Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das zweite Wohnzimmer - Das neue Jugendhaus in Mariaberg

GAMMERTINGEN (Dekanat Balingen) – Kurze Wege und viel Abwechslung: Die jungen Leute aus den Wohngruppen der diakonischen Einrichtung Mariaberg schätzen das neue Jugendhaus. Willkommen ist dort jeder aus dem Stadtteil, ob mit oder ohne Handicap.

Billard Spiel. Foto: Juno1412, pixabayFoto: Juno1412, pixabay

Manche kommen jeden Tag, manche nur zu speziellen Aktionen wie kürzlich einer großen Halloween-Party. Daniel Rinas zum Beispiel lebt seit über zehn Jahren in einer betreuten Wohngruppe und gehört zu den regelmäßigen Besuchern des inklusiven Jugendhauses Gammertingen-Mariaberg.

Der Schüler übernimmt im Thekendienst Verantwortung und hat auch beim Ausbau der Terrasse mit angepackt. „Das Jugendhaus ist fast schon mein zweites Wohnzimmer“, sagt Rinas. Der 18-Jährige unterstützt Raimund Jäger (47), der für das Mitte September in Mariaberg eröffnete Jugendhaus mit einer halben Stelle beim Sozialträger zuständig ist.

Billiardtisch und Tischkicker

„Wir haben jeden Tag viele Besucher“, sagt Jäger. Der gelernte Altenpfleger ist seit 22 Jahren in der Einrichtung tätig und hat sich nach Tätigkeiten in der Pflege von Menschen mit Mehrfachbehinderung und in therapeutischen Wohngruppen jetzt für die Arbeit im Jugendhaus entschieden.

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Jäger kennt die Klienten und hat ein großes Netzwerk in der Einrichtung – das war während des Planung des Jugendhauses in Corona-Zeiten ein großer Vorteil. Bereits im März hat er in einem Übergangsbau begonnen. „Es macht einen Riesenspaß in diesem lockeren Rahmen, ich habe viel Abwechslung und Action“, sagt Jäger.

Raimund Jäger mag Action ‒ und nicht nur Schreibtischarbeit. Foto: Andreas StraubRaimund Jäger mag Action ‒ und nicht nur Schreibtischarbeit. Foto: Andreas Straub

Vorher sind die Jugendlichen aus den Wohngruppen ins Jugendhaus nach Gammertingen gefahren, wo es unter anderem einen Probenraum gibt. Die Idee einer eigenen solchen Einrichtung in Mariaberg kam bereits 2016 beim Stadtteilforum auf. Junge Menschen mit und ohne Behinderung aus den unterschiedlichsten Nationen finden nun Ange-bote, Betreuung und Unterhaltung in der Nähe. Das Konzept fand bei der Aktion Mensch Anklang, die den Umbau der Räume im Krätzenbergweg 6 mit 174 000 Euro unterstützt hat – der Hälfte der Kosten. Die andere Hälfte wurde über den Verein Mariaberg sowie Spenden finanziert. In den Räumen gibt es jede Menge Platz für Begegnungen und Gespräche auf gemütlichen Sofas, zum Chillen, Reden, Zocken oder Musik machen und hören.

Ein Billardtisch gehörFoto: Andreas Straubt genauso zur Ausstattung wie ein Tischkicker. „Wir können die Ideen und Wünsche der jungen Menschen, die im Stadtteil leben, super umsetzen“, sagt Jäger. Jeden Dienstag und Freitag gibt es von 16 bis 20 Uhr den offenen Treff. Jäger wird bei der Betreuung von Praktikanten und Freiwilligendienstleistenden unterstützt. „Für Klienten mit schweren Diagnosen bieten wir einzelne Angebote oder spezielle Aktivitäten in kleinen Gruppen an“, sagt Jäger. Er freue sich, dass regelmäßig 25 Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren kämen. Getränke, Süßigkeiten und warme Baguettes gibt es zum günstigen Preis.

„Ich komme manchmal auch zum Abendessen her“, sagt Dana Kruse. Die 26-Jährige bastelt und dekoriert gerne. Zuletzt hat sie zum Beispiel ein großes Tuch verziert. Alkohol wird im Jugendhaus nicht ausgeschenkt, da es zu Nebenwirkungen mit Medikamenten kommen könnte. In Corona-Zeiten war es für Jäger eine besondere Herausforderung, die Jugendlichen zu erreichen. Er sei deshalb in die digitalen Medien eingestiegen. Ein Pluspunkt im Jugendhaus: es gibt freies Wlan. Im Umgang mit Laptops und Smartphones weist Jäger auch auf die Gefahren des Internets hin und gibt Hinweise zum Datenschutz. „Der Vorteil im Netz ist, dass erstmal alle gleich sind“, sagt Jäger.

Als eines der nächsten Vorhaben steht die Dekoration der Wände an. Diese sollen mit Holzplatten bedeckt und dann mit Graffiti im Rahmen eines Workshops besprüht werden. Entscheidungen werden in der Gruppe getroffen. „Die Jugendlichen sollen Demokratie lernen“, sagt Jäger. Sollte jemand ein persönliches Gespräch oder eine Beratung wünschen, kann man sich in das Büro zurückziehen. Jäger erklärt: „Es ist wichtig, dass wir uns Problemen frühzeitig entgegenstellen.“ □