Christliche Themen für jede Altersgruppe

Beim Namen rufen - Impuls zur Predigt (Buß- und Bettag)

Offenbarung 3,1-6 (in Auszügen) Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Wer überwindet, soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.

Beim Namen rufen

Impuls zum Buß- und Bettag: Offenbarung 3,1-6.

Von Anja Forberg

Anja Forberg ist Vikarin in Aichwald, Dekanat Esslingen. Foto: Privat

Am Anfang ist der Name. Prüfend wird er mit einer Stimme versehen, von Eltern, die ungläubig ihr gerade geborenes Kind im Arm halten: Es wird bei seinem Namen gerufen. Noch steht er auf einem unbeschriebenen Blatt. Wie wird sich das Kind einen Namen machen, wofür wird es mit ihm stehen? Wer wird ihn in den Mund nehmen, ihn zärtlich flüstern, freudig jubeln, ängstlich rufen oder streng zurechtweisen?

Anja Forberg, Vikarin in Aichwald. Foto: Privat„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“, bestätigt Gottes Stimme bei der Taufe. Unser Name gibt uns Menschen Wert und Würde; er benennt unsere Identität. Unser Name ist uns wichtig – und es gibt wohl kaum jemanden, dem sein Ruf vollkommen gleichgültig ist.

Doch am Buß- und Bettag donnert die Stimme Christi eindringlich in unser Leben: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.“ Beklommen lässt einen diese Stimme zurück. Sie lässt alles in sich zusammensacken.

Göttliches Licht

Sie stellt alles in Frage: Samt ihrem Namen die Gemeinde in Sardes, an die sie gerichtet ist, aber ganz zeitlos auch alle Christinnen und Christen. Schonungslos bricht göttliches Licht in unser zweifelhaftes Dasein und leuchtet es bis in die hinterste Ecke aus. Es lässt den guten Ruf zusammenfallen, auch wenn er noch so sorgfältig gepflegt wurde. Es deckt alle Beschönigungen, Verharmlosungen und Lügen auf. Es lässt keinen Raum für die Grautöne des Lebens und bringt unsere Ängste zum Vorschein: Der Krieg in der Ukraine, die sich verschärfende Klimakrise und Existenzängste angesichts der Inflation sind Krisen, die unser Leben radikal in Frage stellen. Ans Licht kommt auch unsere Selbstgerechtigkeit: Eigentlich bin ich doch ganz gut; eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm.

Das göttliche Licht lässt die erstrahlen, die namenslos sind: Die Familie, die in einem Massengrab in der Ukraine verscharrt wurde, die schweigende Frau, die sexualisierte Gewalt erlebt hat, der Geflüchtete, der tagtäglich Rassismus erlebt oder der Wohnungslose, um den alle einen großen Bogen machen.

Am Buß- und Bettag erinnert uns die Stimme Christi daran, dass wir am Anfang alle einen Namen bekommen haben. Einen Namen, mit dem Gott uns gerufen hat, um uns das Leben zu schenken. Es ist kein Tag, um sich gegenseitig anzuklagen oder Schuldgefühle zu bestärken. Es ist ein Tag des Gebets, an dem Menschen zu Gott klagen und sich voller Sehnsucht nach seinem Frieden ausstrecken.

Die schonungslose und gleichzeitig liebevolle Stimme Christi ruft uns aus der Selbstbezogenheit. Sie befreit uns von allem, was uns am Leben hindert. Sie ruft auf innezuhalten und die Haltung zu ändern: Seid aufmerksam füreinander. Habt keine Angst. Ich werde kommen zu einer Zeit, die ihr nicht kennt – die ihr aber auch nicht kennen müsst. Dann werden die Namenlosen eine Stimme bekommen. Die Stimme Christi richtet uns auf, sie macht Mut, den Blick zu heben. Christus gibt ein Versprechen: Ich trete ein für deinen Namen. Er steht sogar im Buch des Lebens.

Lachen, Freude, Leben. Foto: Alena ShekhovtcovaFoto: Alena Shekhovtcova, pexels


Barmherziger Gott, du rufst uns bei unserem Namen.

Dein Licht deckt unsere Angst und unser Versagen auf.

Aber du richtest uns auf mit deiner Stimme und verleihst sie denen, die ohne Namen sind.

Du schenkst uns das Leben – dafür danken wir dir.

Amen.