Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Bayern übertreffen - Kirchenwahl

Am ersten Advent wählen die Gemeindeglieder ihren Kirchengemeinderat und die Landessynode. Der landeskirchliche Wahlleiter Christian Schuler hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will mehr Leute an die Wahlurnen locken als je zuvor und auch mehr als in Bayern. 

Wahlleiter der Syndodalwahl, Christian Schuler

Christian Schuler gab am Wahl­abend der letzten Wahl die offiziellen Ergebnisse der Synodalwahl bekannt. (Foto: factum)

Die Wahlbeteiligung nicht nur halten, sondern sie übertreffen, das ist das Ziel des landeskirchlichen Wahlleiters Christian Schuler. Bei der letzten Kirchenwahl im Jahr 2013 lag die Beteiligung bei 24,3 Prozent, bei den beiden Wahlen davor war sie ähnlich hoch. Das ist seiner Meinung nach auch gar nicht schlecht. „Stellen Sie sich einfach einmal vor, es würde ein Viertel der Kirchenglieder jeden Sonntag im Gottesdienst sitzen“, sagt Schuler und lacht bei dieser Vision. Das wäre doch eine Sache. Von 2000 Gemeindemitgliedern wären dann 500 im Gottesdienst. Insofern will Schuler sich nicht beklagen über die Wahlbeteiligung bei den vergangenen Kirchenwahlen.

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Doch sein Ehrgeiz ist angestachelt durch die Bayern. „Seit 2000 war Württemberg im Vergleich mit anderen evangelischen Kirchen immer auf Platz drei“, sagt Schuler. Im vergangenen Jahr sei Württemberg allerdings abgerutscht auf Platz vier. Hinter Bayern. Ausgerechnet Bayern. Viele Jahre lang hatten im Freistaat immer um die 20 Prozent der Wahlberechtigten bei einer Kirchenwahl ihre Stimme abgegeben. 2018 waren es 26,7 Prozent. Fast sieben Prozent mehr als sonst. „Das heißt für mich und für Württemberg: 30 Prozent plus x bei der nächsten Wahl“, sagt Schuler und lächelt verschmitzt. Was aber haben die Bayern anders gemacht als die Württemberger?

Kirchenwahl per Briefwahl

Zum einen hätten die Bayern bei ihrer letzten Wahl generell an alle Wahlberechtigten die Briefwahlunterlagen verschickt. Darauf setzt Schuler auch in Württemberg. In diesem Jahr wird es das erste Mal so sein, dass automatisch Briefwahlunterlagen an alle verschickt werden. Es sei denn, eine Kirchengemeinde möchte das nicht, dann muss sie sich aber melden und die Unterlagen abbestellen. 2013 war es noch umgedreht: Kirchengemeinden mussten aktiv entscheiden, dass die Briefwahlunterlagen mit der Wahlbenachrichtigung verschickt werden sollen – und die Unterlagen bei der Landeskirche bestellen. Über 80 Prozent der Gemeinden hätten das gemacht, sagt Schuler. Da lag es nahe, das Verfahren zu ändern. Der Vorteil liegt für Christian Schuler auf der Hand. Weniger Verwaltungsaufwand, weniger Bestellvorgänge und damit weniger Kosten. Außerdem bessere Preise. Denn je höher die Auflage von gedruckten Unterlagen, desto billiger wird es, sie herzustellen. Auch die Post biete bessere Konditionen für ein Mehr an Umschlägen mit dem Vermerk „Porto zahlt Empfänger“. Außerdem sei es auch für Wählerinnen und Wähler einfacher, wenn sie die Unterlagen schon zu Hause haben und nicht erst Briefwahl beantragen müssen. Viel zu umständlich sei das gewesen. Zudem werde der Aufwand für die Gemeinden viel kleiner, und man könne so gegebenenfalls sogar Wahllokale einsparen. Für die man ja auch Ehrenamtliche brauche, um sie zu besetzen.

