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Der Natur dankbar - Weltgebetsland Vanuatu, Inselstaat im Pazifik

Palmen, Strand, Bastrock: Vanuatu, ein kleiner Inselstaat im Pazifik, klingt nach Paradies. Doch obwohl die Menschen hier zu den glücklichsten der Welt zählen, hat das Land zu kämpfen – auch mit dem Klimawandel. Um Vanuatu geht es beim Weltgebetstag am 5. März.

Vanuatu. Inselstaat im Pazific. Strand..Foto: Katja Dorothea BuckEin Strandsofa: Für Touristen wird alles getan, damit sie sich wohlfühlen. Foto: Katja Dorothea Buck

„Vanuatu? Wo liegt das denn?“ Das ist eine häufige Frage. Kaum jemand kennt dieses Land, das aus 83 Inseln besteht, von denen nur 67 dauerhaft bewohnt sind. Vielleicht hängt die Unkenntnis damit zusammen, dass die Ni-Vanuatu – so nennen sich die Menschen dort – nur so wenige sind. Mit knapp 300 000 Einwohnern leben in dem Inselstaat etwa so viele Menschen wie in Mönchengladbach, Wiesbaden oder Augsburg.

Doch der Vergleich hinkt. Die meisten Ni-Vanuatu leben nicht in Städten, sondern in Dörfern mit manchmal weniger als 100 Einwohnern. Im Land gibt es nur zwei Städte, die Hauptstadt Port Vila auf der Insel Efaté mit rund 50 000 Einwohnern und Luganville auf Espiritu Santo mit gut 15 000 Einwohnern. Die hiesige Tourismusindustrie wirbt für Vanuatu als eines der „letzten Paradiese dieser Erde“. Traumhafte Strände, bunte Korallenriffe, üppiger Regenwald, glasklare Wasserfälle, aktive Vulkane – für Touristen bietet das Land Naturschauspiele in Hülle und Fülle. Auch gibt es keine wilden Tiere, keine giftigen Schlangen, Skorpione oder sonstige gefährliche Insekten; das alles bei tropischmoderaten Temperaturen. Klingt paradiesisch – ist es auch. Dennoch muss sich Vanuatu großen Herausforderungen stellen.

Der Inselstaat liegt auf dem pazifischen Feuerring, einem Vulkangürtel, der den Pazifik von drei Seiten umgibt. Entlang dieses Gürtels kommt es immer wieder zu starken Erdbeben und Tsunamis. Auch sind in Vanuatu noch einige Vulkane aktiv. 2017 und 2018 zum Beispiel brach auf der Insel Ambae der Manaro aus und machte mit Asche und Gasen das Leben auf der Insel für Monate unmöglich. 11 000 Menschen mussten evakuiert werden. Hinzu kommt, dass der Archipel in tropischen Breiten liegt. Während der Regenzeit von Oktober bis März ziehen oft heftige Wirbelstürme über die Inseln, die große Schäden anrichten können. Nicht umsonst ist Vanuatu nach Angaben der Vereinten Nationen das Land, das weltweit das höchste Risiko trägt, Opfer von Naturkatastrophen zu werden.

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Die Ni-Vanuatu wissen, wie man mit solchen Phänomenen umgeht, wo man bei Sturm zum Beispiel Schutz findet, zwischen den armdicken Luftwurzeln der riesigen Banyan-Bäume oder in Fels- und Erdhöhlen. Auch Schulen und Kirchen sind oft so gebaut, dass sie bei Zyklonen als Evakuierungszentrum dienen. Die Dächer der traditionellen Hütten werden bis auf den Boden gezogen, damit sich Sturmböen nicht darunter verfangen können. Die Ni-Vanuatu wissen, wie und wo man regensichere Vorräte anlegt, sogenanntes „Disaster Food“. Das sichert den Menschen das Überleben, wenn ein besonders schwerer Sturm alle Bäume entlaubt und die Ernte vernichtet hat. Solche Notzeiten kommen immer wieder vor. Für die Ni-Vanautu sind sie Teil der Natur. Doch im März 2015 traf mit Pam der stärkste je gemessene Wirbelsturm auf Vanuatu und verwüstete den Inselstaat in einem Ausmaß, wie es bisher nicht vorgekommen war. Der Klimawandel führt dazu, dass tropische Wirbelstürme immer heftiger werden.

