Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der schönste Spielplatz der Alb - Roßberg bei Ebingen

EBINGEN (Dekanat Balingen) – Lasset die Kinder zu mir kommen – gleich drei Evangelisten bezeugen diese Aufforderung Jesu. Wie das Kirche umsetzen kann, dafür findet sich auf der Schwäbischen Alb ein ungewöhnliches Beispiel.

Frühlingserwachen auf dem Roßberg. Foto: Wolfgang AlbersFrühlingserwachen auf dem Roßberg. Foto: Wolfgang Albers

Hoch über Ebingen erstreckt sich der Roßberg, ein kuppiges Hochplateau. Einst stand hier ein Bauernhof, ringsum liegen seine ehemaligen Weiden – weites, offenes Gelände. Wer es aus dem Wald heraus betritt, wird staunen: Schaukeln, Rutschen, Wippen, Tipis, eine Holzeisenbahn, ein Holz-Planwagen samt Pferd, eine Seilbahn, und, und, und … Spielgeräte noch und noch. Am Rande liegen auch noch Pony-Wiesen und ein Streichel-Zoo.

Und jede Menge Trubel. An schönen Sommertagen wuseln hier 200 bis 300 Kinder, entsprechend viele Eltern sitzen drum herum oder spielen mit. Denn es hat sich weit herumgesprochen: Dies ist wohl der schönste Spielplatz zwischen Stuttgart und dem Bodensee.

Und ein Anschauungsobjekt für alle Kommunen. Denn dieses riesige Gelände hat nicht die öffentliche Hand geschaffen – sondern die Kirche. Schon vor rund 50 Jahren. Und im Gegensatz zu manch verlottertem Spielplatz in den Kommunen ist das Gelände sehr gepflegt und alles top gerichtet.

Spielgeräte wurden selbst gezimmert

Aber sind Spielplätze eine kirchliche Aufgabe? Ja, fand Helmut Sigloch, damals evangelischer Pfarrer der Ebinger Thomaskirchen-Gemeinde. Er wollte die Jugend von der Straße holen, mit einem Bolzplatz. Aber im Ebinger abschüssigen Osten fand sich kein geeignetes Gelände. Da hörte er von dem Hof auf dem Roßberg, der zum Verkauf stand. Ein ideales Gelände, befand eine Delegation. Und: Das können wir uns nicht leisten. Diese Erkenntnis bedeutete aber nicht „Ende Gelände“, sondern war Ansporn.

Helmut Sigloch stürzte sich ins Spendensammeln und fand auch ökumenische Mitstreiter: seinen katholischen Kollegen Karl Duttlinger. Ein Foto zeigt die beiden auf einem Tandem – ihre Fundraising-Fahrten sind legendär geworden. Ökumenisch war auch das rechtliche Fundament für das Gelände: der Roßberg-Freizeit-Verein ist getragen von beiden Kirchen.

Was dann folgte, war jede Menge Arbeit. Das Bauernhaus wurde durch das Vereinsheim ersetzt, etliche Helfer zimmerten die ersten Spielgeräte. Und was für welche! Das viele Meter hohe Rutschenhaus etwa, das heute noch Abflugstation für einen steilen Downhill ist.

So etwas heute zu bauen wäre gar nicht mehr möglich. Sagt Günter Jeschonek, der schon am Anfang als Essen-Kocher mitmachte und seit 30 Jahren den Verein leitet: „Ich kann mir nicht vorstellen, so eine Auflage in der heutigen Zeit noch aufzubauen, noch überhaupt genehmigt zu bekommen.“

Das Rutschenhaus etwa steht nur noch, weil es Bestandschutz hat. Und der Großteil der Arbeitszeit von Günter Jeschonek geht mit Papierkram für die Behörden drauf – alle Geräte müssen ja TÜV-geprüft sein, der Tierpark natürlich allen Schutzbestimmungen entsprechen.

Rossberg. Schwaebische Alb. Für Kinder gebaut und ebenso von Eltern genutzt. Freizeitverein. Foto: Wolfgang AlbersFür Kinder gebaut und ebenso von Eltern genutzt: Das Gelände des Freizeitvereins. Es ist auch ein Ponyhof. Günter Jeschonek ist Vorstand des Vereins. Fotos: Wolfgang Albers

Ponyhof Rossberg. Schwaebische Alb. Foto: Wolfgang AlbersGuenter Jeschonek, Vorstand des Vereins Rossberg auf der Schwaebischen Alb. Foto: Wolfgang Albers

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Glück hat der Verein verlässliche Gönner – die Seilbahn etwa hat 20 000 Euro gekostet. Das Vereinsheim vom Dieselaggregat abzuhängen und an den Strom anzuschließen schlug mit 145 000 Euro zu Buche. Die Kosten spielt der Verein auch mit der Bewirtung herein.

Aber da müssen viele fleißige Hände erst mal Kuchen backen und hinter der Theke stehen. Bis jetzt klappt das ehrenamtliche Engagement – aber die rund 200 Mitglieder sind nicht mehr die jüngsten. Man habe schon Probleme, vor allem nach Corona, genügend Helfer zu finden, bilanzierte Günter Jeschonek zum Jubiläum.

Andererseits: Es finden sich auch junge Familien, die etwa im Stalldienst mitmachen. Und Bedarf für den Platz wird immer sein: „Jetzt kommen schon meine Kinder mit ihren Kindern.“ Keine Frage ist deshalb für Günter Jeschonek, dass sich das Engagement noch immer lohnt: „Wenn man sieht, wie die Kinder auf dem Platz eine Freude haben – dann weiß man, wofür man es macht.“ □

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Der Platz ist frei zugänglich. Anfahrt über die L448 zwischen Ebingen und Bitz.

Das Roßberghaus ist von Anfang März bis Ende November offen, mittwochs und samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr, www.rossbergfreizeitverein.de