Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Finale fehlt - Konfirmation 2020

Jetzt wäre die Zeit der Konfirmationsfeiern zu Ende gegangen ‒ hätten sie denn stattgefunden. Auch der Konfiunterricht in der gewohnten Form fällt seit Wochen aus. Mit den digitalen Alternativen haben die Pfarrerinnen und Pfarrer unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Thomas Hartmann, Pfarrer Bernhard Richter und Lars Rieger (von links) haben per Videostream einen Vorgeschmack auf die Konfirmation gegeben ‒ am Tag des geplanten Termins. Foto: Pressebild/ Thomas SiedlerThomas Hartmann, Pfarrer Bernhard Richter und Lars Rieger (von links) haben per Videostream einen Vorgeschmack auf die Konfirmation gegeben ‒ am Tag des geplanten Termins. Foto: Pressebild/ Thomas Siedler

Seine Gefühlslage beschreibt Harry Waßmann in einem Wort: „Schockstarre.“ Den Pfarrer der Tübinger Eberhardskirche hat der coronabedingte Abbruch des Konfirmationsunterrichtes und schließlich die Absage der Konfirmationstermine hart getroffen. Den abrupten Stopp hat Julia Kling genauso empfunden. „Wir haben uns noch Denksprüche ausgedacht“, erinnert sich die Pfarrerin in Pliezhausen an ihre letzte Konfi-Stunde. „Und dann war plötzlich Schluss.“

Der Schock traf auch die Gemeinden. „Das Thema ist bei uns massiv aufgeschlagen“, sagt Elisabeth Hege, Dekanin des Kirchenbezirks Tübingen. „Da kam der Vergleich: Eine Konfirmations-Absage hätte es ja nicht einmal 1945 gegeben – da sieht man, wie das die Leute aufwühlt.“

Aber wie damit umgehen? Jörg Conrad, Pfarrer in Nehren, hat 18 Kolleginnen und Kollegen zum Erfahrungsaustausch digital zusammengeführt. Er ist Bezirksbeauftragter für die Konfirmations-Arbeit und auch im Beirat für Konfirmandenarbeit der Württembergischen Landeskirche.

Konfi-Challenge von Julia Kling, Pliezhausen. Diese Aufgabe bekamen die Konfirmanden aufs Smartphone geschickt. Foto: Wolfgang Albers, privatDiese Aufgabe bekamen die Konfirmanden aufs Smartphone geschickt. Foto: Wolfgang Albers, privat

 

Ein wichtiger Punkt des Austausches war: Wie lässt sich der Kontakt zu den Konfirmanden halten? Für Julia Kling war klar: „Mir war der Kontakt über die Eltern und per E-Mail nicht genug.“ Die 30-Jährige, in Pliezhausen auf ihrer ersten Stelle als Pfarrerin, ist schon vom Privatgebrauch andere digitale Kanäle gewohnt: „Da ist das Smartphone ein Segen.“ Wer möchte, könne ihr seine Nummer geben, hat sie ihrer Gruppe gesagt: „Es haben alle gemacht.“

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Für die „Konfi-Challenge“ schickte sie verschiedene Aufgaben herum, etwa: „Welches Video bringt dich zum Lachen? Lass uns mitlachen!“ Über die digitalen Kanäle hat sie Fürbitten der Konfis gesammelt und diese im Gottesdienst, den sie per Video öffentlich gemacht hat, vorgelesen. „Der Rücklauf war großartig – es haben sich ganz viele gemeldet.“ So haben sie zum Beispiel Screenshots von ihrem Stream-Gottesdienst geschickt. „Das ersetzt ja auch das Unterschriftenheftchen, mit dem sie sonst den Gottesdienstbesuch dokumentieren müssen.“

Julia Kling, Pfarrerin, Pliezhausen, Konfirmandenunterricht

Klar ist für Pfarrerin Kling: „Ich vermisse die Treffen.“ Doch die digitale Alternative will sie nicht nur als schlechteren Ersatz sehen. Denn das Virtuelle habe auch seine Vorteile: „Das ist eine andere Ebene des Austauschs, und manchmal habe ich das Gefühl, so viel mehr über meine Konfirmanden zu erfahren. Im Digitalen fällt es manchen leichter, sich zu outen – in der Gruppe wären sie eher still geblieben.“

Ist Corona eine Strafe Gottes?

Beim Austausch im Kollegenkreis hat nur eine weitere Pfarrerin ähnlich positiv berichtet. Der Rest war skeptischer, sagt Jörg Conrad: „Sie sagen, es sei sehr schwierig und mühsam, den Kontakt zu den Gruppen zu halten. Von den Jugendlichen sei wenig zu hören. Das sei sehr unbefriedigend.“

Jörg Conrad hat deshalb zum Telefon gegriffen und seine zehn Konfirmanden mal angerufen: „Das sind nur sehr kurze Gespräche, aber man hat sich wenigstens mal gehört.“ Er hat angeboten, ihm Fragen zu stellen. Da kam schon mal: „Warum lässt Gott das zu? Ist Corona eine Strafe von ihm?“ Aber von den meisten höre man nichts: „Ich persönlich nehme das als Abbruch wahr. Kirche spielt bei den Jugendlichen jetzt keine Rolle, und ich habe nicht den Eindruck, dass sie den Weg in die digitale Kirche gefunden haben“, ist Conrads Einschätzung.

