Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Antwort heißt Vertrauen - Gott antwortet mit Trost

Die Bibel erzählt von der Beziehung Gottes mit den Menschen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb darin so häufig von Angst und Furcht die Rede ist. Zum Trost.

Wer von der Angst zum Vertrauen kommt, für den ändert sich auch die Perspektive. Foto: pixelio/Andreas HermsdorfWer von der Angst zum Vertrauen kommt, für den ändert sich auch die Perspektive. Foto: pixelio/Andreas Hermsdorf

Das Thema Angst kommt in der Bibel sehr häufig vor. Fast könnte man von einem Grundthema sprechen. Machen Sie mal einen Selbsttest und überlegen Sie, welche biblischen Geschichten Ihnen zum Thema Angst einfallen.

Lange nachdenken muss man nicht: In Gethsemane hatte Jesus Angst vor dem Tod. Die Jünger schlotterten vor Angst, als sie Jesus auf den Wellen des Sees Genezareth laufen sahen. Das erste, was die Engel den Hirten auf dem Feld sagen, ist: „Fürchtet euch nicht.“ Im berühmtesten Psalm der Bibel, Psalm 23, ist von Angst die Rede: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück.“

Weshalb ist Angst ein biblisches Grundthema? Das hängt mit dem einzigartigen Charakter der Bibel zusammen: Es ist ein Beziehungsbuch. Die Bibel erzählt die Geschichte Gottes mit seinen Menschen. Und weil Angst ein menschliches Grundgefühl ist, wird es so oft in der Bibel verhandelt.

Gemeinhin erwartet man in Zeiten der Angst von der Bibel Worte des Trostes. Sie wird dieser Erwartung durchaus gerecht. Auch wenn die Bibel das Thema Angst sehr vielfältig behandelt. So kann man die Bibel seelsorgerlich lesen. Neben der oben erwähnten Stelle aus Psalm 23 gibt es viele weitere biblische Trostworte. Zum Beispiel Johannes 16,33: „In der Welt habt ihr Angst. Doch seht! Ich habe die Welt überwunden.“ Oder die wunderbare Zusage aus Offenbarung 21,4: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Angst ist gut bei Gott aufgehoben

Die Bibel jedoch ausschließlich als Trost- und Ermutigungsbuch verstehen zu wollen, greift allerdings zu kurz. Die Art und Weise, wie Angst in der Bibel verhandelt wird, hat durchaus Aspekte, die über den seelsorgerlichtröstlichen hinaus gehen.

Gewiss, wenn man zur Zeit in die Welt schaut, wird das Bedürfnis nach Trost und Ermutigung groß. Es scheint kaum Anlass zur Hoffnung zu geben, insbesondere weil Politik und Medien in einem fort die öffentlichen Befürchtungen und Ängste bedienen. Es ist nachvollziehbar, dass viele darauf mit innerem und äußerem Rückzug reagieren.

Regression, also die Strategie, vor Angst zurückzuweichen, ist ein christliches Verhaltensmuster, das schon lange vor Covid-19 eingeübt wurde. Weil die Welt von sich aus ein Ort ist, der Böses birgt, hält man sich fern von ihr. Biblisch ist dieser Grund allerdings nicht begründbar. In Johannes 17,15 heißt es: „Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.“

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Diese Worte Jesu sind in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zunächst, weil Jesus seine Jüngerinnen und Jünger nicht von der Welt abtrennt. Das Reich Gottes dient nicht als Versteck vor der Welt. Im Gegenteil! Die Welt ist der Ort der Gemeinde, weil die Welt durch die Gemeinde transformiert wird. Sich ihr zu entziehen, bedeutet, sich dieser Veränderung zu versagen.

