Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Leben bekommt Halt - Plötzlich obdachlos und dann?

Wohnraum ist knapp und teuer. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen zu wenig Geld übrig haben, um sich etwas zu essen zu kaufen. Andere können sich keine Wohnung leisten. Welche Schicksale dahinterstecken und wo es Hilfe gibt.

Ein warmes Mittagessen ist für manche Menschen schon kaum bezahlbar. Foto: eva Stuttgart/ Martin StollbergEin warmes Mittagessen ist für manche Menschen schon kaum bezahlbar. Foto: eva Stuttgart/ Martin Stollberg

Es sind ganz unterschiedliche Gründe, weshalb ein Mensch obdachlos wird. Manche, zumeist Männer, werden von ihren Frauen von jetzt auf gleich auf die Straße gesetzt, finden vielleicht kurzfristig Unterschlupf bei Freunden und später wieder eine Wohnung. Doch viele verwinden den Schock nicht, flüchten in den Alkohol, verlieren den Job, später die neue Wohnung. Andere, die ins Gefängnis mussten, weil sie straffällig geworden sind, haben nach der Entlassung keine Bleibe mehr. Oder eine psychische Erkankung macht es schwer, eine Wohnung zu halten.

Manche haben es länger nicht geschafft, ihre Post zu lesen, und damit auch eine Kündigung des Mietvertrags nicht gesehen, geschweige denn die Räumungsklage und sind überrascht, wenn der Räumtrupp vor der Türe steht, sagt Armin Bubser, Leiter des Immanuel-Grözinger-Hauses in Stuttgart, eines Männerwohnheims, das zur Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva) gehört.

Eines der Hauptprobleme für die Menschen ist es, dass ihnen die Tagesstruktur fehlt. Ein fester Ablauf also, der ihnen Halt geben könnte. Im Wohnheim können sie eine solche Struktur finden, und zu einem Dach über dem Kopf auch Heimat. Elf solcher Einrichtungen gibt es allein in Stuttgart. Teilweise nur für Männer, teils nur für Frauen, teils gemischt. Und einige für Menschen, die jünger sind als 25 Jahre.

Doch wer im Wohnheim Aufnahme findet, muss seine genauen Daten angeben. Das wollen nicht alle. Sie übernachten dann tatsächlich auf der Straße, gehen zum Essen in eine Hilfseinrichtung wie „eva’s Tisch“, einen Mittagstisch für Bedürftige, der von der Stadtmission, ebenfalls einer Einrichtung der eva, angeboten wird. Hier kann jeder ein Mittagessen bekommen, ganz ohne Prüfung, sagt Birgit Auer, die Leiterin der Stadtmission. Viele der Stammgäste sind nicht obdachlos.

Dem Tag Struktur geben

Aber ihre Miete ist so hoch, dass fürs Essen nur wenig übrig bleibt. 2,50 Euro am Tag sind gerade noch drin. „eva’s Tisch“ ist – wie die anderen Essensangebote für Bedürftige in Stuttgart – das ganze Jahr über geöffnet.

Die Stadtmission bietet auch eine Tagesstätte an: die Wärmestube. Hier gibt es Duschgelegenheiten, es wird Wäsche gewaschen, und man kann sich in den Räumen aufhalten, Kaffee trinken, reden, Gesellschaftsspiele spielen. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit, andere zu treffen, die ebenfalls ein schweres Los haben. Außerdem gibt es jeden zweiten Sonntag Kultur und eine Andacht bei Kaffee und Kuchen, samstags Frühstück und von Montag bis Freitag ein Vesper zum Mitnehmen. Ein Großteil der Gäste kommt regelmäßig. Die Gemeinschaft mit anderen, das Essen, die Kulturangebote: Die Termine geben dem Tag eine Struktur, dem Leben Halt. □

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