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Der Chor ist der Star - Martin Luther King

Zwei Mal werden acht Profi-Darsteller und je 700 Chorsängerinnen und Chorsänger in Ludwigsburg die Geschichte von Martin Luther King im gleichnamigen Musical erzählen. Zum vierten Mal bringt die Creative Kirche ein Musical auf die Bühne, das durch Deutschland tourt.

Eindrückliche Darstellung: Martin Luther King und seine Botschaft.
Fotos: Pressebilder

Eine Frau mit langen roten Haaren. Sie steht hinter einem Schreibtischstuhl. Um sie herum: weitere sieben Personen. Sie folgen den Anweisungen des Regisseurs. Die Rothaarige ist die „Heilige Geistin“ im Musical Martin Luther King. Noch wird geprobt. Ende Januar ist Auftritt in Ludwigsburg.

Gerade ist eine Szene mit Malcolm X dran. Er war Anführer einer Bürgerrechtsbewegung, die ähnliche Ziele wie Martin Luther King hatte: das Ende der Rassentrennung. Doch Malcolm X und seine Anhänger griffen zu den Waffen. In der Szene wird deutlich, dass er sich nicht wie Martin Luther King von der „Heiligen Geistin“ – im Stück ist der Heilige Geist weiblich – beeinflussen lässt. Stattdessen huldigt er geradezu seiner Waffe.

Martin Luther King - Keine Waffen für den Protest

Die Heilige Geistin singt „We shall overcome“. Das geht einem als Zuhörer unter die Haut. Doch Malcolm X lässt das kalt. Mehrmals wird die Szene geprobt. Regisseur Andreas Gergen gibt Anweisungen. Die Heilige Geistin soll ihre Hand auf Malcolms Schulter legen. Malcolm soll seine Waffe verliebt anschauen. Die Künstler hören aufmerksam zu und setzen es um.

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Das Musical Martin Luther King wird unter anderem in der MHP-Arena in Ludwigsburg aufgeführt. Dahinter steckt die Stiftung Creative Kirche in Witten, die zur Evangelischen Kirche von Westfalen gehört. „Aber wir ziehen das nicht allein durch“, sagt Ralf Rathmann, Diakon und einer der beiden Gründer der Creativen Kirche. Kooperationspartner sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. In Württemberg unterstützen die Landeskirche und das Evangelische Jugendwerk das Projekt. Nach „Die zehn Gebote“, „Amazing Grace“ und „Luther“ ist „Martin Luther King“ das vierte große Projekt dieser Art. Bereits im Herbst 2015 kamen die Komponisten Christoph Terbuyken und Hajo Gäbler sowie Autor Andreas Malessa auf die Creative Kirche zu. Sie fragten an, ob sich die Creative Kirche vorstellen könnte, das Projekt umzusetzen. „Damals waren wir vollauf mit dem Luther-Oratorium beschäftigt“, sagt Rathmann. „Da aber Martin Luther King mit seiner Botschaft gut zu uns passt, waren wir offen.“ So entstand die Zusammenarbeit.

„Für uns ist wichtig, dass der große Chor dabei ist. Denn das ist unser Kerngeschäft – wir wollen Laien ein professionelles Umfeld schaffen. Damit sie etwas Tolles erleben können“, sagt Ralf Rathmann. „Der Chor ist der Star.“ Bei der Uraufführung im Februar 2019 in der Essener Gruga-Halle standen an beiden Abenden jeweils 1200 Chorsängerinnen und -sänger auf der Bühne, beim Kirchentag in Dortmund im vergangenen Jahr waren es knapp 2000. In diesem Jahr geht das Musical auf Tournee: Am 11. Januar ist es in Offenburg zu sehen, am 18. Januar in Hamburg. Am 25. und 26. Januar gastiert das Musical in Ludwigsburg. Weitere Aufführungsorte sind Hannover, Braunschweig, Siegen, Münster und viele andere. In Ludwigsburg werden an beiden Veranstaltungstagen bis zu 700 Sängerinnen und Sänger als Chor auf der Bühne stehen.

