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Der Klassiker wirkt bis heute - Luthers Übersetzung mit griffigen Sprachbildern

Schon vor der Bibelübersetzung durch Martin Luther und sein Team gab es andere Übertragungen der Originaltexte ins Deutsche. Doch die Lutherbibel wurde zum Erfolg: Durch ihre griffigen Sprachbilder kam sie bei der Leserschaft an und prägte die deutsche Sprache.

Die Bibel. Foto: congerdesign, pixabayDie Bibel. Foto: congerdesign, pixabay

Martin Luther war ein eifriger und erfolgreicher Autor. Vom streitbaren Flugblatt bis zum tiefschürfenden Bibelkommentar beherrschte er ganz unterschiedliche Stilarten. Doch unter seinen vielen Büchern sticht die Übersetzung der Bibel noch einmal ganz besonders hervor. Die Lutherbibel ist das Buch, das in der Geschichte der deutschen Sprache mit Abstand am häufigsten gedruckt und gelesen wurde. Seit fast 500 Jahren ist sie ununterbrochen lieferbar und heute auch in digitalen Formaten vielfach verfügbar. Die Lutherbibel hat unsere Sprache deshalb mehr geprägt als jedes andere Buch. Urteilen Sie selbst:

Wir „tragen jemand auf Händen“ (Psalm 91,12) oder hüten etwas „wie unseren Augapfel“ (5. Mose 32,10).

Unsere „Langmut“ (2. Korinther 6,6) wird auf „Herz und Nieren geprüft“ (Jeremia 17,10), wenn jemand „Perlen vor die Säue wirft“ (Matthäus 7,6) oder uns gar als „Lockvogel“ (Sirach 11,31) oder „Sündenbock“ (3. Mose 16,15) einsetzen will.

Ein „Stein des Anstoßes“ (Jesaja 8,14) ist es, wenn einer uns „das Leben sauer macht“ (2. Mose 1,14), wir „im Schweiße unseres Angesichts“ (1. Mose 3,19) „von Pontius zu Pilatus geschickt“ werden (Lukas 23,6-12) oder ganz „im Dunkeln tappen“ (2. Petrus 1,9).

Niemand sollte dann „sein Leid in sich hineinfressen“ (Psalm 39,3), sondern die Sache „von Angesicht zu Angesicht“ (2. Mose 33,11) klären.

Man muss ja nicht gleich „Himmel und Erde in Bewegung setzen“ (Haggai 2,6) und dem anderen „das Maul stopfen“ (Psalm 107,42).

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Die Bildsprache dieser Wendungen ist häufig bereits in den biblischen Originalen angelegt. Aber Martin Luther hat sie in seiner Übersetzung so griffig und treffend ins Deutsche übersetzt, dass sie bis heute Teil unserer Alltagssprache sind.

Besonders deutlich zeigt das die Redewendung „sein Licht unter den Scheffel stellen“. Wohl kaum jemand weiß heute noch, was ein Scheffel ist: ein altes Hohlmaß für Schüttgut. Aber die Redewendung aus der Bergpredigt wird weiterhin als Sprichwort verwendet – und selbstverständlich im Wortlaut der Lutherbibel. Selbst die katholische Einheitsübersetzung hat in der revidierten Fassung von 2016 diese Wendung übernommen, obwohl sie vorher in diesem Vers für viele Jahre „ein Gefäß“ über das Licht stülpte. Der Scheffel war einfach zu vertraut. Ähnliches gilt für die Zürcher Bibel in der Schweiz oder die Elberfelder Übersetzung.

Luthers Übersetzung - Geschmack der Leute getroffen

Luther war mit seiner Bibelübersetzung zur rechten Zeit am rechten Ort. Wenige Jahrzehnte vorher war der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden worden. Dank dieser Innovation konnte Luther in kurzer Zeit zum Bestsellerautor werden, der gerne und viel nachgedruckt wurde. Das geschah oft auch ohne Erlaubnis des Autors. Selbst die katholischen Konkurrenzübersetzungen bedienten sich für ihre Werke gerne bei Luthers Text. Bei seinem Auftritt auf dem Reichstag in Worms wiederum hatte er sich vor dem Kaiser und den versammelten Fürsten auf die Bibel berufen. Das verstärkte das allgemeine Interesse an diesem Buch, das bis dahin vor allem von Theologen gelesen wurde. Und in Wittenberg war schon mit den ersten Flugblättern und Schriften Luthers ein aktives Verlagswesen entstanden, das dann zum Erfolg des Bibeldrucks beitrug.

