkeit. Der Mensch mit Behinderung allein entscheidet, was aufgeschrieben wird und was nicht. Und zwar dann, wenn er umfassend und individuell über das Thema und über seine Rechte und Möglichkeiten informiert worden ist.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen