Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Traum vom ewigen Leben - Unsterblichkeit und Schönheit

Memento mori – Bedenke, dass du sterblich bist – ist ein häufig verwendeter Sinnspruch. Doch die Tatsache, dass das Leben endlich ist, verdrängen viele Menschen. Die Werbe- und Gesundheitsindustrie verbreitet die Illusion von Unsterblichkeit. Doch es gibt auch immer mehr Geistliche und Mediziner, die einen offenen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben fordern.

Vergaenglichkeit des Lebens. Foto: Gerd Altmann, pixabayVergänglichkeit des Lebens. Foto: Gerd Altmann, pixabay

Wer beim Zappen durch das Fernsehprogramm nicht gleich weiterschaltet, sondern sich bewusst von Werbespots berieseln lässt, landet flugs in einer Angstspirale. Denn der Verlust von Fitness, Leistungsstärke und Schönheit, so wird es gebetsmühlenartig verkündet, droht ständig – und muss mit aller Vehemenz bekämpft werden.

So zeigt ein Werbeclip Männer unterschiedlichen Alters, die mit selbstbewusstem Blick in die Kamera die Wahl ihres Pflegeprodukts begründen. Sie alle treffen dieselbe Aussage: „Weil ich meine Haare behalten möchte“. Haarausfall – eine wirksame Drohkulisse, die scheinbar jedem Vertreter des männlichen Geschlechts Angst einflößt.

Wenige Minuten später erklärt eine perfekt aussehende Frau, dass sie ihre Falten durch die Inhaltsstoffe einer Anti-Aging-Creme „im Schlaf“ bekämpft. Und der TV-Zuschauer erfährt, wie man mit Hilfe eines Arzneisirups Erkältungen „über Nacht“ in den Griff bekommt, so dass man am nächsten Tag wieder zu 100 Prozent leistungsfähig ist.

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Die Botschaft: Es gibt Mittel und Wege, die dabei helfen, Schwächen des menschlichen Körpers zu eliminieren und seinen Zerfall aufzuhalten – vorausgesetzt, man sorgt rechtzeitig vor und investiert entsprechend Zeit und vor allem Geld. Was dabei, ob bewusst oder unbewusst, als allseits erstrebenswertes Ziel propagiert wird, ist die Unsterblichkeit. Dass die Funktionalität des Organismus und das Leben eines jeden Menschen begrenzt sind, wird hingegen in der Öffentlichkeit nur zu gerne verdrängt.

Unsterblichkeit ? - Die Grenzen der Natur verschieben

Zwar gibt es inzwischen im Fernsehen durchaus Sendungen, die sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzen. Doch als selbstverständliches Konversationsthema eignet sich die Endlichkeit des Lebens kaum – im Gegensatz zur Geburt. Der Tod lässt sich schlecht vermarkten, denn er ist nicht greifbar und macht daher vielen Menschen Angst. Aus diesem Grund wird versucht, mit aller Macht die Grenzen der Natur zu verschieben. So steigt die Zahl der Menschen, die sich für mehr Jugend und Schönheit unters Messer legen. Weltweit werden inzwischen jährlich rund 23,3 Millionen Schönheitsoperationen durchgeführt.

Medikamente. Gesundheit. Arzt. Foto: kendal/unsplashDem Traum vom ewigen Leben wird ständig neue Nahrung gegeben. Sei es durch Menschen, die sich nach ihrem Ableben einfrieren lassen wollen, in der Hoffnung, irgendwann mit Hilfe neuer wissenschaftlicher Methoden wieder zum Leben erweckt zu werden. Oder durch die Pharmaindustrie, die sich für einen so genannten gläsernen Patienten einsetzt, um jedem Einzelnen eine scheinbar maßgeschneiderte, individuelle Medizin anbieten zu können – so dass der Mensch möglichst lange jung und gesund bleiben möge. Ewige Gesundheit scheint nur eine Frage des richtigen Medikaments, der regelmäßigen Vorsorge oder der zuverlässig wahrgenommenen Impfung oder Operation. Für jede Krankheit gibt es eine Heilung. Und wo das Ziel nur noch ewig dauernde Gesundheit sein kann, hat der Gedanke an das Sterben keinen Platz.

Im Zuge dessen wird der Tod in der Gesellschaft weitgehend an den Rand gedrängt. Viele Menschen verbringen ihr Lebensende nicht mehr, so wie früher, zu Hause im Kreise ihrer Familie. Stattdessen hat sich das Sterben in Krankenhäuser oder Pflegeheime verlagert, abgeschottet von der Gesellschaft.

Gerade beim Gang über die Friedhöfe zeigt sich der diskrete Umgang mit dem Tod. Die Grabsteine sind meist nüchtern und unpersönlich gestaltet; lange Zeit waren Fotos tabu. Zumindest das scheint sich langsam zu ändern.

Auch Pater Anselm Grün hat festgestellt, dass die meisten Menschen das Thema Tod und Sterben aus ihrem Leben verdrängen. „Viele stopfen ihr Dasein voll mit Dingen, um nicht über das Sterben nachdenken zu müssen“, sagt der Benediktinermönch aus Münsterschwarzach. „Der Mensch hat Angst vor dem Tod, weil er sieht, dass das Leben begrenzt ist. Der Tod nimmt einem die Kontrolle aus der Hand.“

Unsterblichkeit - Gibt es für jede Krankheit eine Heilung?

