Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Wunder eines Volkes

Es hat nur ein Jahr gedauert, bis Kathrin Kommerell ihren ersten eigenen Honig probieren konnte. Inzwischen stellt sie auch Wachs und Kerzen her. Seit vier Jahren imkert die 50-jährige Chefredakteurin der Evangelischen Kinderzeitschrift „Benjamin“ in Tübingen. „Für mich sind Bienen erstaunliche Tiere“, sagt sie und zeigt stolz die gefüllten Honiggläser. 

Kathrin Kommerell: „Bienen sind erstaunliche Tierchen.“ Mit Begeisterung kümmert sich die 50-Jährige um ihre Bienenstöcke und den eigenen Honig. (Foto: Andreas Straub)


Auf diese hat sie sogar Etiketten gedruckt: „Honig vom Galgenberg“, steht dort geschrieben. Draußen am Waldrand hebt sie in Schutzkleidung wimmelnde Wabrahmen heraus und betrachtet die Tiere fachmännisch. Bis zu 3000 finden darauf Platz, ein Bienenvolk kann aus 50.000 Tieren bestehen.
Dabei ist die gebürtige Münchenerin nicht in der Landwirtschaft oder gar der Imkerei aufgewachsen. „Im Garten habe ich schon immer gerne gearbeitet“, sagt Kommerell. Das sei ein idealer Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch. „Da kriege ich den Kopf frei.“ Den Anstoß, Hobby-Imkerin zu werden, gab ein Kinderbuch, das sie 2013 im Verlag der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart über den Jahreszyklus auf dem Bauernhof unter dem Titel „Wo Milch, Wurst und Wolle wachsen“ veröffentlichte.

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„Die Bäuerin hatte Bienenstöcke, die mich gleich fasziniert haben“, erzählt Kommerell. Die Tiere seien für sie „erlebbare Schöpfung“. 2014 meldete sie sich beim Anfängerkurs des Imkervereins Tübingen an. Anfangs war ihr Sohn mit dabei. „Das ist als Hobby für einen Jugendlichen hinreichend gefährlich“, sagt Kommerell und schmunzelt. Gestochen wurde sie erst einmal, als sie den Bienen den Honig wegnahm. „Dann werden sie aggressiver.“ Sie sei trotz Schutzanzug gleich von zwei Bienen zwischen Schuh und Hose ins Bein gestochen worden. „Das gehört dazu“, sagt Kommerell. Die Tiere hätten zu ihrem Halter keinen Bezug, wie etwa ein Hund oder ein Pferd.

Vom Imkerverein erhielt sie das erste Jungvolk, bestehend aus einer Königin und einigen Bienen. Kommerell schaffte Kästen, Rahmen, Werkzeuge und Schutzkleidung an. Ein wenig kommt durch den Honigverkauf an Kosten wieder herein, aber das steht für die meisten Hobby-Imker nicht im Vordergrund.

Mit inzwischen zwei Bienenvölkern hat sie heuer 45 Kilogramm Honig hergestellt. Die Journalistin liest gerne in Fachbüchern und -zeitschriften über Bienen und lernt dazu. „Es sind erstaunliche Tierchen“, sagt Kommerell. Anfangs habe sie den zeitlichen Aufwand unterschätzt. Aber auch ein Hobby-Imker müsse auf die für die Natur wegen ihrer Bestäubungsfunktion so wertvollen Tiere aufpassen.

„Was man genau machen muss, ist gar nicht so leicht zu sagen“, erklärt Kommerell. Denn fast jeder Imker habe seine eigene Strategie. Auch sie hat schon einiges ausprobiert. Im Mai und Juni beispielsweise muss sie etwa einmal wöchentlich prüfen, ob das Volk  sich entfernen möchte. „Bei der Ernte Ende Juni oder Anfang Juli greife ich auf die Honigschleuder des Imkervereins zurück“, sagt Kommerell.

Im August gilt es, das Bienenvolk wieder aufzufüttern und gegen die Varroamilbe zu behandeln. Zum Einwintern erhalten die Bienen Zuckersirup als Ersatz für den entnommenen Honig. Über den Winter gibt es wenig zu tun, erst im Frühjahr geht es wieder los. Aus Rücksicht auf die Nachbarn hat sie ihre Kästen aber auf einem privaten Grundstück einer Freundin, die dort ebenfalls Bienen hat, auf dem nur wenige hundert Meter entfernten Tübinger Galgenberg. Der idyllische Waldrand ist für die Tiere ideal geeignet. Denn ringsum gibt es Streuobstwiesen, auf denen die Bienen Nahrung finden.


Worin liegt für sie die Faszination für den komplexen Organismus Bienenvolk? „Man erlebt den Jahreszyklus“, beschreibt Kommerell. Alles, was sie unternehme, habe einen direkten Einfluss. „Auf einmal wird es wichtig, auf das Wetter zu achten.“ Beispielsweise kann sie die Behandlung gegen die Varroamilbe nicht durchführen, wenn es regnet oder zu heiß ist. Manchmal steht Kathrin Kommerell vor dem Flugloch der Bienen und sieht sie mit Pollen hineinfliegen, ein anderes Mal mit rotem Blütenstaub. „Dann sehe ich, wo sie gerade waren“, sagt Kommerell. Und je mehr sie über die Tiere lernt, desto mehr wächst ihre Begeisterung: „Das Wunder hört nie auf.“