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Buga war Bewährungsprobe - Cafe Samocca

HEILBRONN – Im Café Samocca der Evangelischen Stiftung Lichtenstern arbeiten überwiegend geistig behinderte Mitarbeiter. Mit den professionellen Kräften aus der Gastronomie bilden sie ein Team, das seine erste große Herausforderung gemeistert hat: die Bundesgartenschau.

Viele der Mitarbeiter des Café Samocca in Heilbronn haben eine Behinderung.
© Foto: Pressebild

Als vor gut einem Jahr in der Restaurant-Stube am Neckarbogen die Lichter angingen, da war es drumherum noch ziemlich dunkel. Denn das Café Samocca in Heilbronn war 2018 eine der ersten Einrichtungen, die auf dem Gelände der Bundesgartenschau (Buga) öffneten. Die ersten Kunden waren Bauarbeiter, froh, dass es für sie eine Einkehrmöglichkeit gab.

Nach und nach kamen andere Menschen dazu, wuchs auf der ehemaligen Industriebrache ein neuer Stadtteil heran, der sich mit Leben füllte. Neckarbogen heißt dieses Quartier, das irgendwann 3500 Einwohner haben soll sowie eine Infrastruktur, die sie versorgt. 1000 von ihnen lebten schon am 17. April 2019 dort, als die Bundesgartenschau ihre Türen öffnete.

Ein Novum, das es so noch nie gegeben hatte, eine bewohnte Gartenschau mit einem Café-Haus, das nicht nur als Provisorium gedacht war. Als die ersten Buga-Besucher kamen, hatte das Samocca schon ein eingespieltes Team. Das war auch gut so, denn 11 der 15 Mitarbeiter sind Menschen mit einer geistigen Behinderung, die nun richtig ranmussten. „Was da los war!“, sagt Aileen Schinagl, die Restaurantleiterin des Inklusionsbetriebs.

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Schinagl ist eine Frau aus der professionellen Gastronomie, eine gelernte Köchin, die alle Spielregeln der Branche kennt. Die Evangelische Stiftung Lichtenstern hat sie ganz gewusst engagiert. „Wir brauchen dieses Wissen“, sagt Pfarrerin Sybille Leiß, die Vorstandsvorsitzende der christlichen Sozialeinrichtung für Behinderte mit Hauptsitz in Löwenstein. So finden die Gäste hier alles, was sie in einem anderen Bistro-Café auch finden: Kaffee in mehreren Varianten, kleine Speisen und Bagels, Kuchen, Frühstück und ein Mittagessensangebot. Der Unterschied ist nur, dass man seine Bestellung auf einem Block ankreuzt, um die geistig behinderten Mitarbeiter nicht zu überfordern.

Café-Chefin Aileen Schinagl (links) mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Lichtenstern Sybille Leiß (rechts) und Projektleiterin Nora Zeltwanger.
© Foto: Andreas Steidel

Ansonsten dürfen sie mit Ausnahme der Kasse in allen Bereichen arbeiten, die das Restaurant hat: Service, Küche, Theke, Reinigung. Richtig stolz waren alle, als am 6. Oktober die Buga ihre Türen schloss und man dieses Großprojekt gemeinsam gemeistert hatte. Wir haben uns gut entwickelt, so können wir weitermachen“, sagt Café-Leiterin Aileen Schinagl.

Am Anfang kamen nur Baurabeiter

„Tatsächlich ist das Ende der Bundesgartenschau ja auch nur der Anfang von etwas Neuem. Erst mal werden die Bauarbeiter wiederkommen, alte Bekannte, die nun die Blumenbeete ab- und den neuen Stadtteil zu Ende bauen. Das Samocca soll dann ein Treff für das ganze Quartier sein.

Eingebettet ist das Café in ein Gesamtkonzept mit 16 betreuten Wohnplätzen, fünf behindertengerechten Wohnungen und fünf Tagespflegeplätzen. Projekt Neckarbogen lautet der Gesamttitel, der zeigt, dass die Evangelische Stiftung Lichtenstern mehr bieten will als nur einen gastronomischen Service. Neben dem Café und den Wohnungen gibt es einen Waschsalon sowie Platz für weitere Einrichtungen. „Wenn die Kirchengemeinde einen Raum im neuen Stadtquartier sucht, kann sie anfragen“, sagt Pfarrerin Sybille Leiß.

Das Samocca-Konzept ist ein behindertengerechtes Franchise-Modell, das von der Samariterstiftung entwickelt wurde. Von dort werden auch die Kaffeespezialisten geliefert.

◼ Café Samocca Heilbronn: Täglich geöffnet 9 bis 19 Uhr

Telefon 07131-3821800

Internet www.samoccaheilbronn.de, www.lichtenstern.de

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