Zum zweiten handelt es sich bei diesen Worten um ein Gebet. Jesus appelliert nicht an die Gemeinde, sondern er wendet sich an Gott. Für die Gemeinde ist das eine enorme Befreiung. Würde Jesus das Böse und die Angst vor dem Bösen zu unserer Sache machen, hätte er dies als Erwartung und Appell formuliert: Nehmt euch zusammen! Ihr müsst durchhalten! Wir wären auf uns geworfen. Das vergrößert die Angst nur und führt zu Überforderung. Die Adresse Jesu ist jedoch Gott. Unsere Aufgabe ist es, uns in dieses Gebet hineinzugeben und uns so der Angst zu stellen.

Bedeutet dies, dass wir die Hände in den Schoß legen und alles über uns ergehen lassen müssen? Nein! Das Gegenwort zur Angst ist nicht Teilnahmslosigkeit, sondern Vertrauen. Den stärksten sprachlichen Ausdruck findet dieses Gott-Vertrauen in Psalm 23,4: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir.“

Hirte. Schaf. Foto: Mehmet Turgut Kirkgoz, pixabayFoto: Mehmet Turgut Kirkgoz, pixabay

Nun hat das Vertrauen, von dem der Psalm spricht, einen besonderen Charakter, der sich nicht einfach mit Mut oder Zuversicht wiedergeben lässt. Vertrauen ist ein Perspektivwort. Man muss etwas haben, auf das man vertrauen kann. Deshalb hat der Psalmdichter den Satz „Denn du bist bei mir“ nachgesetzt. Ohne diese Begründung würde der Vers wie ein frommer Wunsch wirken.

Durch die Begründung bekommt er eine Richtung. Die Richtung weist auf Gott. Gott ist mein Ort, selbst wenn finstere Täler jeglicher Heimat und Heimkehr widersprechen. Und so schließt auch der Psalm. Statt Angst setzt er ein Ziel: Und ich werde bleiben im Hause des Herrn für immer. Der dritte Aspekt ist womöglich der brisanteste: Der Evangelist Markus erzählt von einem Streit zwischen den Schülern Jesu. Jakobus und Johannes baten Jesus, dass sie neben ihm den Vorsitz im Reich Gottes einnehmen wollen (Markus 10,35). Reich Gottes verstanden sie durchaus konkret, also als eine Herrschaft mit Hierarchie, Machtvollkommenheit und Befehlsgewalt. Jesus war der König Israels, sie aber wollten im Machtgefüge gleich nach ihm kommen. Natürlich ärgerten sich die anderen Jünger über diese Anmaßung.

Jesus antwortete darauf folgendermaßen: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein“ (Markus 10,42).

Angst - Grundthema für die Menschen

Die zweite Hälfte dieser Antwort ist die bekanntere und hat den ersten Teil etwas in den Hintergrund gedrängt. Dabei ist Jesu nüchterne Feststellung, wie Herrschaft funktioniert, ziemlich explosiv. Herrschaft zwischen Menschen funktioniert durch Androhung von Gewalt. Furcht ist ein legitimes Mittel, andere niederzuhalten. Es ist praktisch unmöglich, sich umzusehen und Jesu Analyse nicht bestätigt zu finden.

Angst ist ein wirksames Machtmittel. So soll es aber nicht bei seinen Nachfolgern sein, stellt Jesus schlicht fest. Die Herausforderung, die sich hinter dieser Anweisung verbirgt, ist nicht, grundsätzlich Macht abzulehnen, sondern sich der Versuchung zu versagen, Angst und Gewalt als geistliches, gesellschaftliches und politisches Mittel gutzuheißen.

Die Bibel beschäftigt sich so intensiv mit Angst, weil Angst ein menschliches Grundthema ist. Jesus entlarvt Angst als Mittel zum Zweck, das aber in der Gemeinde keine Rolle spielen darf. Er weist auf Gott als die richtige Adresse, wenn Angst droht und befreit uns von der Not, uns selbst aus der Angst zu befreien. Unsere Antwort lautet vielmehr, zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass trotz dunkler Täler, die nun einmal zum Leben gehören, dennoch am Ende Gott steht.