Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Internet im Team betreuen

Soziale Medien sind aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr weg zu denken. Doch müssen Kirchen­gemeinden alle Medien gleich gut bedienen? Der Pfarrer und Medienexperte Ralf Häußler gibt ­Entwarnung und rät zu Kooperationen. Nicole Marten hat mit ihm gesprochen. 


Ralf Häußler gibt auch Seminare für Gemeinden, die im Internet präsent sein wollen. (Foto: privat)

Sind Sie in sozialen Medien aktiv?

Ralf Häußler: Ich habe einen Blog, bediene ihn aber nicht gut. Denn ich habe zu wenig Zeit. Facebook und Twitter sind für mich wichtig, weil ich damit gut internationale Kontakte halten kann. Aber in den meisten Fällen ist für mich die E-Mail das beste Medium – es ist schnell und zuverlässig.

Was ist denn der Vorteil einer E-Mail im Vergleich zu anderen Medien?
Ralf Häußler: Im Büro hat die Mail große Vorteile. Früher hat ständig das Telefon geklingelt und einen aus der Arbeit heraus gerissen. Bei den E-Mails kann ich entscheiden, wann ich antworte, und kann mich so besser konzentrieren.

Und die sozialen Medien, wie Facebook, Twitter und Co.?
Ralf Häußler: Die setzen mich manchmal unter Druck, denn meist muss man gleich antworten. Man wird ja regelrecht bombardiert: Während das Festnetztelefon im Büro bleibt, geht das Diensthandy auch nach Feierabend mit, genau wie das Tablet, also der tastenlose tragbare PC. Dadurch bekommt man ständig Nachrichten aus den sozialen Medien mit.

Wie schätzen Sie die sozialen Medien denn ein?
Ralf Häußler: Das meiste, was uns dort begegnet, zum Beispiel auf Whatsapp, Twitter oder Facebook sind Begegnungsblitze, bei denen eine ausführliche Argumentation weder vorgesehen noch zielführend ist. Die sozialen Medien eignen sich nicht, um konfliktträchtige Themen zu klären, da ist das persönliche Gespräch oft hilfreicher.

Was sind denn die Chancen, wenn ein Pfarrer den Kontakt zu seinen Konfirmanden über Facebook hält?
Ralf Häußler: Das ist einfach das Medium der Jugend, und so ist sie zu erreichen. Der Kontakt ist viel unmittelbarer. Aber man sollte damit auch vorsichtig umgehen.  Ein Pfarrer ist auch eine Autoritätsperson. Auf Facebook begegnet man sich gleichberechtigt, das kann zu Rollenkonflikten führen.

Welche Aufgabe hat Kirche denn, wenn es um neue Medien geht?

Ralf Häußler: Einerseits sollte Kirche die neuen Medien nutzen. Zum anderen hat sie aber auch einen Bildungsauftrag. Sie sollte zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Menschen zugehen, aber sie kann ihnen Werkzeuge an die Hand geben, damit sie selbst entscheiden können, wie sie diese Medien nutzen. Ein Beispiel: Beim Projekt „Weltwärts“ gehen junge Menschen für ein Jahr ins Ausland, um dort in Projekten mit zu arbeiten. Für diese jungen Leute stellt sich die Frage, wie häufig sie mit ihren Eltern und ihren Freunden kommunizieren wollen. Oder sollen sie dieses Jahr nicht einfach einmal für sich selbst nehmen, ohne ständig darüber zu reden? Wenn sie dann nach Deutschland zurück kommen, lässt sich der Kontakt zu den neuen Bekannten im Ausland leichter aufrecht erhalten durch die neuen Medien.

Das Internet erleichtert die Kommunikation des Evangeliums, heißt es in der Kundgebung EKD. Aber viele Internetseiten von Kirchengemeinden sind nicht aktuell. Was raten Sie den Gemeinden?
Ralf Häußler:  Ich selbst bin manchmal nicht ganz zufrieden mit meinen Twitter- und Facebook-Auftritten. Denn diese Medien muss man wirklich jeden Tag bedienen. Ein Pfarrer kann das leisten, wenn er ständig online ist. Aber Pfarrer oder auch Kirchengemeinden dürfen sich auch nicht verzetteln. Für mich ist die Priorität klar: Zuerst sollte die Internetseite gut gemacht sein. Dann kann man sich überlegen, ob und wie man die sozialen Medien bedient. Das kann auch durch Kooperationen geschehen – nicht jeder Pfarrer muss twittern oder auf Facebook präsent sein. Ich rate hier zu Bescheidenheit und Gelassenheit. Es ist nicht gut, fünf Orchester gleichzeitig spielen zu lassen, wenn sie schlecht spielen. Dann lieber nur eins, und das richtig. So ist es auch beim Internet. Ein gutes Internet-Team ist für eine Kirchengemeinde schon die halbe Miete. Das müssen mehrere Leute sein, damit das Engagement nicht nur auf den Schultern eines Einzelnen ruht. Und es müssen Leute sein, die eine Liebe dazu haben. Sonst wirkt es unglaubwürdig.