Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Kampf für einen Traum

Martin Luther King gehört zu den herausragenden Gestalten der jüngeren Geschichte. Sein Leben steht für gesellschaftliche Veränderung aus dem christlichen Glauben. Es ist geprägt von Erfolgen und Rückschlägen. Im Januar wird es als Musical in Ludwigsburg zu sehen sein.

Bürgerrechtler und Pastor im Interview

Martin Luther King Jr. , bekannt durch seine Ansprache "I have a dream" (Foto: pixaby)

Es war ein Leben voller Erfolge und Niederlagen, Hoffnungen und Enttäuschungen, Aufbrüche und Resignation – gewaltsam beendet am 4. April 1968 durch die Gewehrkugel eines weißen Rassisten. In diesem 39-jährigen Leben gab es herausragende Ereignisse: den Marsch auf Washington mit der legendären Rede „I have a dream“ im August 1963, die Verkündung der Bürgerrechtsgesetze durch den amerikanischen Präsidenten im Juni 1964 oder die Verleihung des Friedensnobelpreises im Dezember desselben Jahres. Doch wie wurde dieses Leben zu dem, was es war? Eine Begebenheit in Alabamas Hauptstadt Montgomery am 30. Januar 1956 sticht heraus und zeigt Kings Friedfertigkeit. Abends gegen 21.30 Uhr warfen Unbekannte eine Bombe auf die Veranda des Hauses, in dem King zur Miete wohnte. Er war nicht zu Hause, aber seine Frau Coretta und seine kleine Tochter Jolanda. 

Den Hass vergelten ‒ mit Liebe

Als King von dem Anschlag erfuhr, eilte er sofort zu seiner Familie. Vor dem Anschlagsort hatte sich inzwischen eine wütende Menge versammelt. Obwohl Polizeikommissar Clyde Sellers und Montgomerys Bürgermeister William Gayle das Attentat bedauerten, gerieten die Polizisten durch die empörten Schwarzen unter Druck. Der Ruf nach Rache wurde laut. Als sich immer mehr aufgebrachte Schwarze um Kings Haus versammelten, drohte die Lage zu eskalieren. Da trat Martin Luther King auf die zerstörte Veranda. Ruhig und gefasst sprach er zu der Menge: „Meiner Frau und meinem Kind ist nichts passiert. Bitte, geht nach Hause! Legt die Waffen weg! [...] Wir müssen Hass mit Liebe vergelten.

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Die Logik der Gewalt durchbrechen

Die Logik der Gewalt zu durchbrechen wurde zu Martin Luther Kings Prinzip. Der Busboykott konnte so gewaltlos bis zum Erfolg vorangetrieben werden. Nach dem Beginn des Busboykotts wurden King und seine Familie mit Verleumdungen und Morddrohungen überzogen. Täglich gingen 30 bis 40 Drohbriefe ein. Das Telefon läutete Tag und Nacht, die Familie wurde auf der Straße wüst beschimpft.

Auslöser des Busboykotts war die Verhaftung von Rosa Parks am 1. Dezember 1955. Die schwarze Näherin hatte sich geweigert, im Bus einem Weißen Platz zu machen. Schwarze durften nur im hinteren Teil des Busses Platz nehmen. Sie mussten beim Fahrer ihre Fahrkarte lösen, dann aussteigen, um den Bus durch die hintere Tür wieder zu besteigen. Nicht selten soll es vorgekommen sein, dass ein Busfahrer die Türen zu früh schloss und die Schwarzen stehen ließ. Die schwarze Bevölkerung solidarisierte sich mit Rosa Parks. King führte den Boykott an. Nach 381 Tagen endete der gewaltlose Widerstand 1956 mit Erfolg: Der Oberste Gerichtshof verbot jede Art von Rassentrennung in den Bussen der Stadt Montgomery.

Gewaltlose Bürgerrechtsbewegung

Reverend King war nun in aller Munde, nicht nur in Alabama. 1957 wurde er zum Präsidenten der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gewählt – die gewaltlose Bürgerrechtsbewegung war geboren. In den folgenden Jahren schlossen sich ihr auch immer mehr Weiße an. Die christlich motivierte Bürgerrechtsbewegung war erfolgreich, weil sie ökumenisch agierte.

Martin wurde als Michael King Jr. am 15. Januar 1929 als Sohn der Lehrerin Alberta Christine Williams King (1904 – 1974) und des Baptistenpredigers Michael King Sr. (1899 – 1984) geboren. Mit 17 Jahren wurde er Hilfsprediger seines Vaters an der Ebenezer Baptist Church in Atlanta. Dort besuchte er ab 1944 das Morehouse College, die einzige Hochschule für Schwarze im Süden. Er erwarb einen akademischen Grad in Soziologie und studierte Theologie auf dem Crozer Theological Seminary in Pennsylvania. King las Plato, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Aristoteles, Karl Marx, Henry David Thoreau und vor allem Mahatma Gandhi, dessen Gewaltlosigkeit ihn tief beeindruckte. Später bekannte er, den Geist und die Beweggründe der Gewaltlosigkeit von Jesus übernommen zu haben, die Methode des zivilen Ungehorsams von Mahatma Gandhi.

Vorbilder: Jesus und Gandhi

Am 18. Juni 1953 heiratete King Coretta Scott, mit der er vier Kinder bekam. Nach seinem Studium hätte er weiter wissenschaftlich arbeiten können, entschied sich aber für die Praxis und trat eine Pfarrstelle im Süden des Landes an. 1954 wurde er Pastor in der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery, der Stadt, in der Rosa Parks im Bus sitzen blieb.

Die Arbeit in der Bürgerrechtsbewegung nahm ihn in Beschlag, so zog er 1960 nach Atlanta, wo er sich mit seinem Vater den Pfarrdienst an der Ebenezer Baptist Church teilte. Die Bürgerrechtsbewegung startete Aktionen zur Wählerregistrierung und Sit-in-Aktionen, das Sich-Niedersetzen an Orten, wo Schwarze nicht sein durften. Es gab auch Rückschläge. Eine monatelange Kampagne in Albany, Georgia, lief im Sommer 1962 aus dem Ruder, als Schwarze infolge brutalster Polizeiübergriffe zurückschlugen. Darauf hatten offenbar viele Gegner gehofft. In den Medien wurde die Bewegung für erledigt erklärt.

Die Kampagne blieb gewaltlos - und wurde zum Erfolg

Doch es ging weiter, nächstes Ziel war Birmingham, die Hauptstadt von Alabama. Auch ein Demonstrationsverbot konnte die Aktionen nicht stoppen. Es folgten Demonstrationen von Schülerinnen und Schülern, die zuvor in gewaltfreien Aktionen unterrichtet worden waren. Als 6000 Kinder und Jugendliche das Programm durchlaufen hatten, ging es am 6. Mai los. Doch die Schwarzen hatten die Brutalität des Polizeichefs unterschätzt. Bull Connor ließ Hunde auf die Kinder hetzen und fegte sie mit Wasserwerfern von der Straße. 3500 zumeist jugendliche Demonstranten ließ er ins Gefängnis werfen. Die Bilder des Protests gingen um die Welt. Die Kampagne blieb gewaltlos – und wurde zum Erfolg: Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte die Rassentrennungsgesetze der Stadt Birmingham für verfassungswidrig.

Doch die Grausamkeiten nahmen damit kein Ende. Am 15. September 1963 zündeten weiße Rassisten in der 16th St. Baptist Church eine Bombe. Vier Mädchen starben, die vier Mörder kamen davon.

Der regionale Kampf in den Südstaaten hatte Auswirkungen auf die ganzen USA. Es entwickelte sich ein afroamerikanisches Selbstbewusstsein, getragen vom Stolz auf die eigene Herkunft und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Höhepunkt war der Marsch auf Washington, an dem am 28. August 1963 rund 250 000 Menschen teilnahmen. Martin Luther King hielt seine berühmte Rede „I have a dream“, „Ich habe einen Traum“. Der Marsch zum Lincoln Memorial galt als machtvolle Unterstützung für die gesellschaftlichen Reformen von Präsident John F. Kennedy. Die Bürgerrechtsbewegung hatte den Sprung in den Norden geschafft.

Martin Luther Kings Traum vom „Gelobten Land“ lebt nach Kings Ermordung in den Herzen vieler Menschen fort. Vincent Harding, der erste Direktor des King-Zentrums, schrieb: „King lebt! … Wir haben gesehen, wie er in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens den Panzern entgegentrat; wir haben gesehen, wie er beim Fall der Berliner Mauer auf ihren Resten tanzte; wir hörten ihn während des Prager Frühlings singen; wir sahen sein Spiegelbild in den leuchtenden Augen von Nelson Mandela; … er lebt weiter in uns und überall, wo seine Botschaft gehört und verwirklicht wird, wo immer wir seinen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden fortsetzen.“


◼ Das Musical „Martin Luther King"  www.king-musical.de

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