Kirchenwahl mit viel mehr Kandidaten

Das zweite, was die Bayern anders gemacht haben: In der dortigen Landeskirche gibt es ein Gesetz, nach dem in jeder Gemeinde die doppelte Anzahl an Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen muss, als es Plätze gibt im Kirchenvorstand, wie der Kirchengemeinderat im Nachbarbundesland heißt. Mehr Kandidaten bedeuten schon deshalb eine höhere Wahlbeteiligung, weil jeder Kandidat, jede Kandidatin einen eigenen Unterstützerkreis mitbringt, erklärt Christian Schuler.

Württemberger Kirchenwahl nach bayerischem Vorbild?

Ein Modell also auch für Württemberg? Eher nicht, meint Schuler. Zwar würden häufig leider nur so viele Kandidaten aufgestellt, wie es Plätze gibt im Kirchengemeinderat (KGR). Da könnte man auf die Idee kommen, dass die Wahlbeteiligung deshalb sinkt, weil ja eh alle Kandidaten ins Gremium kommen. Aber das stimmt so nicht: Eine Studie nach der letzten Kirchenwahl im Jahr 2013 habe ergeben, dass die Wahlbeteiligung nicht sinkt, nur weil genauso viele Kandidaten zur Wahl stehen wie es auch Plätze gibt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass man einem Bewerber auch zwei Stimmen geben kann.

Und wenn es mal weniger Kandidaten sind als Sitze im Gremium? Dann hätten die Gemeinden mehrere Möglichkeiten: Vor der Wahl können die Dekanatämter auf Antrag der Gemeinden den KGR verkleinern. „Solange davon Gebrauch gemacht wird, müssen und können wir den Gemeinden nicht vorschreiben, dass die doppelte Anzahl an Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen muss“, ist Schuler überzeugt. Eine andere Variante gibt es auch noch: Dann setzt der Oberkirchenrat in Abstimmung mit dem Dekanatamt eine Ortskirchliche Verwaltung ein, die die Geschäfte des Kirchengemeinderats vorübergehend übernimmt. Innerhalb von zwei Jahren muss dann eine örtliche Kirchenwahl auf die Beine gestellt werden. Doch diese Fälle seien selten. 2007 gab es eine Gemeinde, 2013 drei, die zu wenige Kirchengmeinderäte hatten.

Warum es überhaupt so schwer ist, genügend Kandidaten zu finden? Christian Schuler kann das nur vermuten. Da gebe es zum einen die Haltung, „dass die Leute auch Kirchengemeinderat werden wollen, wenn sie sich schon für eine Kandidatur entschieden haben“. Derjenige zu sein, der als Einziger nicht gewählt wird, ist nicht attraktiv. Dazu kommt, dass diejenigen, die bei der Kirchengemeinderatswahl nicht ins Gremium gewählt wurden, nicht automatisch nachrücken, wenn ein Mitglied ausscheidet. Stattdessen wählt der Kirchengemeinderat ein neues Mitglied nach, wenn einer ausscheidet.

Wahlberater zur Kirchenwahl

Zu Christian Schulers Aufgaben gehört es, die Kirchengemeinden vor der Wahl zu beraten. Er telefoniert viel und kommt auch viel herum in der Landeskirche. Dass die Kandidatensuche nicht ganz so leicht ist, hört er häufig. Die kritische Gemeindegröße liege bei 1000 Mitgliedern. Wenn die Gemeinde kleiner ist, kenne man sich gut, da kämen immer genügend Kandidaten zusammen. Ab 2000 Mitgliedern ebenfalls, weil es einfach mehr Menschen sind. Bei 1000 Mitgliedern kennt nicht mehr jeder jeden, das erschwere das Finden von Bewerbern.

