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Der Bankrebell von Hohenlohe - Kapital soll dienen, nicht herrschen

GAMMESFELD (Dekanat Blaufelden) – Finanzgeschäfte gehen auch fair – in Form von „füreinander einstehen“. Für diese Idee Friedrich Wilhelm Raiffeisens hat in dem hohenlohischen Dorf Gammesfeld Fritz Vogt in den 1980er-Jahren gegen die Bankenaufsicht gekämpft. Ein Buch setzt ihm jetzt ein Denkmal – und gibt sein Vermächtnis weiter.

Fritz Vogt hatte in Gammesfeld die kleinste Bank Deutschlands. „Kapital soll dienen, nicht herrschen“ ‒ das war seine Devise. Foto: epd-bild/ Thomas GreifFritz Vogt hatte in Gammesfeld die kleinste Bank Deutschlands. „Kapital soll dienen, nicht herrschen“ ‒ das war seine Devise. Foto: epd-bild/ Thomas Greif

Die Bibel ist für ihn Richtschnur geblieben. Von Jugend an, im Kampf gegen eine uneinsichtige Bankenaufsicht, den er gewann und so zum bundesweit beachteten „Bankrebell“ wurde – bis ins Alter, als seine Meinung immer noch gefragt war, unter anderem in Polit-Talkshows.

Der Landwirt und Banker Fritz Vogt aus dem Blaufeldener Ortsteil Gammesfeld galt auch als „letzter Jünger Raiffeisens“. Am Reformationstag 2020 ist er kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben. Der Crailsheimer Journalist Sebastian Unbehauen hat 22 Gespräche mit ihm veröffentlicht und damit Vogts Vermächtnis weitergegeben. Der Titel lautet: „Du sollst nicht stehlen“.

Unbehauen stellt die Geschichte der Dorf-Raiffeisenbank Gammesfeld, die dank Fritz Vogt und seines Mitkämpfers Fritz Hahn bis heute überlebt hat, in aktuelle Zusammenhänge. Er richtet so einen Scheinwerfer auf Entwicklungen, die in den vergangenen Jahrzehnten gründlich schiefgelaufen sind – nicht nur im Finanzwesen, sondern in der gesamten Gesellschaft. Und er macht klar, dass Leben auf dem Land nicht mit Provinzialität gleichzustellen ist, sondern die ganze Welt im Blick haben kann.

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Dass das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen – heute „BaFin“ – in den 1970er- und 80er-Jahren das Aus der selbstverwalteten Bank in Gammesfeld erzwingen wollte, hänge wohl damit zusammen, dass die nicht spektakulär genug war, „als dass man von ihr geblendet gewesen wäre“ , schreibt Unbehauen.

Die Not des Nächsten vor Augen haben

Ganz anders etwa als ein Unternehmen wie Wirecard. Das börsennotierte Unternehmen ging in einem Skandal unter. Die Raiffeisenbank in Gammesfeld, 1890 gegründet, existiert bis heute unter Vogts Nachfolger Peter Breiter und hat noch nie einen Kredit verloren.

„Man muss nicht immer einer Meinung mit Fritz Vogt sein. Aber es lohnt sich, ihm zuzuhören“, schreibt Unbehauen. So lässt er Vogt zu Wort kommen. Dieser spricht über Landwirtschaft, Kriegsende und Bankgeschichte, über einen gründlich missglückten Banküberfall und über existenzielle Themen wie Glück und Religion, Widerstand, Freundschaft, Tod und Liebe. „Es heißt, Geld arbeitet“, sagt der Journalist an einer Stelle. „Geld arbeitet nicht – aber derjenige, der Geld braucht, arbeitet für den, der es hat“, erwidert Vogt trocken.

Foto: Nattanan Kanchanaprat, pixabayFoto: Nattanan Kanchanaprat, pixabay

Fritz Vogt hat sich selbst nie aus der Verantwortung genommen, selbst dann nicht, als ihm im juristischen Kampf um die Raiffeisen-Idee, der 1987 bis vor den Bundesverwaltungsgerichtshof führte, Haft drohte. Jeder Mensch müsse verantwortlich sein: für sich selbst, „aber eben auch für das Wohl der Nächsten“. Und dafür müsse man „den Nächsten kennen und seine Not vor Augen haben“, sagte Vogt.

Den härtesten Kampf seines Lebens habe er aber nicht gegen die Bankenaufsicht geführt, sondern gegen eine Verbrennungsanlage zur Entsorgung verseuchter Erde. Vogt und seinen Mitstreitern ging es dabei um die Lebensmöglichkeiten künftiger Generationen, anderen im Dorf um Einnahmen. Diese Spaltung habe er als hart empfunden. Der Landwirt und Banker im Ruhestand hat sein Handeln danach ausgerichtet, was jesusgemäß wäre: „Für mich ist das Christentum keine Religion, sondern eine Lebenseinstellung.“ Es sei „eine Anleitung dazu, wie man das Leben in dieser Welt friedvoll, versöhnungsbereit und ethisch gestaltet“.

Zentral war für ihn dabei der Begriff „Buße“: „Nicht das Bußetun für die kleinen Verfehlungen im Alltag, sondern Buße als Synonym dafür, sich selbst zurückzunehmen, Abschied zu nehmen von Überheblichkeit und Egoismus – ob als Nation, als Religionsangehöriger oder als Einzelmensch.“

Das Buch von Sebastian Unbehauen

„Du sollst nicht stehlen – Bankrebell und Mensch, Fritz Vogt aus Gammesfeld:
Wie er lebte, was er dachte“

kostet 15,90 Euro.

Erhältlich unter Telefon 07951-409-0, E-Mail shop.ht@swp.de, www.shop.hohenloher-tagblatt.de