Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das reinste Honigschlecken - Wallfahrtskirche Birnau

BIRNAU – Die Wallfahrtskirche Birnau hoch über dem Ufer des Bodensees ist ein Juwel. Das Gnaden- bild der Maria bildet ihren Hauptanziehungspunkt, doch insgeheim interessieren sich viele dort für etwas ganz anderes. Eine Annäherung über den Prälatenweg.

Die Wallfahrtskirche liegt am Ufer zwischen Überlingen und Uhldingen-Mühlhofen.  Foto: Redaktion Die Wallfahrtskirche liegt am Ufer zwischen Überlingen und Uhldingen-Mühlhofen.

Serie - In der Serie „Rauskommen“ stellen wir schöne, spirituelle und informative Wanderwege vor. Teil 49: Der Prälatenweg. Folge 48 war erschienen in der Ausgabe 38/2021.

„Der Honigschlecker, wo ist der Honigschlecker?“ Eine kleine Knabenfigur aus Gips hat sich im Laufe der Jahrzehnte zur wichtigsten Sehenswürdigkeit der Basilika Birnau hochgearbeitet. Ein frecher Bub, der aussieht, als ob er gerade einen Bienenkorb stibitzt hätte, und nun von der süßen Beute nascht. Ein paar vergoldete Bienen fliegen ihm ums Bein, wenn er Pech hat und sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, wird er vielleicht sogar gestochen.

Ganz so unheilig, wie es klingt, ist der Honigschlecker freilich nicht. Er bekrönt den Bernhardsaltar auf der rechten Seite der Wallfahrtskirche. Bernhard von Clairvaux war der Ordensvater der Zisterzienser, es heißt, das Wort Gottes und das Lob der Maria seien ihm wie Honig aus dem Mund geflossen. Das kleine Schleckermaul ist also ein Symbol für Bernhard und seine Verkündigung.

Damit kann auch ein frommer Christ gut leben. Die Birnau. Von weitem schon sieht man die malerisch am Bodenseeufer gelegene Kirche. Sie ist von Obstgärten und Weinbergen umgeben und macht eigentlich von jeder Seite eine gute Figur. 1750 wurde sie eingeweiht, auf dem Höhepunkt barocker Machtentfaltung des nahe gelegenen Klosters Salem. Dem gehörten der Grund und die Basilika am Bodensee, die in ihrer himmlischen Erscheinung ein wenig an die oberbayerische Wieskirche erinnert. Zu Tausenden kommen die Menschen jährlich zur Birnau. Es sind ganz unterschiedliche Typen. Urlauber, die die Kirche zufällig beim Vorbeifahren entdecken. Einheimische, die mit einer Flasche Wein am Vorplatz den Tag ausklingen lassen. Oldtimerbesitzer, die frech vor die Tür fahren und sich vor der Traumkulisse dekorativ ablichten lassen.

Prälatenweg bei Birnau am Bodensee. Foto: Andreas Steidel Foto: Andreas Steidel

Und dann gibt es da noch immer jene Gruppe von Menschen, für die die Birnau eigentlich erbaut wurde: die Wallfahrerinnen und Wallfahrer. Jeden 13. im Monat kommen sie, um die Maria anzubeten. Es ist der Tag von Fátima, benannt nach jener Stadt in Portugal, in der drei Hirtenkindern 1917 die Mutter Gottes erschienen war.

Seit über 20 Jahren nimmt Bibiana Müller an der Fatima-Wallfahrt zur Basilika Birnau teil. Jeden Monat, wenn es irgendwie geht. Es ist ein bewegendes Erlebnis, in einer Kirche, die dann oft bis auf den letzten Platz besetzt ist. Der Höhepunkt stellt eine Lichterprozession dar mit einer Messfeier, die in der Saison oft von prominenten Geistlichen gehalten wird.

„Ein Sehnsuchtsziel“, nennt Bibiana Müller die Rokokokirche Birnau, „der schönste Thronsaal Gottes und Mariens direkt am Ufer des Bodensees“. Tatsächlich hat die Anlage etwas von einem Märchenschloss, wäre der Bayern-König Ludwig II. unter die Kirchenbauer gegangen, hätte es am Ende wohl ganz ähnlich ausgesehen.

