Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Mensch und sein Garten (Impuls zu Jesaja 58, 7-12)

Jesaja 58,7.9.11b Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.

Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: Jesaja 58,7-12

Von Silke Stürmer

Pfarrerin im Dekanat Schorndorf

Silke Stürmer ist Pfarrerin im Dekanat Schorndorf und Ansprechpartnerin für die Kirchenvertretung auf der Remstal-Gartenschau. (Foto: Rainer Kwiotek)

Sie sind von Anfang an dabei und aus der Bibel nicht wegzudenken: Gärten. Vom Garten in Eden, in den Gott den Mensch setzt, bis zum Garten Gethsemane. Der Garten ist ein Bild der Liebe: „Ein verschlossener Garten bist du, meine Schwester, liebe Braut, ein verschlossener Garten, ein versiegelter Born“ (Hoheslied 4,12). Oder der Ort, an dem Gottes Zorn sichtbar wird: „… auch fraßen die Heuschrecken alles, was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen und Ölbäumen wuchs; dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der Herr.“ (Amos 4,9)

Der Mensch und sein Garten sind nicht voneinander zu trennen. Wer in diesem Sommer liebevoll die letzten Rosen abschneidet und im Sommer die dichten Trauben der Johannisbeeren geerntet hat und sich an den Tomatenrispen freute, weiß das.

Der Mensch ist wie ein Garten

Jesaja geht noch einen Schritt weiter. Der Mensch ist wie ein Garten. Er verfolgt damit eine Spur, die schon im Garten Eden gelegt wurde, als der Mensch (hebräisch „adam“) aus Erde („adama“) geformt wurde. Näher können sich Mensch und Garten nicht sein, als es in diesem Wortspiel zum Ausdruck kommt. Und doch wurde der Mensch aus dem Garten vertrieben. In Jesaja wird auch klar benannt, dass der Mensch nur dann einem bewässerten Garten gleicht, wenn er den Hungrigen speist und dem, der keine Heimat hat, eine Heimat gibt.

Wundert uns das? Nicht nur Mensch und Garten gehören in der Bibel zusammen, auch der Mensch und die Liebe. Wie ein rotes Band zieht sich die Liebe durch die Bibel. Kümmere dich um deinen Nächsten, sei ihm nahe, hilf, besuche, gib Obdach, gib Nahrung und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Mensch und Garten gehören in der Bibel zusammen

Die Gärten im Orient waren meist mit einer Mauer geschützt. Wer die Beduinengärten im Sinai kennt, die langen Steinmauern, die das wenige Grün in der Steinwüste schützen, kann sich das gut vorstellen. In dem hebräischen Wort für Garten „gan“, ist das Verb „gnn“ „beschützen/hegen“ verborgen. Es bedeutet so Umwallung.

Steckt also im Garten bereits das Beschützen und wird der Mensch als Garten bezeichnet, so ist es seine in ihm tief verwurzelte Aufgabe zu beschützen. „Bebauen und bewahren“ sollen wir die Erde. Martin Buber übersetzt es passender mit „bedienen und hüten“. Und das schließt alle ein: Tiere, Pflanzen und Menschen. Das Brotbrechen und Bekleiden. „Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Dann, nur dann bist du wie ein bewässerter Garten.

Wenn wir an Erntedank dankbar sind für unsere Gärten, für Getreide und Hokkaido, für Rubinette und Boskop, dann sind wir es in diesem Jahr auch für die Stunden, in denen wir mit Flüchtlingen Formulare ausgefüllt haben und auf Wohnungssuche waren, damit die ohne rechtes Obdach in ein Haus geführt werden. Wir freuen uns über jedes diakonische Engagement, das Hungrige sättigt, Süchtige berät und verschuldeten Menschen einen Ausweg weist. Ohne Liebe gibt es keinen fruchtbaren Garten. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“ und „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt“ (Johannes 15,15; 14.21).

Wenn Menschen zu bewässerten Gärten werden

Schön, wenn in der Bilanz der Remstal-Gartenschau auch auftaucht, wo nicht nur das Remstal ein unendlicher Garten war, sondern Menschen zu bewässerten Gärten wurden, weil sie im entscheidenden Moment das Richtige getan haben. Wenn sie zugehört, begleitet, getröstet, zum Lachen gebracht und Hoffnung geweckt haben.

Denn dann gehen wir durch unsere Gärten und wenn wir nach Gott rufen, wird er einfach sagen: Hier bin ich.

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