Konfirmandenunterricht, Pfarrer Harry Waßmann, Eberhardskirche Tübingen

Harry Waßmann vermisst besonders die Gruppenstunden. Konfirmandengruppen waren schon immer seine Leidenschaft, drei Gruppen mit 45 Konfirmanden hat er dieses Jahr. Es sind seine letzten. Im Sommer geht er in den Ruhestand. „Mit Jugendlichen zu arbeiten war mir immer besonders wichtig“, sagt er. „Damit sie spüren: Der Glaube könnte dir ein Licht aufsetzen, er ist nicht Zwang. Bei der Konfirmation bekommen die Jugendlichen erlebte Religion mit. Und dass sie sich dort selber artikulieren können. Dieses Finale fehlt.“

Harry Waßmann hadert mit dem Verbot der Landeskirche, Präsenz Konfi-Stunden zu machen. „Wir haben hier einen großen Saal für 300 Leute – warum kann man sich da nicht mit 15 Leuten verteilen?“ Einer seiner Konfirmanden habe ihn angerufen: Man könne doch im Grünen Gruppenstunden machen. „Ich wünsche mir, dass man uns Pfarrern zutraut, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen.“

Aufgeben will er noch nicht: „Ich mache weiter. Mit E-Mail – und ich versuche, Aufgaben zu geben. Vielleicht für eine Konfi-Zeitung. Weil ich doch am Papier hänge, da bin ich antiquiert.“ Er hofft, nach Pfingsten mit den Gruppen weitermachen zu können und auf einen baldigen Abschluss: „Das kann man doch nicht bis Weihnachten ziehen.“

Aber das ist genau die Frage. „Alle stehen doch im Spagat“, sagt Jörg Conrad. „Weitermachen? Aber unter welchen Bedingungen? Oder das Ganze ins nächste Frühjahr verschieben?“ Im Tübinger Kreis geht die Tendenz dahin, als Konfirmationstermin noch den Herbst anzupeilen, er selber ist für einen Stopp jetzt und ein Weitermachen im Frühjahr: „In unsere Nehrener Kirche passen mit Abstandsregeln nur 30 Leute – also pro Konfirmand noch zwei weitere Personen. Das geht eigentlich nicht.“ Die Eltern sehen das mehrheitlich ebenso.

Konfirmation - Verschoben heißt nicht ausgefallen

So lange will Bernhard Richter, Pfarrer an der Aalener Stadtkirche, nicht warten. In einem ganz besonderen Gottesdienst hat er den 27. September in Aussicht gestellt – wenn es die Lage denn zulässt. Dieser Gottesdienst war am Freitag vor dem geplanten Konfirmationssonntag der Gemeinde aufgenommen worden und über Youtube dann am Sonntag abrufbar. An seiner Seite waren zwei der Konfirmanden, Lars Rieger und Thomas Hartmann. Sie brachten ihre Enttäuschung über die Absage zum Ausdruck: „Überall im Land wäre heute Konfirmation.“ Aber sie hatten auch eine Botschaft: „Die Konfirmation fällt nicht aus, sie ist nur verschoben.“ Als kleinen Ausblick trugen sie Teile der Texte vor, die sie für den Konfirmationsgottesdienst vorbereitet hatten.

Egal, wann die Konfirmation nun kommt – sie kommt. Das hat auch Julia Kling ihren Konfirmanden geschrieben: „Ich verspreche euch: Es wird sie geben.“ Das steht auf einer Postkarte, die sie ihrer Gruppe zum 3. Mai geschickt hat – dem ursprünglichen Termin. Und noch etwas hat sie darauf geschrieben: „Ich muss oft ganz arg an euch denken!“ □

„Wir brauchen das Analoge“

Corona stellt nicht nur die Konfirmation, sondern die ganze evangelische Jugendarbeit vor große Herausforderungen – das ist das Fazit des Landesjugendpfarrers Bernd Wildermuth. Er fasst die Rückmeldungen aus den Pfarrämtern so zusammen: Das Digitale sei ganz hilfreich gewesen, aber jetzt sei es langsam ausgereizt: „Wir brauchen wieder das Analoge.“ Also die persönliche Begegnung.

„Wir haben mit Corona noch lange zu tun“, schätzt Wildermuth. Andererseits drängt die Zeit. Der neue Konfi-Jahrgang sollte langsam auf den Weg gebracht werden. „Da werden wir viel Kreativität entwickeln müssen.“ Ein Krisen-Team überlege sich gerade, was geht und was nicht: „Müssen wir in der Jugendarbeit Masken aufsetzen? Macht man die Konfirmations-Gottesdienste kürzer?“ Das seien keine rosigen Aussichten: „Es sind Dilemmata, vor denen wir gerade stehen.“ Vermutlich, denkt Wildermuth, wird es auf eine Mischung zwischen analog und digital hinauslaufen. „Für die neuen Konfirmanden planen wir, nach den Sommerferien mit einer Hybrid-Form zu starten.“

Wolfgang Albers

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