Christliche Themen für jede Altersgruppe

Beten geht auch im Café - Initiative "weiterhorizont"

BAD URACH-MÜNSINGEN – Einfach immer weitermachen? Nein. Die Initiative „weiterhorizont“ im Kirchenbezirk will Kirche neu denken und setzt auf andere Formen der Gemeindearbeit. Zum Beispiel auf dem Sportplatz und durchaus mit Missions-Anspruch.

Auch eine Idee, Kirche neu zu denken: In Dettingen/ Albbuch im Kirchenbezirk Heidenheim hat die Gemeinde einen Bus zum Café umgebaut. Foto: PrivatAuch eine Idee, Kirche neu zu denken: In Dettingen/ Albbuch im Kirchenbezirk Heidenheim hat die Gemeinde einen Bus zum Café umgebaut. Foto: Privat

Woran orientiert sich eine Gemeinde bei der Gottesdienstgestaltung? Kinder sollten mehr einbezogen werden und die Predigten kürzer sein – sagen die einen. Andere fühlen sich dadurch gestört und erwarten ein theologisch hohes Niveau. Wie können die Bedürfnisse aller Gruppen berücksichtigt werden? Wie können mit neuen Formen kirchenferne Menschen erreicht werden, ohne die anderen vor den Kopf zu stoßen? Die Initiative „weiterhorizont“, die sich kürzlich im Dekanat Bad Urach-Münsingen gebildet hat, will auf solche Fragen Antworten finden. Eingebunden ist sie in das landeskirchliche Projekt „Neue Aufbrüche“.

Früher waren die Angebote einer Kirchengemeinde klar geregelt, heißt es auf der Homepage der Initiative „weiterhorizont“. Dann passten sich einige Kirchengemeinden den Bedürfnissen der Gemeindemitglieder an, während es andere beim traditionellen Ablauf beließen. Jetzt wird nach Wegen gesucht, um eine Basis für unterschiedliche Milieus zu gestalten. Für Impulse sorgt ein vom Kirchenbezirksausschuss eingesetztes siebenköpfiges Team. Es will Kirchengemeinden zu „innovativen, missionalen Schritten“ ermutigen. Mit Beratung, Koordination und der finanziellen Unterstützung guter Ideen.

Missional bedeute, „hinaus zu den Menschen zu gehen“, sagt Pfarrerin Maike Sachs. Sie ist die Bezirksverantwortliche für missionarische Dienste und im Team dabei. „Wir müssen auf den Feldern zusammenarbeiten, auf denen wir uns ergänzen können“, sagt Maike Sachs. Denn nicht jede einzelne Gemeinde im Kirchenbezirk könne ein volles Programm für Jugend, Senioren und Erwachsene im mittleren Alter anbieten, „dazu reichen unsere Kräfte nicht aus“.

Missional - Es gibt keine Rezepte, nur Ideen

Die Initiative will zudem Gruppen in den Blick nehmen, die keinen Zugang zur Kirche haben. „Missional bedeutet, dass wir uns nicht mehr in der Kirche, sondern auf einem Sportplatz oder im Café treffen, wo wir genauso die Bibel zur Hand nehmen und uns austauschen können“, fügt Maike Sachs hinzu. Zu den neuen Wegen zähle neben ungewöhnlichen Orten auch andere Musik. Gitarre und Schlagzeug statt Orgel oder Posaunenchor? Die Initiative will einerseits traditionelle Räume und Formen loslassen und gleichzeitig die bekannten Formen aufrecht erhalten, weil viele Menschen darin verankert sind. Um diesen Spagat zu erreichen, sollen sich die Kirchengemeinden untereinander besser vernetzen und ihre Angebote bündeln.

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Karl-Hermann Gruhler ist Projektpfarrer für die Initiative - weiterhorizont. Foto: PressebildDie Anlaufstelle dafür ist ab dem 1. März Karl-Hermann Gruhler. Er wird weiter mit einer halben Stelle Pfarrer in Laichingen sein, die anderen 50 Prozent widmet er für die nächsten drei Jahre der Arbeit für „weiterhorizont“. Gruhler hat sich über Studiensemester und eine Weiterbildung am Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald schlau für missionales Gemeindeverständnis gemacht. Er hat sich mit Innovationsprojekten und spirituellem Gemeindemanagement beschäftigt. „Viele spüren, dass ein ‚weiter so‘ nicht möglich ist. Wir werden Ideen, die Kirche neu denken, begleiten und unterstützen“, sagt Gruhler. „Aber es gibt keine Rezepte. Wir müssen auch Scheitern zulassen.“

Conny Zeifang aus Laichingen ist Mitglied der Landessynode und ebenfalls im Team. Sie wehrt sich gegen die depressive Stimmung in der Kirche und erinnert an den Impuls zur Gründung der Initiative: „Immer wenn der Pfarrplan in den Kirchenbezirken erstellt wird, geht es um Stellenstreichung. Es kann nicht sein, dass es nur negative Wegweiser gibt.“ Dekan Norbert Braun fügt hinzu: „Gibt es auch mal etwas anderes als Kürzungen?“ Ja, haben die Teilnehmer in einer ersten Klausur beschlossen und das Team aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen gebildet, aus großen und kleineren Kirchengemeinden. Eine einheitliche Lösung für eine Neuorientierung sieht Conny Zeifang nicht, weil Kirchengemeinden sich nicht vergleichen ließen. Sie regt zum Hinterfragen an: „Was hat sich überlebt? Was muss ich lassen und welche Projekte benötigen meine Kräfte umso mehr?“ Ihr Vorsatz: „Ideen sprudeln lassen und dann überlegen, was zur Gemeinde passt.“ Dazu zähle auch wachsames Zuhören, wenn neue Ideen anderen zu eng würden.

Mit im Team ist auch Ulrike Frank aus Dettingen an der Erms. Die Vorsitzende des Kirchengemeinderats spricht von geistlichem Aufbruch und verweist auf angebotene Vorträge zur Ermutigung. „Wir verwalten doch nicht nur den Untergang“, sagt sie. Die Kirche müsse sich auf den Weg machen, um Menschen wieder zu erreichen.

Die durch die Initiative angestoßenen Projekte werden durch den Kirchenbezirk finanziert. Dekan Norbert Braun setzt dabei auf regionale Zusammenarbeit. Ein Beispiel: Die Idee, ein Boot auf der Lauter als Ort des Glaubens einzurichten, könne durch die Initiative bezuschusst werden. Doch das müssten dann mehrere Gemeinden nutzen.

◼ Karl-Hermann Gruhler ist erreichbar unter Telefon 07333-923255. Informationen gibt es unter www.weiter-horizont.de