Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bunte Boxen des Trostes - Sternenkinder

STUTTGART – Sterben, Tod und Auferstehung – hierüber hat Pfarrerin Elisabeth Jooß aus StuttgartRiedenberg mit Kindergartenkindern und Konfirmanden gesprochen. Die Kinder und Jugendlichen haben ihre Gedanken zu diesen schweren Themen künstlerisch ausgedrückt und Trauerboxen gestaltet. Die sollen nun den Angehörigen von Sternenkindern Trost spenden.

Ein Geschenk fürs Olgäle: (von links) Andrea Scheffel, Elisabeth Jooß, Konfirmand Florian, Hubertus Busch, Andrea Boese und Stefan Jooß mit den Trauerboxen. Foto: Brigitte JähnigenEin Geschenk fürs Olgäle: (von links) Andrea Scheffel, Elisabeth Jooß, Konfirmand Florian, Hubertus Busch, Andrea Boese und Stefan Jooß mit den Trauerboxen. Foto: Brigitte Jähnigen

Ein Kind kündigt sich an. Es wächst, es meldet sich über Bewegungen, über Herztöne. Unendlich viele Hoffnungen und Erwartungen sind mit seiner Geburt verbunden. Dann hört das Kind auf zu wachsen. Der Kontakt zur Außenwelt ist unterbrochen, es muss von seiner Mutter getrennt werden. Eine nicht zu begreifende Stille folgt. Eine Leere, die lähmt.

Sternenkinder werden solche Kinder genannt. Dem Begriff liegt die Idee zugrunde, dass diese Kinder den Himmel erreicht haben, noch ehe sie das Licht der Welt erblicken durften. Ein poetisches Bild, das sich klar abgrenzt von Begriffen wie „Fehlgeburt“ oder „Totgeburt“. Sternenkinder werden auch die Kinder genannt, die vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind.

„Stirbt ein Kind in der Klinik, haben die Eltern nur weniges, was sie an ihr Kind erinnert“, sagt Andrea Boese. Vielleicht ein winziges Mützchen, vielleicht ein Schmusetier, das die Eltern für das Baby vorbereitet haben, vielleicht ein Foto, sagt die stellvertretende Stationsleiterin der neonatologischen Intensivstation im Stuttgarter Olgahospital. Umso dankbarer nahm Andrea Boese vor wenigen Tagen 30 liebevoll mit Regenbogen, Engeln, Falter, Sonne und Pflanzen bemalte Pappboxen entgegen. Gefüllt sind sie mit zarten Federn, Steinen, Pflanzensamen, mit Teelichtern, Texten und Gebeten. „Trauerboxen“ werden die 25 mal 18 Zentimeter großen Gefäße genannt. Sie sind ein Angebot für Familienmitglieder eines Sternenkindes; sie sollen Trost spenden. „Manchmal hatten wir zum Verpacken nur Plastiktüten. Die Boxen sind viel schöner“, meint Andrea Boese. Jährlich sterben zehn bis 15 früh Geborene und neugeborene kranke Kinder im „Olgäle“.

„Als ich das erste Mal eine Box geöffnet habe, war es so schön für mich“, sagt Hubertus Busch, der katholische Klinikseelsorger. Sein evangelischer Kollege Stefan Jooß ergänzt: „Der Bedarf ist da. Wir haben den Eltern schon immer ihre wenigen Erinnerungsstücke mitgegeben, nun können wir sie schön verpacken und hoffen, dass wir mit Federn, Steinen und Texten zusätzlich Anregungen verschenken können.“ Der Klinikseelsorger hofft auch, dass die Verbundenheit mit denjenigen, die die Boxen gestaltet haben, ein bisschen tröstet.

Doch wer hat die eigentlich neutralen Boxen so schön gemacht? Florian ist Schüler am Heidehofgymnasium. Konfirmationsunterricht hat er bei Pfarrerin Elisabeth Jooß. Und die verknüpft theologisches Wissen am liebsten mit dem Alltag. Sterben, Tod und Auferstehung zum Beispiel.

Ein Engel schützt das Kind

„Vielen geht das Thema sehr nah, ich möchte die Jugendlichen nicht überstrapazieren“, sagt die Riedenberger Pfarrerin. Sie ging mit den Konfirmanden auf den Friedhof im alten Ortskern. Und ließ die jungen Leute die Boxen gestalten. „Ich hab drauflos gemalt, erst ein bisschen dunkel, so lilafarben, und dann wurden die Farben zum Rand hin immer heller“, sagt Florian. Ein Engel entstand, eine Art Lichtquelle. „Ich stell mir vor, der Engel schützt das gestorbene Kind“, sagt der 13-Jährige. Wie andere Jugendliche denkt auch er, dass sich verstorbene Familienmitglieder im Himmel wiedertreffen.

Sternenkind, Frühchen, Baby. Foto: Kelin, pixabayFoto: Kelin, pixabay

Doch was ist der Himmel für ihn? „Es ist das Paradies, wo man weiterlebt und auf die Welt herunterschaut. Im Himmel kann jeder sein. Himmel ist Ewigkeit, wo jeder Verstorbene in seinem Körper bleibt“, skizziert Florian seine Vorstellung vom Leben nach dem Tod.

Auch Kinder im Vorschulalter befassen sich mit dem Tod – wenn man sie lässt. „Leb wohl, kleiner Dachs“ heißt ein Kinderbuch von Susan Varley. Elisabeth Jooß hat es in den Riedenberger Kindergarten „Rosa Elefant“ mitgebracht. Mit ihrem Wunsch, das Buch zu lesen, stieß sie bei Erzieherin Andrea Scheffel auf offene Ohren. „Kinder erleben, dass ihr Haustier stirbt, das kann sehr traurig sein.“ Die Kinder drückten ihre Gefühle mit Schwammtechnik und Acrylfarben und in vielen eifrigen Gesprächen aus. Das tue ihnen gut, sagt die Erzieherin.

So unterschiedlich die Boxen für die Sternenkinder gestaltet sind, eines haben sie gemeinsam: Sie strahlen eine farbige Lebendigkeit aus. □

Weiterer Artikel zum Thema auf unserer homepage:

Umhüllt für die letzte Reise
Ein Bericht über den Verein www.stilleswunder.de

Mit dem Herzen sehen  - Sternenkinder Fotografen
Ein Bericht über die Organisation "Dein Sternenkind"

 

Mehr über die Organisation steht unter www.dein-sternenkind.eu.

Die bundesweite Notfalltelefonnummer lautet: 06257-9185009.

Eine Fotografin oder ein Fotograf kann auch direkt über ein Formular auf der Homepage angefordert werden. Die Koordinatoren rufen innerhalb weniger Minuten zurück. Lediglich in der Zeit von 3 Uhr bis 6.30 Uhr kann ein Rückruf etwas dauern. Über ein Alarmierungssystem werden alle Fotografen in der Umgebung der Klinik erreicht. Ihr Einsatz ist kostenlos und rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr möglich. Alles über den Verein „Herzenssache Nähen für Sternchen und Frühchen“ erfährt man auf der Homepage: www.herzenssachenfsuf.de