Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Kampf um die Ehe

Es ist ein Thema, das manche Kirchenleitung schier zerreißt: Welche Position soll die Kirche zum Thema Homo-Ehe einnehmen? Bei einer so emotionalen Debatte lohnt sich ein Blick auf die Fakten-Entwicklung. Anschließend beziehen zwei Dekane im Pro und Kontra Position.


Wo geht es hin mit der Ehe. (Foto: epd-Bild)

Es scheint schon schwierig zu sein, überhaupt eine Debatte über das Thema zu führen. So ist der Versuch des theologisch liberalen Gesprächskreises „Offene Kirche“ gescheitert, bei der Sommertagung der Landessynode die Homo-Ehe in der Aktuellen Stunde zu diskutieren. Präsidium und Landesbischof hatten dies aus formalen Gründen abgelehnt. Oder war das Thema einfach zu strittig?, mutmaßten die Synodalen der offenen Kirche. Der Sprecher der Landeskirche betonte daher sofort, dass das Thema Segnung gleichgeschlechtlicher Paare grundsätzlich auf der Agenda der Landessynode stehe.

Die Kirchen kommen also nicht darum herum, über dieses heiße Eisen zu sprechen, zumal sich in der westlichen Welt in diesem Punkt einiges verändert hat. Die Volksabstimmung der Iren und das Urteil des Obersten Gerichtshofes in den USA trugen zu diesem Gesprächsdruck bei.

Nach dem Urteil des US-Gerichtshofes können Schwule und Lesben nun in allen 50 US-Bundesstaaten heiraten. Die Obersten Richter hatten befunden, die US-Verfassung gewähre gleichgeschlechtlichen Paaren das Grundrecht auf Ehe. Das Grundsatzurteil spiegelt die stark gewachsene gesellschaftliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften in den USA wider. In 36 der 50 Bundesstaaten durften Schwule und Lesben bereits vor dem Urteil heiraten.

Neue Hochzeitsliturgie

Und was sagen die Theologen in Amerika? Manche protestantischen Kirchen befürworten die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die Generalversammlung der zur anglikanischen Weltgemeinschaft zählenden US-Episkopalkirche beschloss, gleichgeschlechtliche Paare dürften kirchlich heiraten. Die Hochzeitsliturgie wurde umgeschrieben.

In der Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA) rief die leitende Bischöfin Elizabeth Eaton zu „gegenseitigem Respekt“ auf. In der ELKA gingen nämlich die Meinungen zur Homo-Ehe auseinander.

Auch in einigen Ländern Europas ist die Homo-Ehe längst Alltag. Spanien zum Beispiel: Dort werden jährlich 3000 homosexuelle Paare getraut. Anders als bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland existiert dort kein Unterschied zur herkömmlichen Ehe. Im Familiengesetz wurden die Worte Mann und Frau gestrichen. Zudem dürfen Schwule und Lesben auch Kinder adoptieren. Und auch die Iren haben inzwischen ihr Ja-Wort gegeben: Rund 62 Prozent der Bevölkerung stimmten für eine gesetzliche Gleichberechtigung homosexueller Ehepaare.

Auch die deutsche Politik beschäftigt sich wieder mit dem Thema: Der Bundesrat hat sich bereits für die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ausgesprochen. In dem Entschließungsantrag fordern die Länder die Bundesregierung auf, die Benachteiligung gleichgeschlechtlicher Paare zu beenden und ihnen etwa das volle Adoptionsrecht zu gewähren.

Evangelische Kirchenvertreter werden nicht müde, sich für eine offene Debatte über das Thema auszusprechen. Es sei wichtig, dass nicht mit einer Schere im Kopf diskutiert werde, sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski. Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad warb um eine offene Diskussion, bei der fair mit den unterschiedlichen Positionen umgegangen werde.