Tatsächlich war der Bauherr der mit üppigen Fresken verzierten Wallfahrtskirche Abt Anselm II. Schwab aus Salem (1713–1778). Zwar hatte sie sein Vorgänger noch auf den Weg gebracht, doch unter seiner Ägide wurde das Wunderwerk vollendet. Von Anfang an hatte man die Wirkung im Blick. Die exponierte Lage auf einem Hügel, der von keinem anderen Bauwerk umgeben war, die Ausrichtung zum Ufer, für die man sogar auf die sonst übliche Ostung des Altars verzichtete.

Eine der schönsten Arten, sich der Basilika Birnau zu nähern, ist eine Wanderung auf dem Prälatenweg. Er verbindet die Wallfahrtskirche mit dem Kloster Salem, ihrem einstigen Mutterhaus. Sieben Kilometer ist die Strecke lang, eine einfache Tour ohne allzu große Steigungen.

In früheren Zeiten waren hier auch die Äbte unterwegs, wenn sie zum Generalkapitel, der Vollversammlung der Zisterzienser, nach Citeaux reisten. Am Bodensee stiegen sie ins Schiff und fuhren ein Stück in Richtung Frankreich weiter.

Mit einer Weinflasche auf der Mauer an der Birna das Leben genießen. Foto: Andreas Steidel Mit einer Weinflasche auf der Mauer an der Birna das Leben genießen. Foto: Andreas Steidel

Man beginnt seine Wanderung am besten in Salem. Im Hinterland liegt die prachtvolle Barockanlage, deren Name nicht zuletzt durch das renommierte Internatsgymnasium bekannt wurde. Der Prälatenweg führt über Felder in den Wald hinein. Vorbei an duftenden Wiesen und Weihern, die schon von den Zisterziensern angelegt worden waren. Der Fisch war eine wichtige Fastenspeise, das Fasten ein zentraler Bestandteil des Klosterlebens. Allzu streng wurde es im 18. Jahrhundert freilich nicht mehr ausgelegt, das Kloster in Salem glich nach dem Neubau im 18. Jahrhundert eher einer Schlossanlage.

1802, nach der Säkularisation, mussten die Zisterzienser gehen. Das Haus Baden übernahm ihre Liegenschaften samt deren Weinberge, die auch die Birnau umgaben. Im Gasthof Schwanen in Salem und im Birnauer Oberhof kann man von den edlen Tropfen kosten, im Oberhof ist zugleich auch das markgräfliche Weingut untergebracht.

Der Prälatenweg ist von Einkehrstationen gesäumt. Genau auf halber Strecke liegt der sogenannte Affenberg. Seine Schenke ist auch für die zugänglich, die nicht zu den Berberaffen wollen. Seit 1976 sind die Berberaffen von Salem eine vielgefragte Besucherattraktion, doch wer dort ist, begegnet noch einer weiteren Tierart in überraschend großer Zahl: Rund 50 Brutpaare Weißstörche nisten auf den Dächern der Wirtschaftsgebäude rund um die Schenke, es ist ein einziges Starten und Landen der Adebar-Fluglinie.

Dem Affenberg folgt ein langes schnurgerades Waldstück. Der Prälatenweg ist kein verschlungener Pfad, eher ein gut ausgebauter Forstweg, der ahnen lässt, dass hier einstmals auch Pferdewagen unterwegs waren. Eher unwahrscheinlich jedenfalls, dass die Äbte und Prälaten ihre Stiefel schnürten und sich zu Fuß auf den Weg machten.

Nach zwei bis drei gemütlichen Wanderstunden hat man die Birnau erreicht. Sie hat noch immer nichts von ihrer majestätischen Lage eingebüßt. Die sieben Hektar Reben der Markgrafen von Baden, die vor ihr liegen, werden seit Jahren rein biologisch bewirtschaftet.

Nur der Verkehrslärm stört zuweilen ein wenig. Das jedoch kann die Maler am Oberhof auf der anderen Straßenseite nicht davon abhalten, ihre Staffeleien zu platzieren. Die rosarote Birnau ist eine Augenweide im Sonnen- wie im Abendlicht, ein Leuchtturm des Glaubens, der heute noch so schön ist wie in jenen Zeiten, als ihn der berühmte Vorarlberger Architekt Peter Thumb errichtete.

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Der Prälatenweg ist beschildert, sieben Kilometer lang (einfache Strecke), er verbindet Salem und die Birnau. Die Rundwanderung umfasst 16 Kilometer, wer den direkten Weg zurückgeht, kommt mit 14 Kilometern aus.

Mehr bei der Bodensee-Linzgau Tourismus Salem, Telefon 07553-823780, www.salem-baden.de, www. affenberg-salem.de; Telefon 07556-92160, www.birnau.de