Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Gallier haben viel vor - Angebote für Pilger im Haus Bittenhalde

TIERINGEN (Dekanat Balingen) – Das Haus Bittenhalde auf der Alb leidet wie alle Bildungshäuser unter der Pandemie. Leiterin Claudia Haasis hat dennoch große Pläne. Sie möchte rund um das Haus Angebote für Pilger und Wanderer etablieren.

Rezeption des Hauses Bittenhalde in Tieringen. Foto: Wolfgang AlbersRezeption des Hauses Bittenhalde in Tieringen. Foto: Wolfgang Albers

Wer Claudia Haasis folgen will, muss gut zu Fuß sein. Es hat schon fast was von einem Spurt, wie sie die Serpentinen an einem Albhang oberhalb von Tieringen hochzieht. Oben, auf einer Hochfläche, bleibt sie während eines Stopps an einem Schäferkarren genauso dynamisch, als sie ihre Pläne schildert. Zum Beispiel, Pilger an diesen meditativen Ort zu begleiten oder auf den Wegen ringsherum: „Wir sind hier umgeben von so toller Natur. Diese den Menschen nahezubringen ist auch mein Anliegen.“

Bildungshäuser Bittenhalde - Dynamisch den Berg hinauf

Claudia Haasis ist voller Tatendrang. Aber: Corona bremst auch sie momentan aus. Wenn sie den Hang wieder hinuntergeht zu ihrem Arbeitsplatz, sitzt sie allein in einem großen Gebäude: dem Haus Bittenhalde.

Der Bau auf einer Hangterrasse über dem Schlichem-Tal verschachtelt verschiedene Gebäudeteile miteinander und zeigt so seine Geschichte. 1945 hatte der Jugendwart für den Balinger Kirchenbezirk in seinem Tieringer Privathaus wieder mit der Jugendarbeit begonnen.

1957 bekam diese in der Bittenhalde eine erste eigene Heimat, das sogenannte Landhaus. Aber auch das kam an seine Kapazitäts-Grenzen – und so bauten es die Kirchenbezirke Balingen, Sulz und Tuttlingen zu einer Freizeit- und Tagungsstätte aus.

Die Landschaft rund um das Haus Bittenhalde lockt die Menschen aus den Ballungsräumen, sagt Claudia Haasis. Foto: Wolfgang AlbersDie Landschaft rund um das Haus Bittenhalde lockt die Menschen aus den Ballungsräumen, sagt Claudia Haasis. Foto: Wolfgang Albers

1972 war Eröffnung, und seitdem hat sich das immer wieder erweiterte Haus zu einem etablierten Ort mit 10 000 Übernachtungen im Jahr entwickelt. Das entspricht ungefähr 6000 Gästen, die aus unterschiedlichsten Motiven kommen: Jugendgruppen, Chöre, Schulklassen auf Probenfreizeiten, Hauskreise, Treffen der Kirchenbezirke, Seminare auch aus der Industrie, Auszeiten, Familienfeiern. Rund 250 Gruppen buchen jährlich.

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Claudia Haasis hat das Haus mit 13 Jahren kennengelernt: „Hier habe ich meinen Konfirmationsspruch rausgesucht.“ Und sicher nicht daran gedacht, hier zu arbeiten. Selbst Anfang 2018, als das Haus eine neue Leitung suchte, wartete auf Claudia Haasis schon ein Job in Paris. Berlin wäre für die Diplom-Verwaltungswissenschaftlerin auch eine Alternative gewesen.

Tieringen auf der Alb. Claudia Haasis am Schäferwagen. Foto: Wolfgang AlbersTieringen auf der Alb. Claudia Haasis am Schäferwagen. Foto: Wolfgang Albers

Vom Studium an hat sie in Frankreich gelebt und lange in Avignon an der Universität gearbeitet. Zu ihrer Karriere gehört auch eine EU-Mission in Mazedonien. Aber dann zog die Heimat sie wieder an. Die Kinder waren groß, der Mann verstorben, die Eltern alt. Als ihr Blick auf die Bittenhalde-Stellenausschreibung in der Lokalzeitung fiel, war ihr klar: „Das ist es.“ Und so wurde sie die erste Frau und die erste Nicht-Theologin in der Leitung des Hauses.