Der Königsweg, den die Evangelische Kirche in Deutschland zu gehen versucht, hat sich schon in dem umstrittenen Familienpapier der EKD angedeutet. Es geht um die Begriffe Verbindlichkeit, Treue und Verantwortung. Überall wo dies verwirklicht wird, findet Familie statt und damit auch Ehe. Warum also auch nicht zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern?

Verbindlichkeit stärken

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, spricht sich daher für eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus. Wenn gleichgeschlechtliche Paare den Wunsch hätten, verbindlich zusammenzuleben, begrüße er das, sagte der Theologe. Die Gesellschaft benötige eine „neue Kultur der Verbindlichkeit“, das gelte auch für ein lebenslanges Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Partner.

Die Hoffnung dahinter ist: Wer die Homo-Ehe befördert, befördert auch die Hetero-Ehe. So argumentiert zum Beispiel der Berliner Justiz-Senator Thomas Heilmann (CDU): „Wenn wir den konservativen Homosexuellen erlauben, ihre Lebenspartnerschaft auch Ehe zu nennen, stärken wir das Prinzip, hinter dem wir alle stehen.“

Und wie sieht es mit der Verfassung aus? Für eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ist nach einem Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung keine Grundgesetzänderung notwendig. Aus der Entstehungsgeschichte der Verfassung lasse sich nicht ableiten, „dass der Ehebegriff für alle Zeiten auf ein Verständnis als verschieden geschlechtliche Partnerschaft festgelegt wäre“, heißt es in dem Papier der Juristin Friederike Wapler. Der Ehebegriff des Grundgesetzes sei offen für einen Wandel. Die SPD-nahe Stiftung widerspricht damit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der gesagt hatte, dass für eine Gleichstellung der Homo-Ehe eine Änderung des Grundgesetzes nötig sei. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sei die Ehe die Verbindung von Mann und Frau, argumentierte er.

Protestanten ringen noch

Wie so oft gibt es auch bei der Homo-Ehe nicht die eine einheitliche evangelische Position. Noch wird unter Protestanten darum gerungen. Während zum Beispiel die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, in der „Bild am Sonntag“ die Gleichstellung fordert, hegt in Sachsen ein neuer Landesbischof beim Thema Homosexualität Zweifel.

In der evangelischen Kirche sei die Diskussion über die Gleichstellung von homosexuellen Paaren noch nicht abgeschlossen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und verwies dabei unter anderem auf das Adoptionsrecht, das homosexuellen Paaren in Deutschland als eines der letzten Punkte bei der Gleichstellung noch vorenthalten ist. Bedford-Strom äußerte sich dazu bislang eher vorsichtig.

Andere positionieren sich klarer: „Das A und O ist, dass Kinder ein Maximum an Zuwendung und Fürsorge bekommen“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. Er rechne mit lebhaften Diskussionen über das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. „In Etappen werden wir aber dazu kommen.“

Offen äußerte sich aktuell auch der Berliner Bischof Markus Dröge. Für seine Kirche sei praktizierte Homosexualität weder krankhaft noch sündhaft, sagte er. Die Synode seiner Landeskirche hat jüngst beschlossen, eingetragene Lebenspartnerschaften der kirchlichen Trauung rechtlich und liturgisch gleichstellen zu wollen. In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sind Segnungen schon seit 2002 möglich. Trauung und Segnung wurden faktisch gleichgestellt.

Die stärker pietistisch geprägte württembergische Landeskirche lässt dagegen nicht einmal gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus zu – nur in Einzelfällen. Landesbischof Frank Otfried July gehörte auch zu den ersten Kritikern der EKD-Orientierungshilfe zum Thema Familie, die neben der traditionellen Mutter-Vater-Kind-Familie auch eine Anerkennung anderer Familienformen verlangt. Dazu zählen Patchworkfamilien, Alleinerziehende und eben auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Jetzt wird ihm demnächst noch das Thema Homo-Ehe ins Haus stehen – und zwar nicht nur im Pfarrhaus.