Christliche Themen für jede Altersgruppe

Boten aus dem All - Sternschnuppen

Im August lohnt sich der Blick in den Sternenhimmel ganz besonders: Denn dann ist die Zeit der Sternschnuppen. Die haben mit Sternen zwar nichts zu tun, sind aber ein faszinierender Anblick. Erkärungen zu einem Phänomen, das schon Kinder zum Philosophieren einlädt.

Naechtlicher Sternenhimmel. Was kommt hinter dem Universum. Foto: Adobe stock/ vchalupWas kommt hinter dem Universum? Foto: Adobe stock/ vchalup

Sterne faszinieren den Menschen seit jeher. Seit Jahrtausenden dienen sie dem Menschen zur Orientierung, wurden als Verheißung oder Unheil gedeutet. Im August lenkt die Hoffnung auf eine Sternschnuppe den Blick noch häufiger gen Nachthimmel. Dann hat man die besten Chancen, eine solche Himmelserscheinung zu entdecken. Da Sternschnuppen-Schauen auch mit bloßem Auge geht, eignet es sich bestens als Familienerlebnis mit Kindern.

„Außer dass sie aus dem Weltall kommen, haben Sternschnuppen nichts mit Sternen zu tun“, erklärt Peter Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Volkssternwarte Würzburg“. Während Sterne Lichtjahre von uns entfernte glühende Gasbälle in der Größe unserer Sonne sind, entstehen Sternschnuppen aus winzigen, zwischen 0,1 und einem Millimeter kleinen Teilchen, die in der Erdatmosphäre in etwa 100 Kilometer Höhe verglühen.

Reste einer verglühten Sonne

Um zu erklären, woher diese Boten aus dem All kommen und warum sie jedes Jahr wiederkehren, muss der Hobbyastronom etwas weiter ausholen. „Für die meisten Sternschnuppen sind die Meteorströme von Kometen verantwortlich“, erläutert Schramm. Kometen sind „schmutzige Schneebälle aus Eis, Staub und lockerem Gestein“. Sie stammen meist aus dem Kuipergürtel, einer ringförmigen Region hinter dem Pluto aus etwa 70 000 Gesteinsobjekten; diese wiederum sind Überreste unserer vor fünf Milliarden Jahren verglühten Vorgängersonne.

Einige dieser Brocken haben sich zu Kometen formiert und ziehen seit Urzeiten in regelmäßigen Bahnen um die Sonne. Dabei verlieren sie winzige Staubpartikel, die den charakteristischen Schweif (Meteorstrom) bilden. Kreuzt die Erde nun diese Staubspur, werden einzelne Teilchen von der Erde angezogen und rasen mit einer Geschwindigkeit von über 200 000 Stundenkilometern (also 60 Kilometer pro Sekunde) in Richtung Erde. Das immens hohe Tempo – von Stuttgart nach Albstadt bräuchte man damit keine zwei Sekunden – entsteht aus der Summe von Erdgeschwindigkeit (33 Kilometer pro Sekunde) und Kometen-Geschwindigkeit.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Beim Eintreten in die Erdatmosphäre werden die Teilchen so stark erhitzt, dass die Atome der Atmosphäre zu leuchten beginnen. Es entsteht eine Sternschnuppe. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass der Überrest einer Sternschnuppe auf die Erde fällt. „Ursache dieser Feuerkugeln sind Weltraumschrott oder größere Steinbrocken wie beim Meteoriten Neuschwanstein im Jahr 2002“, sagt Peter Schramm. Weil die Erde immer wieder dieselben Kometen-Staubspuren kreuzt, sind Sternschnuppen-Ströme ein berechenbares Ereignis. Für die im Volksmund auch Laurentiustränen (nach dem Fest des Märtyrers Laurentius) genannten Schnuppen ist in erster Linie die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle verantwortlich. Dessen Bahn kreuzt die Erde vom 17. Juli bis 24. August.

