Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Rätsel von Regenbach - Schöne und informative Wanderungen (23)

UNTERREGENBACH (Dekanat Blaufelden) – In Hohenlohe gibt es 16 Pfade der Stille. Der Pfad von Buchenbach nach Unterregenbach und zurück macht seinem Namen alle Ehre. Inmitten der natürlichen Landschaft kann der Wanderer nicht nur Impulsen nachgehen, sondern sich auch auf die Spuren rätselhafter Kirchenbauten machen.

Unterregenbach bei Blaufelden. Foto: Wolfgang AlbersUnterregenbach bei Blaufelden. Foto: Wolfgang Albers

Dass das Wort eines Pfarrers stimmt, kann man im hohenlohischen Unterregenbach noch nach über 100 Jahren überprüfen. Damals kam Eugen Gradmann in diesen Weiler, in dem sich wenige Häuser um einen Fachwerk-Kirchturm glucken. Gradmann brachte das ins Schwärmen: „Das Jagsttal ist eine malerische vielgewundene Schlucht im Muschelkalk. Über die Jagst legt sich eine altersgraue Archenbrücke. Unterregenbach bietet ein ungemein reizvolles Dorfbild und hat manches Altertümliche bewahrt.“

Eugen Gradmann müsste heute nichts von seinen Worten zurücknehmen. Wer ein paar Meter hoch zum Friedhof steigt und dort auf einen Wiesenweg einbiegt, schaut auf einen Fluss, der noch frei mäandern darf und dessen Schlingen sich breit in die Talwiesen legen. Er schaut auf ein kurviges, unbegradigtes und schmales Sträßchen, auf steile Weiden und kleine Äcker, auf das winzige Nachbardorf, wo sich hinter den letzten Häusern die Felder ausbreiten und nicht die Gewerbegebiete.

Pfade der Stille - Malerische Landschaft an der Jagst

Am Horizont, den ein waldiger Bergrücken abschließt, akzentuieren die Schloss- und Kirchen-Türme von Langenburg eine besonders malerische Stadt-Silhouette. Nur die Windräder, die sie überragen, verhindern, dass man sich völlig in der Vergangenheit wähnt. Obwohl: Das werden wir auf unserer Wanderung noch tun – auf Eugen Gradmanns Spuren. Aber zunächst folgen wir den grünen Täfelchen, die uns hier hinauf geführt haben. „Pfad der Stille“ steht darauf. Die Pfade der Stille hat der Hohenloher Franz Jakob initiiert, nach und nach sind so mit Hilfe der Touristiker vor Ort 16 Rundkurse entstanden.

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Die Gegend ist tatsächlich noch sehr dörflich und abgelegen-ruhig. Das sichert jede Menge Landschafts-Genuss – und die Pfade der Stille leiten auch zu interessanten Kulturund Geschichtsorten.

Von Unterregenbach führt ein Hohlweg, ein früherer Schulweg mitten im Wald, zur Hedwigsbank – das Holzmöbel bietet noch einmal einen fantastischen Rundblick. Hoch über der Jagst geht es dann nach Buchenbach dahin – schon bald sticht der Wohnturm der Burg ins Auge.

An der evangelischen Kirche, einem Bau aus dem 12. Jahrhundert, erinnert eine Tafel an Johann Georg Böhringer. Im 19. Jahrhundert war er hier Schulmeister und sicherte sich sein Andenken mit einer Stiftung für ein Kinderfest, das immer noch alle zwei Jahre gefeiert wird.

Unterregenbach bei Blaufelden. Foto: Wolfgang AlbersPfade der Stille im Hohenloherland. Fotos: Wolfgang Albers
Pfade der Stille im Hohenloherland. Fotos: Wolfgang Albers

Durch das Gewann „Weinberge“, längst ein Neubaugebiet mit viel, viel Platz ums Haus, laufen wir über wunderschöne Wiesenpfade, nach Eberbach. Sehen das Geburtshaus von Theodor Haecker. Ein Autor, der die Geschwister Scholl stark geprägt hat. Die Sätze auf den Weiße-Rose-Flugblättern hatten ihre Vorbilder in seinen heimlich verfassten Schriften. Vorbei an der evangelischen Marien-Kirche, die drei Bauern 1453 gebaut haben sollen, strebt der Pfad in die Höhe, in die Stille der Buchenwälder. Wer den Prospekt dazu dabei hat, kann an manchen Stationen Impulsen nachgehen: „Sie sind eine Wegstrecke schweigend gegangen. Was haben Sie gehört? Angenehmes oder Unangenehmes? Wie gehen Sie damit um?“ An einem Abzweig hat Franz Jakob mit Steinen auf bemoosten Felsplatten eine Art Natur-Installation geschaffen und einen Richtungspfeil daran befestigt. „Dein größter Wunsch an Gott?“ steht darauf.

