Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bunte Vielfalt

Beim Abend der Begegnung präsentierte sich das Land in seiner ganzen Schöpfungsvielfalt: Hier ein paar aus­gewählte Beispiele von Oberschwaben bis nach Hohenlohe.

Ein Abend der Begegnungsorgt auch für leibliches Wohl.

Modellkirche

Pfarrersbrot und Peitschenstecken, Hochzeitssupp‘ und natürlich Maultaschen – an diesem Abend gilt der schwäbische Spruch, wonach bei so vielen leckeren Angeboten zum Abendbrot „der Buckel auch Bauch“ sein sollte. Zu deutsch: Um mehr kosten zu können, sollte der Rücken auch einen Magen haben. Und das vor allem in der oberen Königstraße, wo sich Kirchengemeinden, die auf oder an der östlichen Schwäbischen Alb liegen, die Gäste „Von der Ostalb verwöhnt“ sehen wollen. Die Hochzeitssupp‘, mit deren Zubereitung schon kurz nach zwei Uhr am Nachmittag begonnen wurde, hat’s in sich. Rund 500 Portionen davon gabs – aber nicht lange.

„Wahrscheinlich hat der Pfarrer gemeint, weil ich so selten in die Kirche komme, sollte ich eine bauen.“ Jetzt ist sie fertig. Und sie steht während des Kirchentags auch noch im Zentrum Gemeinde auf dem Marktplatz von Zuffenhausen. Der Clou, das Gebäude aus Holz und Metall steht auf einem eigens gefertigten Doppelachsanhänger. So ist das Kirchle praktisch überall einsetzbar.

Blühende Landschaften

Die Natur ist einfach wundervoll: Das haben die Gemeinden Lauterbach und Rosenfeld erlebt, als sie ihre Rasenflächen um die Kirche herum in eine Bienenweide verwandelten. Jetzt summt es dort und blüht in den allerschönsten Farben, und viele Menschen stellten erstaunt fest, welche Arten zu ihnen ins Dorf zurückgekehrt sind. In Lauterbach, das auf der Schwarzwaldseite liegt, hat der Grüne Gockel dazu den Anstoß gegeben. In Rosenfeld war es das Netzwerk Blühende Landschaften im Zollernalbkreis, sowie die Tatsache, dass der neue Pfarrer Bernd Hofmann einen großen grünen Daumen hat.Beim Kirchentag hatten die Besucher Gelegenheit, beide Projekte zu erleben, Naturhonig zu probieren – und die eine oder andere Anregung mit nach Hause zu nehmen.

Kehrwochen-Wettbewerb

Beim Börsenplatz und fast die ganze Theodor-Heuss-Straße hinab präsentiert sich die Region Stuttgart. Die Luft vibriert, und überall duftet es nach regionalen Spezialitäten und ihren Neuinterpretationen wie Maultaschenspieße oder Filderkrautburger. Auch ein originelles Unterhaltungsprogramm wird an den zahlreichen Ständen geboten. So veranstaltet die Thomasgemeinde Kaltental ein Kehrwochen-Kompetenz-Training mit Wettkehren. Am Stand von Deizisau lässt sich die neunjährige Elisabeth, angereist aus Preetz bei Kiel, als „Engele“ vor dem blauen Deizisauer Himmel fotografieren. Und bei der Kirchengemeinde Nellingen kann man weißblaue Beffchen basteln – jene Dinger, die dem Pfarrer „zum Hals heraushängen“. So formuliert es das Bayrische Pfarrkabarett „Das Weißblaue Beffchen“, auf dessen Programm die Aktion hinweist.

Evangelische Ministranten

Schließt man die Augen, könnte man sich bei der Region Bodensee-Oberschwaben auf einer blumigen Almwiese wähnen: Ein Allgäuer Alphorntrio spielt Weisen, dessen sanfte Töne sonst von Berg zu Berg wehen. Ulm ist mit seiner Münsterbauhütte angereist. Wer möchte, kann sich hier ein Stück von der Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt abmeißeln und mitnehmen – von einer Fensterrippe aus dem 14. Jahrhundert. Am Stand der Friedenskirche Steißlingen erklären derweil Tanja, Jonas und Marcel von ihren Aufgaben als evangelische Ministranten.
 

Hohenlohe-Franken

Crailsheim hat es geschafft: Seit diesem Jahr gehört die Stadt im Landkreis Schwäbisch Hall zu den Reformationsstädten in Europa. Grund genug, einen Reformationsweg einzurichten, der bis 2017 fertig sein soll. Und ein passender Anlass, beim Abend der Begegnung an den Mann zu erinnern, der die Lutherische Lehre im 16. Jahrhundert in der Region Crailsheim verbreitet hatte: Adam Weiß. So gab es am Stand der evangelischen Kirchengemeinde und der Familienbildungsstätte Crailsheim in der Tübinger Straße nicht nur Infos zum Reformationsweg, sondern auch zu Leben und Wirken von Weiß, der Theologie an der Uni Mainz lehrte und danach mehr als zehn Jahre Stadtpfarrer in Crailsheim war. Zwei Paare der Trachtengruppe Fränkische Familie verteilten Leckereien an die Besucher.

 

Drei Minuten blind

Dirk zeigt, wie’s geht. „Ich bin Linkshänder und fasse den Blindenstock mit der linken Hand. Daumen oben, Zeigefinger an der Seite: Der Stock ist mein verlängerter Zeigefinger.“ Dass er vor dem Stuttgarter Opernhaus am Eckensee im Oberen Schlossgarten steht, kann er nicht sehen. Vor dem CMB-Erlebnismobil der Christoffel Blindenmission aus Bensheim an der Bergstraße hat sich eine Schlange gebildet. Der Reihe nach erlebt jeder, der hier ansteht, im Inneren des umgebauten Wagens, wie es ist, blind zu sein: drei Minuten lang, eine absehbare Zeit. Eine Brille simuliert die Augenkrankheit Glaukom im fortgeschrittenen Stadium. Die Welt gerinnt zu milchigem Nebel. Die drei Minuten werden lang, wenn die Spitze des Stocks nur auf Widerstände und Hindernisse stößt. Was nun? Dirk hat Stufen angekündigt und gesagt, wie man sie nimmt: Den Stock anheben und herausfinden, wie hoch die Stufe ist. Erst dann kann der nächste Schritt getan werden. Er führt zurück in die Freiheit. Wieder unter die Sehenden.

Das Hefe-Löwenmännchen

„Wie schmeckt das?“, will ein Mann wissen und zeigt in die Bäckerkiste mit Gebäck. Mitten auf der Königstraße werden normalerweise Brezeln verkauft. Doch am Abend der Begegnung erregt ein anderes Hefegebäck Aufmerksamkeit: Es kommt von der Schwäbischen Alb, aus Asselfingen. „Das ist süß“, lüftet eine Frau das kulinarische Geheimnis, „und mit Puderzucker bestäubt.“ Wer genau hinschaut, erkennt in dem länglichen Rosinenbrötchen die Form eines Tieres in Menschengestalt. Vorbild für das Gebäck ist der Lo¨wenmensch aus Hohenstein-Stadel bei Asselfingen auf der Schwäbischen Alb. Die 29,5 Zentimeter hohe Figur ist etwa 32?000 Jahre alt und damit ein Zeugnis aus der jungen Altsteinzeit. Das Original ist im Ulmer Museum zu sehen. Und die essbare Kopie? Die ist einfach zum Reinbeißen.

Heiligs Ländle
Alexander Schweda (Hg.)
Edition Gemeindepresse
14,95 €