Christliche Themen für jede Altersgruppe

Dem treuen Gott die Treue - Impuls zur Predigt

Micha 7,18-20  Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld ­denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unseren Vätern vorzeiten geschworen hast.

Dem treuen Gott die Treue

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis: Micha 7,18-20.

Von Kirsten Huxel

 

Kirsten Huxel ist Pfarrerin in Satteldorf und außer­planmäßige Professorin an der Universität Tübingen.
(Foto: privat)

 

Der Prophet Micha erhebt seine Stimme für die Gerechtigkeit Gottes. In seinen Predigten tritt er den mächtigen Unterdrückern des Rechts entgegen und weigert sich, ihnen nach dem Mund zu reden. Mutig stellt er sich auf die Seite der Opfer. Er nennt geschehenes Unrecht deutlich beim Namen und hält den Tätern Gottes Zorngericht vor Augen. Freundlich hingegen spricht er zu denen, die auf Gottes Wort hören und Liebe üben. Für die Leidenden ist sein Zuspruch Balsam für die geschundene Seele. Mit seiner Heilsvision vom kommenden Friedensreich stärkt Micha ihre verzagten Gemüter. Mitten in einer Zeit der Zerstreuung und Vereinzelung kündigt er die Sammlung der Gerechten aus allen Völkern an, die Gott zu Erben seines ewigen Bundes machen will. Denjenigen, die selbst im bittersten Leid den guten Weg weitergehen, sagt er Gottes unverbrüchliche Treue zu. Die Gnade, die so überwältigend ist, das sie alles Leiden überwinden und alle Wunden heilen wird. Das Böse, das hier und jetzt fassungslos macht, wird keinen dauerhaften Bestand haben. Auch wenn es in seiner zerstörerischen Kraft geradezu übermächtig zu sein scheint, ist sein Untergang doch gewiss. Gottes Segen liegt auf dem Gerechten, der in seiner Demut vor den Augen der Welt klein und unscheinbar wirkt. Gott wird seiner Sache zum Sieg verhelfen – gegen allen Augenschein.

Der Prophet Micha erinnert uns daran, dass das Evangelium sich nicht instrumentalisieren lässt. Genauso wie sich Gottes Gnade nicht von seiner Gerechtigkeit trennen lässt. Das Evangelium verkündigt keine billige Gnade für die Unterdrücker, sondern eine Gnade, die durch das Leiden des Gerechten teuer erkauft ist. Es sagt nicht „Weiter so!“ zu den Tätern, sondern ermutigt die Gedemütigten, sich von Christus selbst den vergiftenden Stachel des Bösen herausziehen zu lassen. Denn es geschieht ja leicht, dass die Opfer aus Scham und Wut selbst zu Tätern werden können. Daher tut es not, dass wir Menschen uns mit all unserer Scham und Wut, mit all unserer Schuld und allem drohenden Schuldigwerden Gott in die Arme werfen. Damit sein Erbarmen uns aus den Fängen des Bösen herauslöst. Im Bild vom Schilfmeerwunder gesprochen, mögen wir trockenen Fußes durch die Wogen des Meeres hindurch schreiten, während das Böse in den Tiefen des Meeres untergeht.

Das Evangelium lässt sich nicht für die ungerechte Sache instrumentalisieren. Es ist daher perfide, wenn christliche Kirchen wie derzeit in Brasilien und in den USA mit evangelikaler Stimme das ungerechte Regiment ihrer Großen unterstützen, während die Kleinen mit Füßen getreten werden. Die Vision vom Friedensreich taugt nicht zu rassistischer Ausgrenzung und zur Aufrichtung einer chauvinistischen ­Herrenmoral. Sie passt nicht zum Hochmut eines selbsternannten heiligen Restes, sondern führt aus allen Völkern diejenigen zusammen, die nach Gerechtigkeit und Frieden streben.



Gebet
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.
Psalm 103,2-4

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