Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Sturm hielt sie nicht ab - Radeln für Corona Opfer

Von Flensburg bis Friedrichshafen: 13 Männer sind in drei Tagen 1000 Kilometer mit dem Rennrad gefahren und haben dabei viel Geld für Corona-Opfer in aller Welt erstrampelt. Was an sich schon eine Herausforderung war, wurde durch das Wetter noch verschärft.

Radeln für Corona Opfer. Ein Hoch auf das Rad: Schließlich haben die Räder die Jungs getragen. Foto: Brigitte GeiselhartRadeln für Corona Opfer. Ein Hoch auf das Rad: Schließlich haben die Räder die Jungs getragen. Foto: Brigitte Geiselhart

In drei Tagen 1000 Kilometer mit dem Fahrrad fahren – ist das machbar? Offenbar ja – sofern Ehrgeiz, Ausdauer, Willenskraft und entsprechende Motivation vorhanden sind. 13 mutige Männer haben es bewiesen: Von 12. bis zum 14. Juni sind sie vom hohen Norden bis in den tiefen Süden, von Flensburg bis nach Friedrichshafen, von der Ostsee bis an den Bodensee geradelt, sind dabei jeden Tag rund 16 Stunden im Sattel gesessen und haben dabei insgesamt mehr als 8000 Höhenmeter überwunden. Nicht zuletzt mussten sie auf ihrem Weg quer durch Deutschland gegen teilweise chaotische Wetterbedingungen mit Sturm und Starkregen kämpfen.

Die sportliche Herausforderung haben sie mit Bravour gemeistert. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Vor allem haben sie mit ihrem spektakulären „Corona Ride“ und ihrem Spendenaufruf Geld für die gute Sache erstrampelt, sie wollen Corona-Opfern in aller Welt damit helfen. Bereits beim Zieleinlauf waren 85 000 Euro zusammengekommen. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir die angestrebten 100 000 Euro noch knacken“, so die klare Ansage der Radheroen. Die wurde auch erfüllt, kurz nach der Tour war der Betrag zusammen. Die Spenden kommen den vier Missionsorganisationen OM Deutschland, Kontaktmission e.V., MoveIn Europe und Face-Project zugute.

 

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Erschöpfung? Wer spricht bei so viel Glückshormonen schon von Erschöpfung! Laute Jubelschreie gab es im kleinen Hafen von Friedrichshafen-Fischbach, als am Sonntagabend um 20 Uhr die ersten fünf Ultraradsportler ihr Ziel erreichten. Auch die beiden anderen Gruppen hatten ein paar Stunden später das fast Unmögliche geschafft. Jetzt war es Zeit, alle Last abfallen zu lassen und sich gegenseitig kräftig auf die Schulter zu klopfen. „Während der dreitägigen Tour haben wir natürlich auf Einhaltung aller Regeln geachtet – die in den einzelnen Bundesländern, die von uns durchfahren wurden, derzeit durchaus unterschiedlich sind“, erzählte Mitorganisator Jonathan Schuldt. Deswegen sei man auch nicht gemeinsam, sondern größtenteils in drei Gruppen gefahren.

Rennrad fahren und beten

Was sind das für Männer, die solch eine Strapaze freiwillig auf sich nehmen? Eigentlich ganz normale Kerle. Jungspunde und Familienväter, Studenten und Berufstätige, die einen knapp über 20, die anderen schon in der Mitte der Fünfziger angekommen. Sie kommen aus Wolfsburg, aus Berlin, dem Frankenland oder anderswo aus Deutschland. Wie auch immer: Michael Armbruster, Florian Bierwirth, Simon Geißendörfer, Micha Orth, Oliver Schwidder, Mohamed Al Asaad, Robin Wagner, Manuel Schmid, Micha Schmid, Jonathan Schuldt, Tobias Schultz, Immanuel Barkholz und Benjamin Schwidder vereint nicht nur die Leidenschaft fürs Rennradfahren.

