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Da wächst was im Koffer - Stadtgarten Sulz

SULZ – Trist und öd war es hier, jetzt ist auf dem Platz zwischen zwei Häusern mitten in der Altstadt von Sulz eine kleine Wohlfühloase entstanden. Der Stadtgarten ist ein Treffpunkt für alle, die ein wenig Natur und einen Ort zum Plauschen suchen. Und ein Beispiel dafür, wie man mit Engagement und guten Ideen etwas für die Gemeinschaft schaffen kann.

Engagiert für den Stadtgarten: (von links) Uli Sailer, Alexandra Rau, Hans-Ulrich Händel und Barbara Hägele. Im Innenhof gibt es viel zu entdecken. Foto: Bärbel Altendorf-JehleEngagiert für den Stadtgarten: (von links) Uli Sailer, Alexandra Rau, Hans-Ulrich Händel und Barbara Hägele. Im Innenhof gibt es viel zu entdecken. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Sie sind engagiert, die Bürgerinnen und Bürger von Sulz am Neckar. Dort, in der Brühlstraße 18, gibt es zum Beispiel eine Denkwerkstatt für Zukunftsfragen. Während des Lockdowns wurde das Online-Café eröffnet, außerdem nähten fleißige Frauen und Männer 1000 „Mauldäschle“, also Mund-Nase-Bedeckungen. Doch was besonders ins Auge fällt, auch wenn es in einer Seitengasse liegt, ist der Stadtgarten in der Brühlstraße. Da wachsen Erdbeeren aus Pantoffeln, Petersilie aus einem Koffer und in alten Schubladen Kohlrabi und Salat. Da hängt ein Gemälde zwischen Efeu und mitten drin lädt ein großer Esstisch zum Platznehmen ein. Das Mobiliar auf dem Innenhof wurde vom Sperrmüll gerettet.

Stadtgarten Sulz, Innenhof. Foto: Bärbel Altendorf-JehleStadtgarten Sulz, Innenhof. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Es kam einiges zusammen, damit dieses kleine Paradies Wirklichkeit werden konnte. Zum einen leistet sich die Stadt mit Hans-Ulrich Händel einen hauptamtlichen Beauftragten für Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung. Er hat ein gutes Händchen und den Kopf voller Ideen, aber arbeitet auch in einer Stadt mit vielen Menschen, die sich einbringen wollen. So reicht oft ein Anstupsen oder umgekehrt zuzuhören, was die Menschen gerne umsetzen möchten, um Ungewöhnliches zu schaffen. Händel steht diesen Bürgern dann mit Rat und Tat zur Seite und ermöglicht ihnen, sich einzubringen. Er legt ihnen von Seiten der Verwaltung keine Steine in den Weg, sondern räumt sie zur Seite, findet Fördertöpfe, bringt Gleichgesinnte zusammen und setzt den organisatorischen Rahmen.

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Stadtgarten Sulz - Die blinde Dame lauscht dem Wind

Beim Sulzer Stadtgarten handelt es sich um einen kleinen, städtischen Innenhof. Im Gebäude daneben wurde die Denkwerkstatt untergebracht. Was in dem Hof geschieht, heißt neudeutsch „Urban Gardening“. Doch Alexandra Rau, die den Garten betreut, nennt es lieber Stadtgärtnern. Denn die Zielgruppe, die mit dem Bepflanzen dieser Brachfläche im alten Stadtkern von Sulz erreicht werden soll, ist eher die ältere Generation. Auch Menschen mit Behinderung und Bewohner von Pflegeheimen zählen dazu.

Innenhof, Stadtgarten Sulz. Foto: Bärbel Altendorf-JehleDer romantische Hof lockt alle an und bietet auch Menschen mit schmalem Geldbeutel einen hübschen Treffpunkt, ohne dass sie dafür – wie bei einem Gasthaus – etwas bezahlen müssen. Hier trifft man sich, kann seinen Kaffee mitbringen und geht vielleicht mit einem Strauß bunter Kräuter oder einem frischen Salatkopf wieder nach Hause.

Die anfänglichen Bedenken, der Platz könne mutwillig zerstört werden, haben sich zerstreut. Einmal stellte ein rücksichtsloser Zeitgenosse Sperrmüll in den Hof, aber das blieb das einzige Ärgernis. Als die Verantwortlichen den Platz nach längerer Zeit mal wieder sauber fegen wollten, fanden sie ihn picobello vor. Ein türkisches Lehrerehepaar aus dem Nachbarhaus ist so begeistert von dem Idyll, dass es für die beiden selbstverständlich ist, den Hof sauber zu halten.

Innenhof Stadtgarten. Foto: Bärbel Altendorf-Jehle

Obwohl die Brühlstraße nicht gerade das Aushängeschild von Sulz ist, so ist der dortige Stadtgarten schon kein Geheimtipp mehr. Zumindest die Einheimischen haben ihn längst in Beschlag genommen und lieben ihn – so wie die ältere blinde Dame, die mit ihrem Mann oft hierherkommt. Sie liebt den Duft der Pflanzen und lauscht dem Wind, wenn er die Blätter sachte hin und her biegt. Hans-Ulrich Händel: „Wenn ich das sehe und höre, geht mir das Herz auf.“

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