Die Verantwortlichen der Creativen Kirche legen großen Wert darauf, dass viele Menschen sich an dem Projekt beteiligen. Außerdem ist ihnen aber auch wichtig, dass die Botschaft stimmt. „Bei Martin Luther King ist das so. Er hat aus dem Glauben die Kraft geschöpft, um seinen Traum von der Aufhebung der Rassentrennung zu verwirklichen.“

Eindrückliche Darstellung: Martin Luther King und seine Botschaft.
Foto: Pressebild

Die Botschaft – darum geht es auch Andreas Malessa. Der Theologe und Journalist hat den Text für das Musical geschrieben. Martin Luther King war tief gläubig, kam aus einer baptistischen Familie. „Aber es geht nicht um Konfession. Martin Luther King lässt sich nicht konfessionell vereinnahmen“, sagt Malessa. „Er war mit seiner Botschaft ein Weltbürger.“ Der Autor betont, dass das Beispiel Martin Luther King zeigt, wie anfangs utopische Träume doch wahr werden können. „Das begeistert mich. Das ist heute noch genauso aktuell.“

Die Inspirationsquelle von Martin Luther King

Andreas Malessa sitzt in der Probe und verfolgt das Geschehen. Er weiß sofort, wenn sich einer der Künstler vertan hat. Malessa kennt alle Texte inund auswendig. Er legt Wert darauf, dass Martin Luther King nicht als „Heiligenbildchen“ dargestellt wird. Die Heilige Geistin war Malessas Idee. „Aber das ist keine Verbeugung vor dem Feminismus, sondern zutiefst biblisch.“ Er begründet die Figur mit Bibelstellen wie etwa Jesaja 66,13: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Die Heilige Geistin, gespielt von Karolin Konert, findet ihre Rolle prima. „Es ist toll, eine Geschichte mit so viel Tiefgang zu erzählen“, sagt sie. „Die Heilige Geistin ist Kings Inspirationsquelle, das Sprachrohr Gottes. Nur so hat er es geschafft, bei all der Aggression Ruhe zu bewahren.“ Besonders genießt die 30-Jährige die Arbeitsatmosphäre bei der Creativen Kirche. „Das ist ganz anders als im Theater. Alle kümmern sich super um uns. Jeder, der mitmacht, steht so dahinter.“ Außerdem freut sie sich auf die Auftritte mit dem Chor. „Das habe ich noch nie erlebt. Das ist sehr kraftvoll, mit so vielen Menschen zu singen.“ Ähnlich geht es Gino Emnes, er stellt Martin Luther King dar. „Es ist eine Ehre, so eine Rolle zu spielen“, sagt er. „Ich finde es gut, dass wir ihn als Mensch mit Ecken und Kanten darstellen.“ Auch er erlebt die Zusammenarbeit mit der Creativen Kirche positiv und freut sich auf den Chor.

Singen und spielen mit Leidenschaft: Die Darsteller beim Musical.
Foto: Pressebild

Kurz vor der Aufführung proben Solisten und Chor zum ersten Mal miteinander. „Dann gibt es noch die Generalprobe“, sagt Rathmann. Der große Chor besteht aus Projektchören – die sich extra für dieses Musical zusammengefunden haben. Aber auch bestehende Chöre und Einzelpersonen sind dabei. Jeder, der Lust hat, soll mitmachen können.

Das finanzielle Risiko liegt übrigens bei der Creativen Kirche. „Wir bekommen Zuschüsse und haben Sponsoren. Aber wir sind sehr in Vorleistung gegangen“, erklärt Rathmann. Weiter finanziert sich das Projekt über die Teilnehmergebühren der Chorsänger und über den Eintritt zur Veranstaltung. „Unser Eintritt liegt sehr viel niedriger als bei kommerziellen Musicals.“

 

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