Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Gemeindehaus-Pilgerin - Spendenaktion für Straßenkinder

130 Kilometer in fünf Tagen ist Claudia Haasis gewandert, von Donauwörth in Bayern nach Gingen an der Fils. Die Leiterin der Tagungsstätte Haus Bittenhalde hat ganz praktische Nächstenliebe erfahren und gegeben. Jede Nacht auf ihrer Tour hat sie in einem anderen Gemeindehaus übernach- tet. Das dadurch gesparte Geld gibt sie an Straßenkinder in Brasilien weiter.

Zwischen Heubach und Gingen gibt es Krönchen an den Bäumen. In Bopfingen hat Claudia Haasis an der Stadtkirche ein Relikt aus der Römerzeit entdeckt. Foto: privat

Was macht die Leiterin einer evangelischen Tagungsstätte, wenn sie Urlaub hat? Sie nimmt sich einen mehrtägigen Wanderweg des Schwäbischen Albvereins vor und übernachtet dabei jeden Abend in einem anderen evangelischen Gemeindehaus.

So zumindest geschehen bei Claudia Haasis, die sich beruflich um das Haus Bittenhalde bei Tieringen kümmert. Ende August war sie fünf Tage auf dem HW1 unterwegs, dem ältesten Hauptwanderweg des Schwäbischen Albvereins, der vom bayerischen Donauwörth in 16 Etappen nach Tuttlingen führt, quasi einmal über die Alb. Claudia Haasis hatte im Laufe der Jahre schon einige Abschnitte erwandert, aber das Teilstück von Donauwörth nach Gingen an der Fils – grob die ersten sechs Etappen des Wegs – fehlte ihr noch.

Ende August diesen Jahres sollte es so weit sein. Blieb nur die Frage der Unterkunft. Eigentlich wollte die erfahrene Wanderin in Schutzhütten oder Pensionen übernachten. Aber dadurch wären manche Etappen zu lang, andere zu kurz geworden. Plötzlich kam ihr eine Idee: Könnte sie nicht auch mal in einem evangelischen Gemeindehaus übernachten? „Ich habe bei den Gemeinden am Weg angefragt, ob ich dort eine Nacht schlafen kann und alle waren gleich aufgeschlossen. Nach kurzer Zeit war alles geklärt.“

Gemeinden waren gleich alle an Bord

In vier Kirchengemeinden hat Claudia Haasis eine Nacht verbracht: im bayerischen Mönchsdeggingen, in Bopfingen, in Unterkochen und in Heubach. Überall hat sich die 55-Jährige sofort willkommen gefühlt. „Man hat sich wirklich rührend um mich gekümmert.“

Am Abend zusammen mit Andreas Jackert, Hausmeister des Bopfinger Gemeindehauses. Foto: privat

Immer wieder merkte sie dabei: „Der Weg gibt dir nicht, was du willst, sondern was du brauchst.“ Wie an dem Tag, als sie sich das einzige Mal verlaufen hatte und erst später als geplant, müde und erschöpft in Unterkochen ankam – und ein vorbereitetes Drei-Gänge-Menü zum Abendessen vorfand, mitsamt einer Serviette auf der stand: „Schön, dass Sie da sind.“ Für Claudia Haasis einfach „umwerfend“. Überhaupt war es für sie immer schön zu wissen: „Jeden Abend erwartet dich jemand.“

Die Kirchengemeinden haben nichts dafür verlangt, dass sie in ihren Häusern übernachtet. Claudia Haasis hatte aber schon beschlossen, dass ihre Wanderung auch eine Art Spendenlauf werden soll. „Für die allererste Nacht vor dem Loslaufen habe ich in der Pension in Donauwörth 40 Euro für die Übernachtung gezahlt. Ich habe dann beschlossen, für jede Nacht in einem Gemeindehaus 40 Euro für Menschen in Not zu spenden.“ Ihre Wahl fiel auf den Verein „Lar Vinicius“ in Brasilien, der sich um Straßenkinder kümmert. Eine Freundin in São Paulo hatte ihr davon erzählt. „Ich wusste dann: ich laufe auch für die Kinder. Und so wie ich jede Nacht ein Dach über dem Kopf bekommen habe, so kann der Verein den Kindern auch ein Dach bieten.“

Wanderweg wird zum Pilgerweg

Auf den Wegstrecken selbst ist sie nur wenigen Menschen begegnet. So bekannt der HW1 auch ist: nur wenige Wanderer gehen wirklich mehrere Etappen. „Außer Lutz aus Berlin, den ich am letzten Tag traf, war niemand bewusst länger auf dem Weg unterwegs“, erzählt Claudia Haasis. Für sie die Möglichkeit, sich viel mit sich selbst auseinanderzusetzen. So wurde der Albvereinsweg für sie zu einem Pilgerweg. „Pilgern ist etwas Persönliches. Ich setze mich mit meinem Glauben auseinander. Und da ist es egal, ob das der Jakobsweg oder der HW1 ist.“ Sie fühlte sich frei: „Ich war überhaupt nicht ängstlich, obwohl ich viel allein unterwegs war. Ich habe die Gegenwart Gottes gespürt.“

Nach rund 130 Wanderkilometern erreichte Claudia Haasis schließlich Gingen an der Fils. Erfüllt von Begegnungen in den Gemeindehäusern und von der Schönheit der Schöpfung am Wegesrand – seien es Rehe, Störche oder bunte Malven. Und mit großen Plänen: auf jeden Fall möchte sie den Rest des HW1, von Gingen bis Tuttlingen, auf die gleiche Weise ablaufen. Mit Übernachtungen in Gemeindehäusern und als Spendenlauf. Außerdem gibt es ja noch neun weitere Hauptwanderwege des Schwäbischen Albvereins. Die würde sie auch gerne so begehen. „Das wären dann insgesamt 2751 Kilometer und umgerechnet 90 Gemeindehäuser zum Übernachten in ganz Baden-Württemberg“, erzählt sie lachend. □

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◼ Mehr zum Verein, an den Claudia Haasis’ Spenden gehen, unter www.larvinicius.org.br