Im Mönchtum hingegen, sagt Grün, „hält man sich täglich den Tod vor Augen“. Sich auch organisatorisch mit einigen Fragen auseinanderzusetzen, könne dabei helfen, die eigene Endlichkeit zu akzeptieren. Zum Beispiel zu überlegen, was man hinterlassen kann. Das muss nichts Materielles wie ein Erbe sein. „Ich kann auch in meinem Testament festhalten, was ich anderen Menschen an persönlichen Erfahrungen mitgeben möchte für ihr Leben.“

Um sich dem Gedanken an den eigenen Tod anzunähern, hält es Anselm Grün für wichtig, rechtzeitig loszulassen und sich nicht an den eigenen Besitz zu klammern. Man solle sich am Lebensende lieber Stück für Stück vom Materiellen trennen, anstatt immer mehr unnütze Dinge in der Wohnung anzuhäufen. Anselm Grün empfiehlt außerdem, hinzunehmen, dass der Tod nicht in der eigenen Hand liegt. „Wir können aber um einen guten Tod beten und darauf vertrauen, dass unser Leben behütet endet.“

Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität MünchenFoto: Christian Kaufmann/PressebildClaudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München, setzt sich ebenfalls für einen offenen Umgang mit Fragen rund um das Thema Tod ein. Zusammen mit Rainer Simader, Leiter des Ressorts Bildung beim Hospiz Österreich, hat sie ein Buch veröffentlicht mit „99 Fragen an den Tod“.

Die Autoren gehen darin Themen nach, die viele Menschen beschäftigen, über die meist jedoch kaum gesprochen wird: Tut Sterben weh? Wie gehe ich mit der Nachricht um, dass ich sterben werde? Was nehmen Menschen in der Sterbephase noch wahr? Woran erkennt man, dass der Tod eingetreten ist? Dazu geben sie klare Antworten und praktische Impulse.

Alleine dem Thema, was man als Angehöriger oder Freund für den Sterbenden in der Sterbephase tun kann, widmen sich Bausewein und Simader in einem ausführlichen Kapitel – und liefern praktische Handlungsanleitungen. So empfehlen sie etwa, bei Menschen, die sehr viel schlafen oder komatös sind, mit einer immer gleichen „Initialberührung“ Kontakt aufzunehmen. Oder sie nennen in ihrem Buch Duftaromen, die bei der Begleitung hilfreich sein können.

Bausewein hat die Erfahrung gemacht, dass gerade bei der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen eine „große Sprachlosigkeit und Unwissenheit“ bei den Angehörigen herrscht. „Es gibt dabei viele Fragen, die sich offensichtlich aufdrängen – die aber keiner sich zu stellen traut.“ So etwa, wenn es um das Thema Sexualität am Lebensende gehe, um die oft unverständliche Ausdrucksweise von Sterbenden oder um die Frage, wie sich der Körper mit dem Tod verändert.

Die Internistin ist davon überzeugt: „In einer Situation, die große Ängste auslöst und die außerhalb des bisherigen Erfahrungsbereiches liegt, geben Informationen Sicherheit.“ Das sei wichtig in einer Gesellschaft, in der der Tod weitgehend aus dem Alltag verdrängt werde. „Da fehlt es an Erfahrungswissen zu dem Thema, vieles müssen wir erst wieder neu erlernen.“ Doch Leid sei Teil des Lebens. „Wir können nicht immer gesund und glücklich sein.“

Mohnblume. Foto: Pezibear, pixabayMohnblume. Foto: Pezibear, pixabay

Früher sei der Tod den Menschen mehr im Bewusstsein gewesen. Claudia Bausewein verweist auf ein historisches Zeitdokument: den letzten Brief, den Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1787 an seinen erkrankten Vater Leopold schrieb.

Darin formuliert er nicht nur die Sorge um ihn, sondern gesteht auch, „da der Tod (…) der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes!“

Das ist auch die Devise der beiden Buchautoren: Sie möchten dem Menschen Mut machen, miteinander über Tod und Sterben zu reden, bevor es zu spät ist.

Und wie lässt sich die Furcht vor der Endlichkeit des Lebens in den Griff bekommen? „Wir müssen versuchen, das eigene Leben im Hier und Jetzt zu leben, es als Geschenk sehen – und nicht alle Entscheidungen in die Zukunft verschieben.“ Auch Kleinigkeiten im Moment nicht als selbstverständlich ansehen: Das sei ein wichtiger Schritt, um sich der Begrenztheit des eigenen Lebens zu stellen.

Buch-Tipp

Claudia Bausewein und Rainer Simader:
99 Fragen an den Tod: Leitfaden für ein gutes Lebensende
.
Kroemer Knaur 2020
240 Seiten, gebunden
20 Euro

Franciska Bohl und Andreas Steidel:
Alles hat keine Zeit? Wie wir unser Leben sinnvoll nutzen.

Verlag und Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft GmbH,
112 Seiten
14,95 Euro

Diese Bücher erhalten Sie bei unserem Bestelltelefon 0711-60100-28 oder bei unserer Internetbuchhandlung unter www.buchhandlung-eva.de

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