Christliche Themen für jede Altersgruppe

Dankbarkeit und Großzügigkeit

2. Korinther 9,6-8 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.

Dankbarkeit und Großzügigkeit

Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: 2. Korinther 9,6-15.

Von Sabine Bullinger

Sabine Bullinger ist Landesbauernpfarrerin. Foto: Hartmut Bullinger



Auf der einen Seite der reich geschmückte Erntedankaltar. Er lässt den Eindruck entstehen, als wäre alles gut. Früchte und Blumen zeigen: Das Gartenjahr war gut, die Landwirte können mit der Ernte einigermaßen zufrieden sein. Auf der anderen Seite berichten die Nachrichten der vergangenen Monate Erschreckendes. Ungeahnte Hitzeperioden und Waldbrände weltweit. Eine Flutkatastrophe ungeahnten Ausmaßes in Deutschland. Der Klimawandel nimmt apokalyptische Züge an.

Müsste dann nicht Bescheidenheit und Sparsamkeit in jeglicher Beziehung das Gebot der Stunde sein? Paulus dagegen spricht vom überfließenden Reichtum der Gaben. Er lobt die Großzügigkeit. Keine Spur von Sparsamkeit. Warum? Weil Gott es ist, der gibt. Er schenkt Gnadengaben und Begabungen aller Art. So reichlich, dass es jederzeit voll genug ist und man locker davon weitergeben kann. „Volle Genüge“, im griechischen Urtext steht Autarkie. Autark sein, das bedeutet, alles zu haben, was man zum Leben braucht. Autark heißt: Keine wirtschaftliche Not spüren, sein Leben selbst bestimmen und die Freiheit haben, abzugeben, weiterzugeben, Gutes zu tun.

Alles haben, was man zum Leben braucht. War das möglich im vergangenen Jahr, dem zweiten mit Corona? Viele werden sagen: Nein. Schule und Kindergärten waren monatelang zu, Chöre haben nicht geprobt, Feste konnten nicht gefeiert werden. Das Zusammensein hat gefehlt. Das braucht man schließlich auch zum Leben. Ich habe beobachtet: Corona hat manchmal dazu gezwungen zu improvisieren, weil Geschäfte geschlossen hatten. Manchmal musste man Nachbarn um Hilfe bitten, weil man selber nicht raus konnte. Hat Corona nicht auch neu gezeigt, dass Gemeinschaft und Solidarität zu dem gehören, was man zum Leben braucht?

Gibt es doch einiges zu danken im Jahr 2021? Wenn ja, muss daraus gleich übertriebene Großzügigkeit erwachsen? Was bringen Spenden denn überhaupt? Nun, Soforthilfe lindert akute Not. Paulus spricht aber noch einen ganz anderen Aspekt an. Spenden lösen Dankbarkeit aus – gegenüber Gott. Paulus behauptet das so. Stimmt das?

Gemeinschaft und Solidarität

Spenden zeigen jedenfalls, dass es Menschen gibt, denen es nicht egal ist, wenn andere in Not sind. Sie sind Zeichen der Verbundenheit. Könnte man nicht sogar sagen: Wenn Menschen gemeinsam leben und füreinander da sind, zeigt das, dass es Gott gibt?

Gott steckt hinter allem, daran erinnert Paulus. Hinter den überreichen Gaben und Begabungen, hinter der großherzigen Gesinnung der Gebenden und hinter der Größe, Hilfe annehmen zu können und sich Verbundenheit schenken zu lassen. So sind alle in Gott verbunden.

„Wer kärglich sät, wird kärglich ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten.“ Das Bild aus der Landwirtschaft inspiriert, den Reichtum der eigenen Gaben zu entdecken. Das Bild von Saat und Ernte motiviert, überhaupt anzufangen. Ob es etwas bewirkt? Ob es Frucht trägt? Ganz sicher. Darauf können wir uns im Blick auf Gottes segensreiches Wirken getrost verlassen.


Gebet

Guter Gott, du lässt die Saat aufgehen, wachsen, reifen und Frucht bringen. Zu dir kommen wir an Erntedank mit unserer Freude und unserem Dank für alles, was in diesem Jahr gewachsen ist. Zu dir kommen wir mit unseren Sorgen für diese unsere Welt. Lass unsere Gaben reiche Früchte tragen. Amen.