Christliche Themen für jede Altersgruppe

Demut lernen (Impuls zu 1. Petrus 5, 6-9)

1. Petrus 5,6-9 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben.

Impuls zum Predigttext für den 15. Sonntag nach Trinitatis: 1. Petrus 5,5b-11.

Von Stefanie Bauspieß

Pfarrerin Unterhausen-Honau bei Reutlingen

Stefanie Bauspieß ist Pfarrerin in Unterhausen-Honau im Kirchenbezirk Reutlingen.  (Foto: privat)

Vor dem Studium habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Dazu gehörten auch Seminare, die ich besuchen musste. Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Wir wurden in Gruppen zu fünft aufgeteilt, bekamen 20 weiße Blätter, ein paar Stifte und eine Rolle Klebeband und den Auftrag, in 15 Minuten einen möglichst hohen Turm daraus zu bauen. Bevor Sie sich jetzt überlegen, welche Methode wohl funktioniert, sage ich gleich: Es war völlig egal, was dabei herauskam. Es ging nicht um den Turm, sondern darum, wie fünf fremde Menschen unter Zeitdruck zu einer Lösung kommen. Wer die Leitung übernimmt oder auf seiner Lösung beharrt. Wer sich nicht traut, seinen Vorschlag vorzubringen. Es ging darum, wie man miteinander umgeht, aufeinander hört und Rücksicht nimmt.

Gruppenprozesse - anderen in Demut begegnen

Das ist 20 Jahre her und egal in welcher Gruppe ich seitdem war, bleibt die Beobachtung dieselbe. Es gibt Gruppenprozesse, in denen bestimmte Rollen besetzt werden müssen und es gibt bestimmte Verhaltenstypen. Und obwohl man darum weiß, gelingt es nur selten, die Prozesse zu durchschauen und zu lenken. Streit, Verletzung und Enttäuschung lassen sich nicht immer vermeiden.

Umso interessanter ist es, dass schon im Petrusbrief ein ähnliches Thema aufgegriffen wird. Petrus ermahnt zu Beginn des 5. Kapitels die Gemeinde und spricht Probleme an, die es dort gibt. Er macht deutlich, dass diese Probleme unweigerlich unter Menschen vorkommen: Gruppenprozesse eben! Damit das den Menschen auffällt, benennt er diese Prozesse. Und er ermutigt sie, demütig zu sein, ihre Sorgen auf Gott zu werfen und standhaft im Glauben zu bleiben. Die Probleme dieser Gemeinde sind wohl vielfältig. Vor allem den Gemeindeältesten fällt es schwer, ihren Dienst zu tun. Vielleicht gibt es Anfeindungen von außerhalb der Gemeinde oder Groll über die Verteilung der Aufgaben. Vermutlich sind sie frustriert. Ihnen kommt es vor, als ob der Dienst, den sie tun, nur noch Pflicht ist.

Demut: So kann Gemeinschaft gelingen

Dieses Gefühl der Frustration kennen wir auch. Nicht nur aus Kontexten innerhalb der Gemeinde. Immer wieder geht uns auch in unserem Leben der Atem aus und wir wissen kaum noch, wo wir neue Kraft herbekommen sollen. Beispiele gibt es viele: Das Gefühl, Arbeit zu verrichten, die nichts mehr wert ist; dass man selbst nicht mehr gefragt ist; dass wir nicht dazu gehören. Und schon sind wir gefrustet. Aus Frustration entwickelt sich schnell Verbitterung. Man verliert aus dem Blick, was eigentlich wichtig ist. Bin ich erst einmal frustriert, dann sehe ich überall nur noch Überforderung und Unmut – ob im Arbeitskontext oder im Privatleben.

In dem Seminar damals ging es nicht darum zu lernen, einen möglichst hohen Papierturm zu bauen. Es ging darum zu lernen, nicht frustriert zu sein, wenn etwas nicht gelingt. Dass man Ziele meist nicht alleine erreichen kann und darum, den anderen nicht aus dem Blick zu verlieren. Es ging darum, wie Gemeinschaft gelingen kann. Und mit dem Abstand von 20 Jahren würde ich sagen, es ging darum, Demut zu lernen. Demut vor den anderen Menschen, ihren Ideen, ihren Vorstellungen und ihrem Leben. Es ging darum, ihnen mit Respekt zu begegnen.

In Demut anerkennen - Christus ist das Zentrum

Petrus schreibt den Menschen, dass sie alle Teil einer Gemeinde sind. Er selbst ist noch Zeuge von Tod und Auferstehung Jesu. Und eben das sollen sie nicht vergessen. Jesus ist durch sein Leben und Sterben Teil dieser menschlichen Herde geworden, und sie sind durch seine Auferstehung Teil von ihm geworden. Diese Geschichte weiterzutragen, sagt Petrus, ist ihre Aufgabe. Frustration und Missmut dürfen nicht die Oberhand behalten. Darum sollen sie demütig sein und ihren Ärger auf Gott werfen und wissen, dass Christus ihr Zentrum ist.

Petrus legt auch uns eine demütige Haltung ans Herz. Weil unsere Frustration uns viel zu oft überheblich und ungerecht macht. Eigentlich geht es um Gemeinschaft, darum niemanden zu verlieren und auch die Stillen zu hören. Bei Frust hilft es, sich klar zu machen, dass es nicht immer nur um uns geht. In unserem Leben geht es immer um weit mehr und das Wichtigste ist die Botschaft des Immanuel, des Gottes mit uns, der gestorben ist und auferstanden ist.

Gebet

Unser Gott, du bist uns nahe, wenn wir Halt brauchen.

Deine Vergebung hilft uns, immer wieder neu anzufangen.

Mach uns demütig, damit wir uns auch anderen zuwenden und einander in Liebe begegnen.

Amen.