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Der Bildstöckleweg bei Isny - Schöne und informative Wanderungen (29)

ISNY – Der Bildstöckleweg im Isnyer Ortsteil Beuren ist im Sommer ein schöner Spaziergang. Im Winter aber entfaltet er seinen ganz eigenen Zauber. An Feldkreuzen und Kapellen vorbei geht es dann durch eine weiße Landschaft mit teils meterhohem Schnee. Zum Schluss steht ein Abstecher in die frühere Freie Reichsstadt an.

Zeichen der Frömmigkeit, das Kreuz. Winterlandschaft bei Isny. Foto: Brigitte Geiselhart.Zeichen der Frömmigkeit, das Kreuz. Winterlandschaft bei Isny. Foto: Brigitte Geiselhart.

Eigentlich ist dieser Rundkurs eine ideale Tour für einen gemütlichen Nachmittagsspaziergang, gerne mit der ganzen Familie und mit Kinderwagen. Jedenfalls im Sommer. In Isny gibt’s in der Regel aber auch einen Winter – und was für einen. Wenn alles unter einer massiven Schneedecke liegt, dann lässt sich die Umgebung am äußersten Zipfel des württembergischen Allgäus mit geeignetem Schuhwerk oder mit Schneeschuhen prima erkunden – auf präparierten Winterwanderwegen oder querfeldein. Dann wird auch der „Bildstöckleweg“ im Ortsteil Beuren zu einem vielleicht noch intensiveren Erlebnis.

Gut zu Fuß und trittsicher sein muss man allerdings schon, wenn der Schnee ringsherum fast meterhoch liegt und man auf der fünf Kilometer langen Runde den ein oder anderen Umweg nimmt, um nicht knietief in den weißen Untergrund einzubrechen. Mühsam? Keineswegs. Vielmehr erfrischend und inspirierend. Und man kann sich sicher sein, dass man länger als die eingeplanten 90 Minuten zur Bewältigung der Strecke braucht. Nicht weil sie so anstrengend wäre, sondern vor allem deshalb, weil man immer wieder dankbar und fast demütig stehen bleibt und sich nicht sattsehen kann an der unbeschreiblichen Weite der größtenteils unberührten Schneelandschaft.

Schneelandschaft bei Isny. Foto: Brigitte GeiselhartGumpeltshofener Kapelle bei Isny. Foto: Brigitte GeiselhartSchneewanderung vorbei an der Gumpeltshofener Kapelle bei Isny. Foto: Brigitte Geiselhart

Weiß. Das ist die einzig dominierende Farbe an diesem klaren Morgen. Es ist klirrend kalt. Die Temperatur liegt fast im zweistelligen Minusbereich. Aber die Sonne lacht und wärmt auch schon Ende Januar. Auf einem gut geräumten kleinen Sträßchen geht es von der Kirche St. Petrus und Paulus in Richtung Gaisau. „Gelobt sei Jesus Christus“ steht an einem Feldkreuz, das von einer Familie gestiftet wurde, die um Gottes Segen für Flur und Ernte bat. Die Schneemassen bedrängen das Kreuz, die Schrift ist kaum zu lesen.

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Einige hundert Meter später fällt der Blick auf das Arma-Christi-Kreuz im Wetterkasten eines Bauernhauses. Es dürfte nach Ansicht der Experten aus dem 15. Jahrhundert stammen. Man sieht den gekreuzigten Jesus mit Maria und Johannes – und Leidenswerkzeuge, auch eine Leiter, die bei der Abnahme des Leichnams Jesu vom Kreuz verwendet wurde. Direkt gegenüber steht die Gumpeltshofener Kapelle, die im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Sie ist ein typisches Beispiel für einen Ort des Gebets für Familien, deren Bauernhof zur damaligen Zeit außerhalb größerer Siedlungen lag. Die Kapelle wurde im 19. Jahrhundert – entsprechend den Vorlieben der katholischen Volksfrömmigkeit – als Lourdes-Grotte umgestaltet und zur Wallfahrtskapelle geweiht.

