Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Den Umgang mit Menschen gelernt“

WÖRNERSBERG (Dekanat Calw-Nagold) – Linus Hampel und Tobias Greb leben im Anker, einem christlichen Lebens- und Schulungszentrum. Dort absolvieren die 18-Jährigen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Wie geht es ihnen? Die Fragen stellte Antje Schmitz.


Glauben spielt eine große Rolle in ihrem Leben: Linus Hampel (links) und Tobias Greb.(Foto: privat)

Wie sind Sie beide denn zum Anker gekommen?
Linus Hampel: Bei mir war es so, dass ich nicht direkt studieren wollte nach dem Abi. Mein Ziel war, in der Persönlichkeit und im Glauben zu reifen und voranzukommen, nicht immer nur Schule und Lernen. In der Lebensschule werden Leute individuell gefördert. Ich kam über die Website zum Anker. Außerdem kenne ich in meiner Gemeinde in Freiburg eine junge Frau, die ebenfalls ihr FSJ im Anker gemacht hat.
Tobias Greb: Ich möchte später in der Landeskirche arbeiten und benötigte ein mehrmonatiges Praktikum. Mir war wichtig, dass Glaube im Praktikum eine Rolle spielt.


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Wie verläuft Ihr Tag im Anker?
Linus: Um 7.30 Uhr geht’s los. Wir arbeiten bis 17 Uhr in einem der drei Arbeitsbereiche Haus – da kümmern wir uns um die Gäste –, Küche oder Technik.
Tobias: Das FSJ besteht aber nicht nur aus Arbeit. Dienstags um 9.30 Uhr feiern wir vom Jahresteam mit dem Kernteam eine gemeinsame Andacht, mittwochs um 9.30 Uhr eine gemeinsame Andacht mit Abendmahl. Alle zwei Wochen gibt es mittwochs einen Gebetsabend. Außerdem bekommen wir viele Extraangebote, zum Beispiel Seminare, in denen wir an unserer Selbstreflexion arbeiten, unsere Stärken und Schwächen betrachten. Dann gibt es dienstagabends die Lebensgruppe. Jeder Jahresteamler hat einen persönlichen Begleiter im Anker oder von außerhalb, mit dem er sich austauscht und über seine persönlichen Ziele spricht.

Sie sind jetzt ein Dreivierteljahr dabei. Merken Sie an sich eine Veränderung?

Linus: Auf jeden Fall, das hat schon in den ersten Wochen angefangen. Ich bin deutlich empathischer geworden, reflektierter. Was wir hier lernen, hat einen Lebensbezug, wir wenden es in der Gemeinschaft an, das finde ich stark.
Tobias: Ich durfte zwischenmenschlich viel lernen. Für mich war es neu, dass ich mit sechs anfangs noch fremden Leuten in einer WG zusammenlebe und mir mit Linus ein Zimmer teile. Dadurch habe ich viel darüber gelernt, wie ich mit Menschen umgehen kann. Außerdem wollte ich prüfen, ob ein Theologiestudium das richtige für mich ist. Jetzt habe ich mich beim Stift in Tübingen für ein Studienstipendium beworben.
Linus: Mir war schon vor dem Jahr beim Anker klar, was ich machen möchte: Ich werde am KIT, dem Karlsruher Institut für Technologie, Elektrotechnik studieren.

Im August endet Ihr Soziales Jahr. Wenn Sie nach Tübingen und Karlsruhe gehen, bleiben Sie dem Anker dann trotzdem verbunden?
Linus: Ja. Viele ehemalige FSJler kommen uns immer wieder besuchen. Der Kontakt wird nicht abbrechen. Wie intensiv er sein wird, das wird die Zeit zeigen.
Tobias: Wir verbringen viel Zeit miteinander, mich verbindet extrem viel mit dem Anker. Einmal im Jahr gibt es ein Treffen aller ehemaligen Jahresteamler, das ist schön. Der Anker ist nicht nur ein Ort hier, ­sondern mehr, weil so viele tolle Menschen daran hängen.




40 Jahre Wörnersberger Anker

Christliche Lebensschule
WÖRNERSBERG – Der Anker in Wörnersberg hat die kleine Gemeinde im Kreis Freudenstadt  weit über den Nordschwarzwald hinaus bekannt gemacht – zumindest im christlichen Umfeld. In den fünf Häusern des christlichen Lebens- und Schulungszentrums leben rund 30 Menschen zusammen. Ebenfalls dabei sind zwölf junge Erwachsene, die dort eine Lebensschule im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) absolvieren.

„glauben. leben. lernen“ lautet der Slogan des Ankers. Die Bewohner und Gäste des Ankers sollen einen christlichen Lebensstil einüben. Mit diesem Ziel haben Günther und Ulla Schaible den Anker am 1. Januar 1980 als Verein „Wörnersberger Anker, christliche Lebensgemeinschaft für junge Menschen“ gegründet.

Im Anker sind auch Ehepaare und Familien willkommen, er richtet sich aber besonders an junge Leute. Seit 1980 haben mehr als 570 junge Menschen aus aller Welt ihr FSJ in Wörnersberg absolviert: Evangelische, aber auch Katholiken, Methodisten und Mitglieder freier Gemeinden. Ein Jahrgang bildet im Anker ein Jahresteam. Um diese Teams kümmert sich Beate Klumpp. Sie ist davon überzeugt, „dass die Voraussetzung für Wachstum und nachhaltige positive Veränderung im Verstehen und Beherzigen des Evangeliums liegt“.

Der Anker bildet mit anderen christlichen Gemeinschaften einen Ankerverbund und ist in Kontakt mit ­Projekten in aller Welt. Damit Menschen ihren Glauben vertiefen und ihre Persönlichkeit bilden können, bietet der Anker Seminare, Freizeiten und Dienste in Gemeinden an. 
„In zunehmend unsicheren Zeiten wird es Orte wie diesen Anker brauchen“, schreibt das Leitungsteam in der Zeitschrift „Anker“. „Orte der Hoffnung, an denen Menschen in Christus vereint gemeinsam durch dick und dünn gehen und andere mit hineinnehmen.“

Informationen im Internet: www.ankernetz.de


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