Christliche Themen für jede Altersgruppe

Deutschland, ihre neue Heimat

Die meisten Flüchtlinge sind männlich. Bei einer Tagung für geflüchtete Männer in der Evangelischen Akademie Bad Boll kamen 40 von ihnen zusammen, um sich über das Leben in Deutschland auszutauschen. Das klappte nicht schlecht, vor allem, weil die meisten gut Deutsch sprechen.

Das Wochenende für geflüchtete Männer war für viele ein Erlebnis. (Foto: Andreas Steidel)

Viele der Migranten, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sind nun schon ein paar Jahre hier. Der große Menschenstrom ist Vergangenheit und die große Aufregung auch. Ein wenig Normalität ist eingekehrt, in die Gesellschaft und in das Leben der ­Geflüchteten.

 

 

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Dazu gehört, dass die meisten längst nicht mehr dem Bild entsprechen, das man anfangs von ihnen hatte. Aus Neuankömmlingen ohne jede Orientierung und Sprachkenntnisse sind Menschen geworden, die in diesem Land ein Stück weit heimisch geworden sind. Und die seine Sprache ganz gut sprechen: „K.P.“ sei die Abkürzung seines vollständigen Namens, sagt Khahit aus Somalia – und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Das heißt: Kein Plan.“ Er liebt dieses Wortspiel, das genausogut von einem seiner deutschen Altersgenossen stammen könnte.

Sie lieben sowieso vieles, was auch junge Menschen aus Deutschland lieben könnten, das wird bei dem Wochenende für geflüchtete Männer in Bad Boll deutlich: Trickfilme mit der Handy-Kamera machen, Bogenschießen, Bilder malen, die Technik des Thai-Boxens lernen. Alle haben sie großen Spaß daran, sind mit Feuereifer bei der Sache, wollen ganz genau wissen, wie es funktioniert.

Knapp 40 junge Männer sind zusammengekommen, es ist das zweite Flüchtlingsmännerwochende. Eine ähnliche Veranstaltung für Frauen gibt es schon seit über 25 Jahren. Für geflüchtete Männer fand sie erstmals 2018 statt. Sie entspringt einer Kooperation des Diakonischen Werks Württemberg und der Evangelischen Akademie Bad Boll unter Einbindung von Praktikern der Geflüchteten-Arbeit wie Dietmar Oppermann vom Flüchtlingsdiakonat der Prälatur Ulm oder Eberhard Schütz von der Gesamtkirchen­gemeinde Reutlingen.

Es ist eine bunte Mischung von Menschen, die sich hier versammelt haben: Afghaner, Syrer, Afrikaner, Iraker, Christen, Moslems, Orthodoxe und Jesiden. Die einen wohnen in Stuttgart, die anderen in Ulm, wieder andere in Reutlingen. Manche sind nur geduldet, andere als Asylbewerber bereits vollständig anerkannt.

Sie alle eint, dass sie eine Perspektive suchen, eine Perspektive in Deutschland. Deshalb geht es auch um Arbeitsplätze, Rechte und Pflichten, die demokratischen Spielregeln und Gepflogenheiten des Landes, in dem sie leben. Industriepfarrer Albrecht Knoch erzählt aus der Arbeitswelt, Angelika Wenning von den Pflegeberufen bei der Samariter-Stiftung, Anja Lange davon, was Gewerkschaften machen.

Der deutsche Arbeitsmarkt braucht Menschen und wenn es gut läuft, werden die 40 Männer des Wochenendes in Bad Boll bald dauerhaft Fuß fassen können. „Zusammenleben in Deutschland“ lautet deshalb auch der Titel der Tagung, für viele ist sie eine der seltenen Gelegenheiten, andere kennenzulernen, die nicht aus dem unmittelbaren Umfeld stammen.

Der Gebärdendolmetscher Alexander Kramer sorgt dafür, dass auch drei Gehörlose der Veranstaltung folgen können. Auf Deutsch natürlich, das war von Anfang an die Voraussetzung für die Teilnahme. Organisator Horst Knöpfel vom Diakonischen Werk zieht eine positive Bilanz. „Die haben etwas mitgenommen“, sagt er. Und außerdem ein schönes Wochenende erlebt in einem Land, dem sie sich mehr und mehr verbunden fühlen.