Radeln für Corona Opfer. Die ersten fünf sind im Ziel – sie sind die Strecke Flensburg – Friedrichshafen an drei Tagen gefahren. Foto: Brigitte GeiselhartRadeln für Corona Opfer. Die ersten fünf sind im Ziel – sie sind die Strecke Flensburg – Friedrichshafen an drei Tagen gefahren. Foto: Brigitte Geiselhart

Vor allem ist es ihre christliche Gesinnung und ihre Überzeugung, sich gerade auch in Krisenzeiten für Menschen starkzumachen, denen es an Lebensnotwendigem fehlt. Ob es nun um indische Wanderarbeiter geht, die mit Beginn der Pandemie ihre Arbeitsplätze verloren haben, um die Versorgung von sudanesischen Flüchtlingen mit Lebensmittelpaketen oder um die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung auf den Philippinen – das ersammelte Geld des Corona Ride soll denjenigen zugutekommen, die sonst nur bedingt Hilfe zu erwarten haben.

„Menschen in ärmeren Ländern sind von den aktuellen Beschränkungen viel mehr betroffen als wir. Diese weltweite Ungleichheit macht mich traurig“, sagt Jonathan Schuldt, Mitarbeiter von Kontaktmission e. V. und Face-Project. „Um den Notleidenden direkte Hilfe zukommen zu lassen und ihnen eine Botschaft der Liebe und Hoffnung zu schicken, nehme ich gerne die Strapazen der Spendenradtour auf mich“, betont der 27-Jährige. „Runter vom Sofa und was Gutes tun. Und was ist schon ein bisschen leiden, wenn andere damit weniger leiden müssen.“ Mit diesem Satz brachte Simon Geißendörfer in einem Interview kurz vor Beginn des großen Abenteuers seine Einstellung auf den Punkt. Der 22-Jährige stammt aus einem Dorf in Mittelfranken, studiert aber derzeit in Berlin und ist gerne dabei.

Beim Blick auf den strengen Zeitplan des Corona Ride darf man schon ein wenig Gänsehaut bekommen. Wer noch eine Mütze Schlaf abbekommen wollte, musste am Donnerstagabend sehr früh zu Bett, bevor es am kommenden Morgen um drei Uhr in Flensburg an den Start ging. Rund 384 Kilometer lang war die erste Tagesetappe nach Detmold, die nur von kurzen Ruheund Essenspausen unterbrochen war. Nicht wesentlich weniger Kilometer waren am zweiten Tag zu bewältigen, an dem das deutschlandweite Wettertief Octavius heftig Regie führte und den eng getakteten Zeitplan kräftig durcheinanderwirbelte. „Am Sonntagmorgen ging es etwas später los als sonst, da einige erst heute Nacht um zwei Uhr ankamen, nachdem sie die letzte Strecke im Sturm geradelt sind. Manchmal muss man sich eben in letzter Sekunde neuen, ungeplanten Ereignissen anpassen“, so der dazu passende Online-Kommentar, den die zuhause gebliebenen Fans neben allen weiteren Tour-Informationen auf einer Internetseite mitverfolgen konnten. So zum Beispiel den aktuellen Spendenstand, der zu diesem Zeitpunkt die 80 000-Euro-Marke längst überschritten hatte.

Radeln für Corona Opfer. Die ersten fünf Männer am Ziel. Foto: Brigitte GeiselhartRadeln für Corona Opfer. Die ersten fünf Männer am Ziel. Foto: Brigitte Geiselhart

Dass letztlich alle Beteiligten heil und ohne größere Blessuren pünktlich am Zielort in Fischbach ankamen, war natürlich auch dem im Auto vorausfahrenden Team von Betreuern und Physiotherapeuten zu verdanken, das alle vorbereitenden Aufgaben wie Pausen und Übernachtungen übernahm, für reichlich Spaghetti und Nachschub an Energieriegeln sorgte, die geschundenen Muskeln in Schuss hielt und mit Motivationsarbeit nicht sparte.

Nach so viel körperlichem Leiden hieß es dann erstmal den Augenblick genießen, allen Stress abfallen lassen, seinem Schöpfer danken und mit berechtigtem Stolz auf das Geleistete zurück blicken. Wunschlos glücklich? Nicht ganz. „Jetzt freuen wir uns alle erstmal auf eine riesige Portion Chili con Carne“, so die einhellige Meinung an diesem denkwürdigen Sonntagabend. □

◼ Die Radtour im Internet: www.coronaride.org

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