Buchdruck. Holzlettern. Foto: Freephotos, pixabayBuchdruck. Holzlettern. Foto: Freephotos, pixabay

Es gab zwar schon vor Luther verschiedenste Übersetzungen und mehr als zehn Bibeldrucke. Doch bisher hatte keine den Ton getroffen, der für eine breite Leserschaft passend gewesen wäre. Nun ist für uns heute schwer zu beurteilen, wie ein vorlutherischer Bibeltext auf damalige Leser gewirkt haben mag. In Lukas 2,7 etwa wird auch in der Mentelin-Bibel (1466) oder der Zainer-Bibel (1475) das Kind in die „Krippe“ gelegt. Danach geht es bei Mentelin weiter: „wann ir was nit ein stat im dem gasthaus“. Oder bei Zainer: „wa ir was nit ein stat in d schupffen“. Schließlich dann bei Luther (1522): „denn sie hatten sonst keynen raum ynn der herberge.“ Klar, dass uns diese Formulierung vertraut ist. Aber offensichtlich war das auch für die Zeitgenossen Luthers ein Stil, der sie ansprach und den sie gerne lesen wollten. Die Übersetzungen vor Luther wollten einen heiligen Text so genau wie möglich in eine andere Sprache übertragen. Luther dagegen wollte die Botschaft der Bibel zum Sprechen bringen. Deshalb gab er sich so viel Mühe mit seiner Übersetzung, die nicht nur genau, sondern auch anschaulich und verständlich sein sollte. Und da er mit einer besonderen Sprachbegabung ausgestattet war, ist ihm und seinen Mitarbeitern dieses Werk gelungen.

Berücksichtigen muss man auch, dass es damals noch keine allgemein verbreitete deutsche Schriftsprache gab. Selbst die Lutherbibel wurde gleich ins Niederdeutsche übersetzt. Und einer oberdeutschen Ausgabe fügte ein findiger Drucker ein Glossar hinzu, damit seine Leser ihnen nicht so vertraute Wörter nachschlagen konnten. Doch Luther und seine Mitarbeiter hatten ein feines Gespür für die Wahl der richtigen Worte und Wendungen. Deshalb ist bis heute „Ziege“ hochdeutsch und „Geis“ Dialekt, genauso etwa bei „Weinberg“ und „Wingert“. Vor der Lutherbibel war in vielen Fällen noch offen, wie sich die deutsche Sprache entwickeln würde, ob sich für eine bestimmte Sache das ober-, mittel- oder niederdeutsche Wort durchsetzen würde. Mit dem Erfolg der Lutherbibel jedoch wurde der allgemeine Sprachgebrauch durch dieses Buch geprägt. Und heute?

Luthers Übersetzung - Ergänzung ist gut

Auch heute noch hat die Lutherbibel mit ihrer Sprache und Ausdrucksweise, aber vor allem wegen ihrer langen und erfolgreichen Wirkungsgeschichte eine besondere Stellung unter den Bibelübersetzungen. Sie ist der Klassiker, die deutsche Bibel. Wer etwa Psalm 23 einmal nach Luther auswendig gelernt hat, wird diesen Text immer in dieser Übersetzung verwenden wollen. Zugleich ist die Lutherbibel aber trotz aller Revisionen auch ein Buch aus dem 16. Jahrhundert, das heute nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit von breiten Bevölkerungsschichten verstanden werden kann wie am Anfang ihrer Geschichte. Deshalb ist es gut, dass es neben der Lutherbibel andere Übersetzungen gibt, die heute gut zu lesen und leicht zu verstehen sind. Das gilt in besonderer Weise für die Basis Bibel, die im Januar 2021 als Vollbibel veröffentlicht werden wird. Auch der Rat der EKD empfiehlt die Basis Bibel als Ergänzung zur Lutherbibel.

Aber letztlich geht es ja auch bei der Lutherbibel nicht um Luther, sondern um die Bibel und das Wort des lebendigen Gottes, das auf vielfältige Weise und durch unterschiedliche Übersetzungen zu uns spricht. □

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