Für den Betrachter scheinen die Lichtblitze aus dem Sternbild Perseus auszuströmen, das wie ein „h“ im Nordosten des nördlichen Nachthimmels aufgeht und im Laufe der Nacht immer weiter aufsteigt. Von diesem scheinbaren Herkunftsort leitet sich auch der wissenschaftliche Name des Sternschnuppen-Stroms „Perseiden“ ab.

Wie viele andere Sternengucker hält auch Pater Christoph Gerhard aus der Abtei Münsterschwarzach gerne nach Sternschnuppen Ausschau. „In einer lauen Sommernacht auf der Wiese zu liegen und in die Sterne zu gucken, das hat schon was“, schmunzelt der Hobbyastronom, der ansonsten nach entfernten Deep-Sky-Objekten fahndet.

Ein Erlebnis für Kinder und Eltern

„Menschen vergangener Zeiten empfanden vom Himmel fallende Sterne als existenziell bedrohlich“, erzählt er. So beschreibt etwa Johannes in der Offenbarung, wie ein Drache „ein Drittel der Sterne vom Himmel fegt und sie auf die Erde herabwirft“ (Offenbarung 12,4). Und Markus kündigt an, dass am Ende der Tage „die Sterne vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden“ (Markus 13,25). Was dem Ungläubigen Angst macht, ist frohe Verheißung für den Glaubenden – bedeutet dies doch das ersehnte Kommen des Menschensohns.

Sternschnuppe. Foto: Gustavito 1917, pixabaySternschnuppe. Foto: Gustavito 1917, pixabay

Für Pater Christoph sind Sternschnuppen vor allem eine „Botschaft der Kometen und ihrer Bahnen durch unser Weltall“. Zu einem geheimen Wunsch, dessen Erfüllung ein weit verbreiteter Aberglaube beim Anblick einer Sternschnuppe verspricht, lässt sich der Benediktiner nicht hinreißen. „Dafür bin ich zu nüchtern“, sagt er und lacht. Eines belegen die kleinen Himmelslichter für ihn aber in jedem Fall: die Schönheit und unvorstellbare Größe von Gottes Schöpfung.

Selbst wenn man keine Sternschnuppe zu sehen bekommt, ist das Sternegucken mit Kindern und Teenagern ein besonderes Ereignis. Und meistens ergeben sich dabei auch Gespräche mit einer besonderen Tiefe. Wo endet das Universum, was bedeutet Unendlichkeit, was liegt „hinter“ den Sternen? So kann der Blick in den Sternenhimmel dazu führen, dass man sich selbst im Verhältnis zum gesamten Universum wahrnimmt. Gerade, wenn man all die vielen Lichtpunkte am Firmament sieht und etwas von der Unendlichkeit ahnt, kann einem deutlich werden, dass der Mensch nicht der Mittelpunkt der Welt und schon gar nicht des Universums ist. Eine Erkenntnis, die dazu führen kann, ein bisschen demütiger zu werden und sorgsamer mit all dem umzugehen, was uns umgibt und uns Menschen letztlich übersteigt. □

Wünsche

Wer eine Sternschnuppe sieht, darf sich etwas wünschen – das weiß wohl jeder. Woher dieser Brauch kommt, ist nicht belegt. Einige Astronomen gehen davon aus, dass er zurückreicht bis in die Antike, als die Menschen Sternschnuppen und andere Phänomene am Himmel als Botschaften der Götter auffassten. Die spontane Reaktion auf solch eine Nachricht war dann ein Wunsch an die Götter. Die Sternschnuppen-Nächte können auch dazu anregen, sich über die eigenen Wünsche Gedanken zu machen. Welche Sehnsüchte habe ich jetzt gerade? Welchen Wunsch möchte ich zu den Sternen schicken, weil er mir so am Herzen liegt? Was erscheint im Moment vielleicht auch unerreichbar, so dass man es einfach zum Himmel schicken muss?