Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Dorf als Bilderbuch - Sonderpreis der Landeskirche

ERSINGEN (Dekanat Biberach) – Ob Schweine, Schafe oder Tauben: in der Bibel kommen viele Tiere vor, die es auch hierzulande gibt. Ersinger Grundschüler haben im vergangenen Jahr Plakate zu den biblischen Tieren gestaltet und sie direkt bei den echten Tieren im Ort ausgestellt. Dafür wurden sie beim Bibelpreis der Landeskirche mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Arme hoch: Schüler der vierten Klasse der Ersinger Grundschule mit ihrer Urkunde. Foto: Isabella HafnerArme hoch: Schüler der vierten Klasse der Ersinger Grundschule mit ihrer Urkunde. Foto: Isabella Hafner

An Schafsweiden, Schweineställen und Hühnerkäfigen im Dorf Ersingen bei Erbach haben Grundschüler selbst gestaltete Plakate befestigt. Darauf Bilder und Fakten zu Tieren, die es nicht nur bei ihnen in Ersingen gib, sondern auch in der Bibel. Aus den Plakaten wurde ein kleines Video. Für ihr Projekt „Ersingen – ein echt tierisches Dorf“ haben die Grundschüler sowie ihre Lehrerinnen Nadja Schienke-Weigold und Franca Munding-Kolb von Landesbischof Frank Otfried July einen Sonderpreis beim Bibelpreis 2021 bekommen.

Der echte Hahn kräht daneben

Seit Frühling zierte zum Beispiel ein liebevoll selbst gemaltes Plakat ein Gehege von Hahn und Hennen. Denn ehe der Hahn dreimal krähe, so sagte es Jesus kurz vor seiner Verhaftung voraus, werde ihn sein Freund und Jünger Petrus dreimal verleugnen. Dazu recherchierten die Kinder ein paar Fakten zum Hahn, zum Beispiel wie groß er werden kann, wie er aussieht und wann seine Paarungszeiten sind. Außerdem konnte der Betrachter des Plakats lesen, welche Worte die Schöpfer des Hahn-Plakats an Gott richteten: „Hallo Gott, mit dir unterwegs zu sein ist spannend. Ich bin neugierig, was du dir heute wieder für mich ausgedacht hast.“

Foto: Isabella HafnerDas ganze Dorf wurde damit zu einer Art Bilderbuch. Manche Kinder erzählen, dass sie mit ihrer Familie spazieren gegangen sind und sich die Plakate angeschaut haben. Und natürlich auch die echten Tiere dazu, die „live“ in ihrem Dorf weideten, krähten oder sich im Dreck suhlten.

Für den Esel mussten die Kinder nicht lange nachdenken. Allen war klar: an der Weihnachtskrippe, da gehört er mit zum Standard-Personal. Für das Plakat hatten aber ein paar Schüler noch eine andere Szene im Kopf: Palmsonntag. Sie schrieben: „Jesus reitet auf einem Esel nach Jerusalem. Alle Menschen jubeln ihm zu.“

Auch Schafe leben zahlreich in Ersingen. Genauso in der Gegend rund um Jesus’ Heimat Nazareth, vor mehr als 2000 Jahren. Da gab es viele. Deswegen kommen Schafherden immer wieder in der Bibel vor. Selbstverständlich – wie der Esel – auch in der Weihnachtsgeschichte. Aber David und sein Freund sind auch noch auf eine andere Geschichte gestoßen. Auf ihrem Plakat schreiben sie: „Ein Hirte hatte 100 Schafe. Jeden Tag zog der Hirte mit seinen Schafen auf eine Weide. Einmal kam ein Schaf vom Weg ab.

Erst am Abend bemerkte der Hirte es. Er ließ die 99 Schafe zurück. Der Hirte fand sein Schaf.“ Das Gleichnis aus dem Lukas- und Matthäusevangelium vom hartnäckigen, ungehorsamen Schaf, das ausbüchste. Von seinem Hirten wurde das verlorene Schaf mit offenen Armen wieder aufgenommen. 10 bis 18 Jahre alt können Schafe werden, hat die Gruppe mit dem Schafsplakat herausgefunden.

Auch Fische gibt es in Ersingen in der natürlichen Umwelt. Sie leben im dortigen Baggersee. Und in der Bibel. Hannah und ihre Freundin haben sich für ihr Plakat die Stelle in der Bibel ausgesucht, wo Petrus ein erfolgloses Angelerlebnis hat. Er geht „nachts angeln und fängt keinen Fisch“, schreiben die Kinder. „Jesus kommt und sagt: ,Geh nun angeln!’ Es ist Mittag. Petrus fährt auf den See raus, wirft sein Netz aus und fängt viele Fische. Gemeinsam mit den anderen Fischern kann er den Fang an Land bringen.“ Die Schülerinnen danken Gott für die Fische.

Schüchtern sitzt die Taube da

Besonders rührend ist das Plakat mit der Taube, das außen am Schulgebäude hing. Sie sitzt auf dem Plakat mit eingezogenem Kopf, geduckt auf einem Ast. Man sieht, dass es ihr nicht gut geht. Sofie und Naomi berichten: „Wir dachten an die Taube, weil auf unserem Schuldach immer ganz viele sitzen.“

Foto: Isabella Hafner

 

Zur passenden Bibelstelle schrieben sie: „Er öffnete das Fenster und ließ eine Taube hinausfliegen. Sie kam ohne Mutter zurück. Das nächste Mal hielt sie ein Ölblatt im Schnabel.“ Eine Szene aus der Geschichte um Noah und seine Arche. Die beiden Mädchen, die sich der Taube thematisch gewidmet haben, schreiben darunter an Gott die Worte: „Hallo Gott! Es ist gar nicht so einfach, wenn man jemanden mag. Auf einmal bin ich ganz schüchtern und weiß nicht, was ich tun soll. Bitte leite mich. Amen.“

Laura berichtet aufgeregt von den Schweinen, die sogar direkt bei ihrer Familie leben. Sie wohnt nämlich auf dem Bauernhof. Deshalb war für sie klar, sie schaut nach: Wo in der Bibel geht es um Schweine? Und erzählt die Geschichte von dem reichen Mann, der wegging von seinem Vater und sein ganzes Geld für „Parties und Spiele ausgegeben hat“.

Foto: Isabella HafnerDann kam eine große Hungersnot. Er nahm eine Arbeit als Schweinehirte an, bekam aber nichts zu essen. Also entschied er sich zu seinem Vater zurückzukehren und ihm zu sagen, dass es ihm leid tue, dass er gesündigt habe – in der Hoffnung, er dürfe bei ihm als Diener arbeiten. Nichts da! Der Vater schloss den verlorenen Sohn voller Freude in die Arme.

Für die glücklichen Gewinner gibt es ein Preisgeld von 1000 Euro. Lehrerin Franca Munding-Kolb hat daran gedacht, Futter für die Ersinger Bibeltiere damit zu kaufen. Dann können die Schüler mit ihr vielleicht bald mal raus aus dem Klassenzimmer und eine Füttertour durchs ganze Dorf machen.