Und hat es in den zwei Jahren Normalbetrieb lieben gelernt: „Wir sind ein tolles Team und ein sehr familiäres Haus.“ Das auch in seiner Anmutung seinen Reiz habe: „Viele sehen uns inzwischen als ein Design-Museum der 70er-Jahre.“ Aber das Haus hat einen modernen Anbau erhalten, mit einem lichtdurchfluteten Tagungsraum samt Rundum-Panorama, oder die Alb-Lounge, einen ebenso hellen Treff samt Aussenterrasse. Es behaupte sich neben den größeren oder bekannteren Bildungshäusern der Landeskirche, sagt Claudia Haasis: „Wir sind schon ein bisschen die Gallier, aber es muss auch die Gallier geben, die weitab vom Schuss sind. Die Leute aus den Ballungsräumen genießen das.“

Bildungshaus Bittenhalde - Auf der Alb statt im großen Paris

Das alles hat Corona gestoppt. Und allein im Jahr 2020 ein Defizit von 400 000 Euro verursacht. Denn selbst in den Monaten der Öffnung ging vieles nicht. Im größten Tagungsraum, in dem normalerweise 100 Leute Platz finden, dürfen sich unter Corona-Regeln maximal 32 Personen aufhalten. Mehrbettzimmer? Praktisch nicht zu belegen. Musikerproben? Brauchen eine Deckenhöhe von 3,50 Meter, das Haus bietet aber nur drei Meter.

Claudia Haasis, Haus Bittenhalde auf der Alb Foto: Wolfgang AlbersVom Staat ist wenig zu erwarten, als Körperschaft des öffentlichen Rechtes fällt Bittenhalde durch die Raster: „Für uns gibt es nur den Ankerpunkt Kirche.“ Klar, dass einem da auch schon mal weniger optimistische Szenarien durch den Kopf gehen.

Aber Claudia Haasis hofft auf eine Zukunft, für die 20 Mitarbeitenden und für das Konzept Bittenhalde: „Hier kann die säkulare Welt auf die kirchliche Welt treffen. Und es muss auch ein Bildungsangebot für den ländlichen Raum geben.“

Was bleibt? Warten, wie sich die Dinge entwickeln? Augenscheinlich nicht das Ding von Claudia Haasis. Sie ist zertifizierte Pilgerbegleiterin und dazu Wanderleiterin. Und hat die zwangsstillen Wochenenden genutzt, um durch die Umgebung zu streifen: „Ich entdecke gerade meine Heimat neu, durch die ich als Kind gekraxelt bin.“ Nicht zum eigenen Vergnügen, sondern um Pilger-Angebote zu entwickeln. Das können auch kleine Runden zur Besinnung sein, etwa zum „Käpelle“ – eine ökumenische Dank- und Friedens-Kapelle, mit deren Bau Bürger aus Tieringen und Hausen 2007 begannen. Genau auf der Grenze der beiden Orte, mit einem Deckenfresko von Juan Bejarano aus Buenos Aires.

Überhaupt: Die Möglichkeiten, vom Haus weg auf unterschiedlichsten Wegen durch die Natur zu streifen, begeistern sie jedes Mal wieder aufs Neue. Da sieht sie Potential für das Haus Bittenhalde: „Das ist ein Freizeitbereich, der an Attraktivität zulegt.“ So hat sie für das Haus das Siegel „Wanderbares Deutschland“ beantragt. Im Jahresprogramm 2021 jedenfalls ist schon das Seminar „Fuss fassen – gemeinsam achtsam pilgern“ für den Juni ausgeschrieben. Vielleicht klappt es ja ... □