Andererseits macht Christian Schuler auch die Erfahrung, dass viele vom Pfarrer oder dem KGR-Vorsitzenden gefragt werden wollen, ob sie kandidieren. Wo das gemacht werde, gebe es auch mehr Kandidaten. „Wir leben zwar in einer Gesellschaft, in der sich die Menschen viel mehr in Projekten engagieren“; gibt Schuler zu. Das Amt des Kirchengemeinderats ist auf sechs Jahre angelegt, das sei vergleichsweise lang. „Aber viele, die einmal hineingeschnuppert haben in die Arbeit, bleiben auch dabei“, ist Schulers Erfahrung. Außerdem könne man auch nach ein, zwei oder drei Jahren die Entlassung aus dem Amt beantragen. Das könne beispielsweise für junge Leute interessant sein: Gewählt werden kann man erst ab 18, also genau dem Alter, in dem junge Menschen viele Umbrüche zu meistern haben, noch nicht so recht wissen, wo sie leben werden. Die ermutigt Schuler, trotzdem zu kandidieren, mit der Option, früher auszusteigen. „Die Erfahrung der jungen Leute ist wichtig.“ Christian Schuler beginnt zu schwärmen. Davon, wie viel die Kirchengemeinderäte und Kirchengemeinderätinnen in ihrer Gemeinde bewegen können. „Sie sind nicht diejenigen, die in der Gemeinde alles machen müssen – aber sie entscheiden, wofür es Geld oder Räume gibt, was umgesetzt werden kann und was nicht.“ Man übernehme kontinuierlich Verantwortung für die Kirchengemeinde, das seien doch attraktive, nachhaltige Aufgaben, wirbt Schuler.

Kandidatenwerbung zur Kirchenwahl

Die Landeskirche hatte eigens eine Aktion zur Kandidatenwerbung angestoßen. „Platztest“ hieß sie. Kirchengemeinden sollten mögliche Kandidaten einladen, um ihnen die Arbeit im Kirchengemeinderat schmackhaft zu machen. Beim Grillen (siehe Bericht Seite 8) oder bei einer „Probe­sitzung“. In vielen Gemeinden wurde diese Idee aufgenommen, aber die wenigsten haben ihre Veranstaltungen beim Oberkirchenrat auch gemeldet. Auf der Liste dort stehen tatsächlich nur 15 Gemeinden. Dabei müssen es weit mehr gewesen sein, wenn man den Gemeindebriefen glaubt, die das Gemeindeblatt zugeschickt bekommt.

Kandidaten zu finden, ist das eine. Aber die Wahlbeteiligung, die treibt Christian Schuler noch viel mehr an. Er setzt auf klassische Öffentlichkeitsarbeit, um auf das Thema Kirchenwahl aufmerksam zu machen. Aber auch auf Videos und soziale Medien im Internet. So gibt es beispielsweise einen Song mit dem Titel „Meisterwerk“ von der Band Lux Kollektiv. Selbstverständlich mit Video, in Auftrag gegeben vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg. Das ins Boot zu holen, ist für Christian Schuler wichtig, denn er will junge Leute motivieren, wählen zu gehen. Seit der letzten Kirchenwahl 2013 können schon 14-Jährige wählen gehen. „Ich war anfangs sehr skeptisch“, gibt Christian Schuler zu. Aber: „Ich wurde eines Besseren belehrt. Viele Jugendliche haben bei der letzten Kirchenwahl abgestimmt.“ Das habe auch damit zu tun, dass sie kurz nach der Konfirmation einen Bezug zur Kirche haben. Mit ihrer Abstimmung hätten sie gezeigt, dass sie sich für die Kirche interessieren.

Schwieriger zu motivieren seien die 18- bis 35-Jährigen. „Sie gehen von der Schule ab, machen eine Ausbildung oder beginnen ein Studium in einer anderen Stadt, haben anderes im Kopf als die Kirche und ihre Gremien.“ Erst wenn es ums Heiraten geht oder darum, die Kinder zu taufen, komme Kirche wieder ins Spiel. Das ist nichts Neues, hat Schuler festgestellt. Schon in den 1970er-Jahren sei es so gewesen, dass die Gruppe der 18- bis 35-Jährigen kaum zur Wahl schreitet. „Da kann man dann entscheiden, sich auf die Jüngeren und auf die Älteren zu konzentrieren in der Werbung für die Wahl“, sagt Schuler. Doch so leicht lässt er sich nicht entmutigen. Schließlich seien auch die 18- bis 35-Jährigen im Internet und den sozialen Medien unterwegs. Und vielleicht helfen die ja dabei, diese Altersgruppe an die Wahlurnen zu schicken oder per Briefwahl abzustimmen.

 

Mehr Informationen unter:       

www.kirchenwahl.de

 

 

 

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