Vanuatu - Immer mehr extreme Regenfälle

Im April 2020 suchte ein weiterer Zyklon der höchsten Messkategorie 5 die nördlichen Inseln Vanuatus heim. Wieder wurden so gut wie alle Häuser zerstört, Bäume entlaubt, umgeknickt oder gleich ganz mit den Wurzeln aus der Erde gerissen. Den Ni-Vanuatu ist bewusst, dass es mittlerweile in jeder Regenzeit zu solchen Monsterzyklonen kommen kann. Und sie wissen, dass dies nicht die einzigen Folgen des Klimawandels sind.

Nicht nur in Vanuatu steigt der Meeresspiegel und bedroht die Küstenregionen. Das Meerwasser erwärmt sich, was den Fischreichtum bedroht. Korallen sterben ab und bieten den Küsten keinen Schutz mehr vor der Brandung. Schließlich verändern sich durch den Klimawandel auch die Regenmuster, was neben den Zyklonen wohl die gravierendste Folge ist. Insgesamt fällt in Vanuatu immer weniger Regen. Und wenn es regnet, kommt es immer häufiger zu Extremregen, der gar nicht in die tieferen Bodenschichten eindringt und alles mit sich reißt. Das hat dramatische Folgen für die Nahrungssicherheit einer Bevölkerung, die sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt hat. Deswegen will Vanuatu eine Schadensersatzklage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag einreichen. 2018 kündigte der damalige Außenminister des Landes, Ralph Regenvanu, an, dass seine Regierung alle rechtlichen Möglichkeiten auf zwischenstaatlicher und internationaler Ebene ausschöpfen wolle. Dadurch sollen Unternehmen, die fossile Brennstoffe nutzen, auch die Kosten der Klimaschäden tragen.

Gleichermaßen will man die Regierungen zur Verantwortung ziehen, die aktiv oder unbewusst zum Klimawandel beitragen. Vanuatu ist nicht länger bereit, die Kosten der von anderen verursachten Schäden allein zu tragen. So sehr die Ni-Vanuatu unter den Folgen des Klimawandels leiden, so wenig haben sie dazu beigetragen. Vanuatus Treibhausgas-Kontingent liegt bei 0,0001 Prozent des deutschen. Kaum ein anderes Land hat eine bessere Klimabilanz. Das ist ein Grund, warum Vanuatu 2006 auf dem ersten Platz des sogenannten Happy Planet Index (HPI) gelandet ist. Jedes Jahr ermittelt die britische New Economics Foundation in 140 Ländern das subjektive Wohlbefinden und setzt dieses ins Verhältnis zur durchschnittlichen Lebenserwartung und zum ökologischen Fußabdruck. Seit Jahren ist Vanuatu immer unter den ersten fünf Ländern. Die Ni-Vanuatu dürfen sich zurecht zu den glücklichsten Menschen der Erde zählen.

Vanuatu. Markt. Foto: Katja Dorothea BuckVanuatu. Auf dem Markt werden Obst und Gemüse nicht in Plastiktüten verpackt, sondern zum Beispiel in Blätter. Foto: Katja Dorothea Buck

Tatsächlich tragen die Menschen hier fast immer ein Lächeln auf den Lippen. Jeder Reiseführer berichtet davon, dass dies zur Lebensart auf den Inseln dazugehöre. Selbst nach Zyklonen, Tsunamis oder Vulkanausbrüchen lächeln die Menschen. Für sie ist das Ausdruck ihrer Dankbarkeit. Dafür, dass die Natur ihnen alles schenke, was sie zum Leben brauchen. Außerdem gehe Wiederaufbau leichter mit einem Lächeln im Gesicht als ohne.

