Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Liebe trauen - Impuls zur Predigt

Matthäus 25, 14-30 (in Auszügen aus der BasisBibel) Es ist wie bei einem Mann, der verreisen wollte. Vorher rief er seine Diener zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei und dem dritten ein Talent – jedem nach seinen Fähigkeiten. Nach langer Zeit kam der Herr zurück und wollte mit ihnen abrechnen. Zuerst kam der Diener, der fünf Talente bekommen hatte. Er brachte die zusätzlichen fünf Talente mit und sagte: „Herr, sieh doch, ich habe noch einmal fünf dazugewonnen.“ Sein Herr sagte zu ihm: „Gut gemacht!

Komm herein! Du sollst beim Freudenfest deines Herrn dabei sein!“ Zum Schluss kam auch der Diener, der ein Talent bekommen hatte. Er sagte: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast. Deshalb hatte ich Angst. Ich ging mit dem Geld weg und versteckte dein Talent in der Erde. Sein Herr antwortete: „Werft diesen nichtsnutzigen Diener hinaus in die Finsternis. Dort gibt es nur Heulen und Zähneklappern!“

 

Der Liebe trauen

Impuls für den 9. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 25, 14-30.

Von Susanne Edel

Die promovierte Theologin Susanne Edel ist Pfarrerin in Kirchentellinsfurt. Foto: Privat

Es ist wahrlich zum Heulen! Da ist unsere Regierung vor einem Dreivierteljahr angetreten – entschlossen, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Doch jetzt wird’s eng von allen Seiten. Angst liegt in der Luft. „Da wird sein Heulen und Zähneklappern!“ – so die Befürchtungen.

Wen würde nicht hin und wieder Angst beschleichen in diesen Tagen? Werden allenfalls die gut davonkommen, die mit immensen Erträgen am Kapitalmarkt aus jeder Situation Gewinn schlagen? Und den anderen fehlt am Ende sogar die warme Stube, die heiße Suppe und das Brot?

Die promovierte Theologin Susanne Edel ist Pfarrerin in Kirchentellinsfurt. Foto: PrivatSo düster unsere Gleichnisgeschichte endet, so vertrauensvoll fängt sie an. Ein Hausherr verteilt großzügig Talente. Ein Talent Silber entspricht mit seinen 6000 Denaren gut 17 Jahresgehältern eines Arbeiters! Bei der Verteilung ermöglicht der Chef auch dem einen guten Start, der sich wenig zutraut. Die beiden ersten Diener mit fünf plus zwei Talenten sind überaus erfolgreich. Doch beim Dritten geht die Sache schief. Er weiß: Der Hausherr ist übel! Nichts geht gut aus! In seinen düsteren Prognosen nimmt er das Zähneklappern vorweg. Das ist die Hölle auf Erden.

Offenes Herz

Eindrücklich inszenieren Bilder an der Empore in der Wendelinkirche in Schnait bei Schorndorf die Szene. Während die beiden „Erfolgreichen“ ihren Chef offen und frei anschauen, kauert der dritte Diener am Boden, den Blick starr auf das verbuddelte Talent gerichtet. Er merkt gar nicht, dass der Hausherr neben ihm steht. Doch gleich wird der sagen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Matthäus 28,20). Behutsam wird er dem Mann am Boden die Hand auf die Schulter legen. „Was ist los mit dir?“ Das klingt nicht nach einem, der erntet, wo er nicht gesät hat. Das klingt nach aufmerksamem Ohr und Herz für die Angst. Nach einem Talent eigener Art.

War es das „Talent“ des Hausherrn, mit dem die ersten beiden Diener gewuchert haben? Kann ein aufmerksames Ohr und Herz immense Gewinnmargen generieren? Am Kapitalmarkt wird auch mal eine Investition in den Sand gesetzt. Das war vergebliche Liebesmüh, sagen wir dann vielleicht. Doch was soll’s. Neuer Tag, neues Glück. Rasch senkt sich der Blick wieder. Was soll ein aufmerksames Ohr und Herz schon bringen – in dieser Welt, wo’s zugeht wie es zugeht?

Wer weiß. Da hat schon mal einer mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen gesättigt. Weil sie geteilt haben, was da war. Und weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Er braucht ein Gegenüber. Eine Hilfe. Jemanden, der ihm etwas zutraut. Dann sind die Gewinnmargen immens. Trauen wir uns, den Blick zu heben? □

Mohnblume im Kornfeld. Foto: pixabay/Bruno GermanyFoto: pixabay/Bruno Germany

 

Gebet

Gott, du traust mir! Ich fass es nicht.

Was kann ich schon – angesichts all der Krisen ringsum?

Sie türmen sich zu Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

„Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“

Danke für dein Ohr! Danke für mein Ohr!

Amen.