Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Gute und das Böse - Impuls zur Predigt

Johannes 13,21-30 (in Auszügen) Jesus sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Und es war Nacht.

 

Das Gute und das Böse

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Invokavit: Johannes 13,21-30

Von Sandra Baier

Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen und Oppingen im Kirchenbezirk Blaubeuren. Foto: Privat

 

Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen und Oppingen im Kirchenbezirk Blaubeuren. Foto: PrivatUnd es war Nacht. Ein Schaudern ergreift uns beim Lesen des Textes. Nun nimmt das Unheil seinen Lauf. Judas wird ihn verraten. Wir wissen, was dann kommt. Jesus wird gefangen genommen, Schmerzen und Demütigungen erleben und den gewaltsamen Tod am Kreuz sterben müssen. In diesem einen Moment, in dem Jesus sein Brot eintaucht und es Judas gibt, ist all das beschlossen. Es gibt kein Zurück mehr. Und es wurde Nacht.

Judas wird zum Verräter. Er ist der Schuldige in dieser Geschichte und wird über die Jahrhunderte hinweg zu einem Gesicht des Bösen. Dabei hatte er doch gar keine andere Wahl. Die Johanneserzählung zeigt uns deutlich, dass das genau so kommen musste und dass Jesus sogar selbst derjenige ist, der den Stein ins Rollen bringt, indem er Judas sein Brot reicht als Zeichen dafür, dass der Teufel in ihn fahren soll. Er sagt sogar noch: „Was du tust, das tue bald!“ Obwohl Jesus hier, verletzlich wie wir, zum Opfer von Verrat und Gewalt wird, hält er die Geschicke in seiner Hand und gibt sich ganz bewusst in sein Schicksal hinein.

Somit wird eigentlich auch Judas zum Opfer dieser Geschichte. Der Satan fährt in ihn und veranlasst ihn zum Verrat. Das Böse wird zu einem Spielball Gottes. Uns fällt es oft schwer, über den Teufel und das Böse nachzudenken. Können wir den Teufel als Gegenspieler Gottes überhaupt in unseren Gedanken zulassen? Gott ist doch allmächtig, wie soll es da eine zweite, böse Macht geben? Und doch erleben wir zugleich so viel Schreckliches in unserer Welt, dass wir das auch nicht mit der Güte Gottes in Einklang bringen können und es manchmal vielleicht leichter ist, den Gedanken an eine „böse Macht“ zuzulassen. In der Bibel wird der Satan immer wieder erwähnt. Da ist er nicht ausgeklammert. Und trotzdem zeigt uns diese Geschichte, dass der Teufel keine zweite Macht neben Gott ist, sondern Gott über den Teufel herrscht.

Ich glaube, in uns Menschen ist leider beides veranlagt, das Gute und das Böse. Unsere Aufgabe ist es, das Gute zu wollen und zu leben und dadurch das Schlechte in uns im Zaum zu halten. Einem jeden der Jünger wurde es bei der Ankündigung des Verrates bange und jeder dachte darüber nach, dass es hoffentlich nicht er sei.

Judas wird zum Verräter

Das zeigt uns doch, dass in jedem von uns die Möglichkeit steckt, sich auch für das Böse zu entscheiden. Und doch brauchen wir uns vor dieser Macht nicht zu fürchten, denn es gibt einen, der stärker ist. Der Wochenspruch in dieser Woche heißt: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3,8) Jesus kam in die Welt, um dieser Macht in uns die Stirn zu bieten. Er hat uns davon befreit, indem er am Kreuz für uns gestorben ist und uns unwiderruflich mit Gott versöhnt hat. Es gibt nichts, was Gott uns nicht verzeihen wird, wenn wir ihn darum bitten und bereuen. Seine Barmherzigkeit übersteigt unsere Vorstellung bei weitem. Darum hat Jesus also sein Brot Judas gereicht und den Verrat in Gang gebracht. Nicht das Unheil, sondern das Heil nahm damit seinen Lauf. Und als die Frauen wenige Tage später zum leeren Grab kamen, wurde es heller Tag.

Planet Erde. Aquarell. Foto: unsplash/Elena MozhviloFoto: unsplash/Elena Mozhvilo

Gebet

Herr, bestärke uns darin, Gutes zu tun.

Richte unsere Blicke darauf, diese Welt menschlicher, gerechter und friedlicher zu machen.

Vergib, was uns nicht gelingt und lass uns auf deine Barmherzigkeit trauen.

Amen.

 

Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen und Oppingen im Kirchenbezirk Blaubeuren.