Die Glocke, die sich im sechseckigen Türmchen befindet, stammt aus dem Jahr 1763. „Bis vor wenigen Jahren wurde sie täglich um zwölf Uhr von meiner Mutter zum Angelus-Gebet geläutet“, erzählt Konrad Prinz, Besitzer des benachbarten Bauernhofs. Doch mittlerweile mache der Mutter das Alter zu schaffen. So hofft er darauf, dass man eines Tages durch Spenden in der Lage sei, ein elektronisches Geläut für die Kapelle, die sich heute im Besitz der Stadt Isny befindet, anzuschaffen. Konrad Prinz hofft aber auch inständig darauf, dass die im vergangenen Jahr coronabedingt ausgefallene Maiandacht und das Rosenkranzgebet im Oktober in diesem Jahr wieder in der Kapelle stattfinden mögen.

Ein Kreuz aus dem 15. Jahrhundert beim Bauernhof. Foto: Brigitte GeiselhartSich mit Haus- und Feldkreuzen Stätten der Andacht zu schaffen, das war in katholisch geprägten Landstrichen in früheren Zeiten selbstverständlich. Man baute sie etwa bei Viehseuchen, nach Unwettern, persönlichen Unglücksfällen oder in Erinnerung an liebe Verstorbene. Diesen Ursprung dürfte auch ein weiteres auf dem Weg liegendes Arma-Christi-Kreuz haben, das ganz aus Metall gefertigt ist und bei dem die Leidenswerkzeuge wie ein Strahlenkranz um den Leib Christi angeordnet sind. Drei Würfel kurz unterhalb der Spitze des Kruzifixes weisen darauf hin, dass um Jesu Kleider gespielt wurde.

Ein Kreuz aus dem 15. Jahrhundert beim Bauernhof. Foto: Brigitte Geiselhart

Den kleinen Schlenker zur Gumpeltshofer Höhe, die eine Aussicht tief ins Argental und bis zur Waldburg verheißen würde, darf – oder muss – man sich an diesem Tag leider schenken. Verständlich, dass dieser Teil der Strecke angesichts der Unmengen von Schnee, die in den vergangenen Tagen gefallen sind, noch nicht geräumt werden konnte.

Bildstöckleweg - Der Schnee verdeckt die Schrift

Der kleine Umweg nach Beuren zurück, um dann den Bildstöckleweg ein Stück weit in anderer Richtung in Angriff zu nehmen, ist aber kein Problem. Es geht noch einmal ein paar hundert Meter bergauf bis zu einem Waldstück. „Maria mit dem Kinde lieb, uns allen Deinem Segen gib“, so steht es auf einem Marienbild, das schon seit vielen Jahrzehnten an einer Fichte am Waldrand angebracht worden ist.

Der Altar der Kirche St. Petrus und Paulus. Foto: Brigitte GeiselhartJetzt heißt es aber, noch einmal den Ausblick auf Beuren, die verschneiten Hänge, und in Richtung Schloss Zeil zu genießen. In der St. Petrus und Paulus Kirche ein wenig zu verweilen und Gott für eine wunderschöne Winterwanderung zu danken, ist in jedem Fall ein guter Abschluss – ganz unabhängig davon, welcher Konfession man angehören mag. Der Tag ist aber noch nicht zu Ende. Ein Abstecher in die Isnyer Altstadt ist ein Muss. Zwischen Wassertor, Blaserturm, Espantor und den Türmen der Nikolai- und Georgskirche darf man in die fast 1000 Jahre zurückreichende, bewegte Stadtgeschichte der einstigen Freien Reichsstadt eintauchen.

Der Altar der Kirche St. Petrus und Paulus. Foto:
Brigitte Geiselhart

Und inmitten des mittelalterlichen Stadtovals kann man davon träumen, wie schön es jetzt wäre, in einem der Cafés und Restaurants einen warmen Kaffee zu trinken oder sich Allgäuer Kässpätzle schmecken zu lassen. Im Winter 2021 müssen die mitgebrachte Stulle aus dem Rucksack und der heiße Tee aus der Thermoskanne reichen. Aber auch der wärmt Herz und Gemüt. □

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