Einwohner von Vanuatu - Glücklich trotz Verwüstung

Doch angesichts des Klimawandels und anderer Herausforderungen, welche die globalisierte Welt mit  ihren kapitalistischen Spielregeln an kleine Staaten stellt, sind die Aussichten für Vanuatu nicht gut. Das Land hat keine Rohstoffe, für die es auf dem Weltmarkt Devisen bekommen könnte. Die braucht es aber, um Autos, Computer oder Handys kaufen zu können. Bis zur Corona-Pandemie war der Tourismus mit 40 Prozent der stärkste Wirtschaftszweig. Doch seit März 2020 sind alle Grenzen geschlossen. Der Tourismus ist komplett zusammengebrochen.

Die Ni-Vanuatu brauchen dringend Partner, die sich an ihre Seite stellen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen. Der Weltgebetstag kann da einen Anfang machen. □

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Kurze Fakten zum Weltgebetstags-Land Vanuatu

Unabhängigkeit und Sprachen

Vanuatu. Pazifik. Foto: Katja Dorothea BuckDie Inseln wurden von England und Frankreich gemeinsam als Kolonie verwaltet. Nach einem langen Unabhängigkeitskampf wurde Vanuatu 1980 unabhängig. „Vanua“ bedeutet Inseln und „atu“ sich erheben. Das Nationalmotto „Long God yumi stanap“ bedeutet „In Gott stehen wir zusammen“. Hauptsprachen sind Englisch, Französisch und Bislama. Zusätzlich werden 110 weitere Sprachen gesprochen.

 

Die Farben der Flagge

Weltgebetstag. Flagge Vanuatu. Pazifik Inselstaat. Foto: K.D.BuckRot steht für die Opfer des Kolonialismus und des Kampfes um die Unabhängigkeit. Die üppige Natur findet sich im Grün. Schwarz ist das Symbol für die Zugehörigkeit zum melanesischen Kulturkreis. Gelb steht für die Sonne, die in Vanuatu immer scheint oder für das Evangelium, das die Missionare gebracht haben. Der gebogene Eckzahn eines Wildschweins ist Statussymbol eines jeden Stammesführers, die zwei Palmzweige sind Zeichen der Willkommenskultur.

Religionen

Rund 83 Prozent der Einwohner sind Christen. Die größte Kirche ist die Presbyterianische, sie vertritt rund ein Drittel der Christen. Die anglikanische und die katholische Kirche machen je etwa 15 Prozent aus. Zudem gibt es Siebenten-Tags-Adventisten, die Church of Christ oder die Assemblies of God. Daneben stehen traditionelle Religionen. Der Bahai-Glaube wächst.

Zyklon Pam

Im März 2015 verwüstete der Wirbelsturm Pam in wenigen Stunden mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometer pro Stunde fast den gesamten Inselstaat. 90 Prozent aller Häuser wurden beschädigt oder ganz zerstört. 24 Menschen kamen um. Der wirtschaftliche Schaden wurde auf 600 Millionen Dollar geschätzt, etwa zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts.

„Disaster Food“

Kokosnuesse. Markt. Foto: K.D. BuckNotzeiten hat es in Vanuatu immer gegeben, sei es nach Zyklonen, Tsunamis, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Das sogenannte „Disaster Food“ hilft, mit den Folgen umzugehen. Es handelt sich dabei um Notrationen für die Zeit, wenn kein Blatt mehr an den Bäumen hängt und alle Vorräte kaputt sind. „Disaster Food“ besteht aus getrocknetem Bananenbrei oder gebackener Brotfrucht, die zwischen Bananenblättern in tiefen Erdlöchern über Monate gelagert werden kann. Äste und Steine verhindern, dass Tiere an die Vorräte kommen.

Plastikverbot

In Vanuatu gilt eines der weltweit schärfsten Plastikverbote. Für den Verkauf von Plastiktüten, Einweggeschirr oder Plastikbesteck gibt es hohe Geldstrafen. Früchte und Gemüse werden auf dem Markt in Körben aus geflochtenen Palmzweigen angeboten (Foto links). Essen wird auf einem Bananenblatt serviert. Seit 2020 dürfen keine Einwegwindeln mehr verkauft werden.