Wenn der Weg wieder aus dem Wald findet, sehen wir jenseits der Schafweiden schon Unterregenbach. Über die Archenbrücke, eine Holzkonstruktion aus dem Jahr 1821, gelangen wir ins Dorf – und zum Rätsel von Unterregenbach. Eugen Gradmann hat diesen Begriff im Jahr 1916 in die Forschungsliteratur eingeführt. Er war Landeskonservator und damit Württembergs oberster Denkmalschützer. Der Ortspfarrer Heinrich Mürdel, der von 1900 bis 1940 amtierte, hatte ihn geholt. Er wusste, dass die Säulen und Gewölbe im Keller seines Pfarrhauses die Reste einer Krypta sein mussten. Aber da musste mehr sein – das wurde ihm klar, als er im Pfarrgarten, dem ehemaligen Ortsfriedhof, einen Brunnen grub und auf Mauerwerk stieß.

Unterregenbach, Pfarrgarten. Foto: Wolfgang AlbersUnter dem Pfarrgarten von Unterregenbach befindet sich die geheimnisvolle Krypta.  Foto: Wolfgang AlbersPfarrgarten und Krypta in Unterregenbach bei Blaufelden. Fotos: Wolfgang Albers

Am Ende stand eine archäologische Sensation: Der ganze Pfarrgarten war einst Standort eine Basilika, zu der die Krypta gehörte, die wohl um das Jahr 1000 gebaut worden und damals die größte Kirche in Württemberg war. Eine Inschrift teilt zwar mit, dass Adlige die Kirche zu Ehren der Heiligen errichtet haben, aber ausgerechnet dort, wo die Namen kommen müssten, ist sie abgebrochen. Und schließlich: Was hat diesen Riesenbau ein halbes Jahrhundert später bis auf die Krypta völlig verschwinden lassen?

Regenbach - Spuren von gleich zwei Kirchbauten

Aber das Rätsel von Regenbach ist noch verwirrender. Das sieht man in der Pfarrkirche St. Veit. Außen hat sie einen markanten Fachwerkturm, das Innere ist merkwürdig uneinheitlich. Ein Tonnengewölbe fällt auf, der Rest einer sehr alten Bemalung und ein schmales Rundbogenfenster. Keine Frage: St. Veit ragt viel weiter in die Zeit zurück als in das 15. Jahrhundert, in dem die jetzige Kirche gebaut wurde.

In einer Kirchenecke ist eine Falltür. Unter ihr führt eine steile Eisenleiter hinab in einen niedrigen Raum. Mächtige Betonstreben in der Decke fangen die Last von St. Veit ab. In diesen Untergrund hatte sich vor allem in den 60er-Jahren der Archäologe Günter Fehring durchgegraben – seitdem liegen die Fundamente einer kleinen Kirche aus dem 8. Jahrhundert frei. Steinkirchen aus dieser Zeit der Karolinger sind extrem selten – und dann waren sogar zwei sehr frühe Kirchen in Unterregenbach, an einem Punkt sogar nur sechs Meter auseinander?

Die archäologische Fachdiskussion bietet die unterschiedlichsten Deutungen und ist sich völlig uneinig, etwa zur zeitlichen Einordnung der Kirchen. Soviel aber ist klar: Der heute so entlegene Fleck muss damals ein bedeutendes Zentrum gewesen sein. Ein Wallfahrtsort, ein Markt von überregionaler Anziehungskraft? Weitere Forschungen sollen das beantworten – damit man nicht mehr wie Eugen Gradmann vor dem Rätsel resignieren muss: „Des Geschichtsforschers Mühe vermag nur einzelne Fragen mühselig aufzuhellen, wie wenn wir in der Krypta mit dem Kellerlämpchen herumleuchten.“

Krypta und Kirche Unterregenbach: Die Krypta unter dem Pfarrhaus und die Kirche sind frei zugänglich.

Die karolingische Kirche im Untergeschoss ist bei einer Führung zu besichtigen. Anfragen an den Pfarrhaus-Bewohner und leidenschaftlichen Unterregenbach-Forscher Hans-Jörg Wilhelm, Telefon 07905-940600.

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