Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Kinder sind vorbildlich - Arbeitsgruppe Klimaschutz

Christen müssen eine besondere Verantwortung für die Schöpfung zeigen, finden die Mitglieder der Arbeitsgruppe Klimaschutz in der Reutlinger Gesamtkirchengemeinde. Dazu gehört auch das Energiesparen. Ihre Aktivitäten finden viel Widerhall.

Künftig sollen LEDs die anderen Leuchtmittel ersetzen. Foto: adobe stock/ Andreas Guhl

In der Reutlinger Gesamtkirchengemeinde hat sich schon vor über einem Jahr eine Klimaschutz-Arbeitsgruppe gebildet. Deren Bedeutung ist durch die aktuelle Rohstoffknappheit und hohe Energiepreise deutlich gestiegen. „Bisher war das eher mühsam, jetzt stoßen wir auf großes Interesse“, sagt Cornelia Eberle.

Claudia Eberle, Citypfarrerin, Reutlingen. Foto: Andreas StraubDie Reutlinger Citypfarrerin engagiert sich schon seit den 80er-Jahren für Umweltund Klimaschutz. „Für mich gehört das zur Bewahrung der Schöpfung“, sagt Eberle. Über die evangelischen Kitas sollen nun junge Eltern als wichtige Zielgruppe mit einer Veranstaltungsreihe direkt angesprochen werden. Deren Motto lautet: „Aus Liebe zu unseren Kindern – Wir tun etwas für Klimaschutz und Weltfrieden“. Jüngst organisierten die Gesamtkirchengemeinde und das Haus der Familie gemeinsam mit der Verkehrswacht Reutlingen-Münsingen zum Beispiel ein Training für spritsparendes Autofahren (ein weiterer Termin ist am 14. Oktober). Die bei dem Seminar erlernten Kenntnisse sollen dazu beitragen, beim Autofahren bis zu 30 Prozent Benzin und damit auch Geld einzusparen. Grundlage sei eine überlegte Fahrweise. Die Öko-Trainer Andreas Ott und Franz-Bernd Sautter von der Verkehrswacht vermittelten das theoretische und praktische Wissen etwa zu wirtschaftlichem Schalten, Fahr-Rhythmus und Schwungnutzung oder zum richtigen Reifendruck. Bei einer anderen Veranstaltung wird über Photovoltaik informiert.

Junge Eltern sind eine Zielgruppe

„Die InitiativeKarin Motta, Reutlingen, engagiert sich in der Klima AG. Foto: A. Straub kommt bei den Eltern und bei den Erzieherinnen sehr gut an“, sagt Katrin Motta. Die junge Mutter ist seit 2019 im Kirchengemeinderat und ebenfalls bei der Klimaschutz-AG mit insgesamt zehn Teilnehmenden. „Die Kirche macht viel. Viele Leute sind überrascht, wie viel“, sagt Motta. Angesichts des spürbaren Klimawandels und steigender Energiepreise sei das Thema gerade für junge Leute und künftige Generationen relevant – Stichwort Fridays for Future. „Die jungen Menschen haben für einen Aufbruch gesorgt“, findet Katrin Motta.

„Klimaschutz ist für uns schon lange ein Thema“, sagt Daniel Fehrle, Leiter des Dienstleistungszentrums der Gesamtgemeinde Reutlingen und der kirchlichen Ver-waltungsstelle. „Jetzt müssen wir dieses Thema in die Breite bringen.“ Dazu seien die Eltern von Kindergartenkindern ein Ansatz, letztlich betreffe es aber alle Bürgerinnen und Bürger. „Deshalb zeigen wir den Klimaschutz offensiver, gerade als Christen“, sagt Fehrle. Die Plakate für die Veranstaltungsreihe hängen in allen Kitas aus, außerdem wurden sie per E-Mail über verschiedene Verteiler verschickt. Da die Stadt Reutlingen in ihren Einrichtungen generell keine Plakate aushängt, sind sie in den kommunalen Einrichtungen allerdings nicht zu finden.

„Das Vorankommen lebt von jedem einzelnen Gemeindeglied“, sagt Fehrle. Besonders wirkungsvoll lassen sich Einsparungen in den jeweiligen Haushalten umsetzen. „Schon die kleinen Kinder fragten ihre Eltern und Erzieherinnen in den Kitas in diesem Sommer zum Beispiel, warum es so heiß und so trocken war“, berichtet Fehrle. Deshalb gibt es spezielle Ausbildungen etwa für Gruppenleitungen.

Gemeindezentrum Reutlingen. Foto: Andreas StraubAuch das Gemeindezentrum ist einem Energiecheck unterzogen werden. Fotos: Andreas Straub

„Meine Kinder weisen mich zum Beispiel sofort darauf hin, wenn der Kühlschrank zu lange offen steht“, erzählt Motta. Die Kinder seien häufig sparsamer als ihre Eltern im Umgang mit Ressourcen. „Das fängt schon beim Wasserverbrauch beim Zähneputzen an.“ Ein Vorbild sei beispielsweise das Evangelische Jugendwerk, sagen die Teilnehmer der Klimaschutz-AG.

„Von alleine geschieht nichts“, sagt Eberle. „Die Zeit läuft uns davon, aber viele Leute verstehen den Ernst der Lage nach wie vor nicht.“ Es reiche nicht, die Heizung ein wenig runter zu drehen. „Das Bewusstsein ist gerade bei den jüngeren Leuten da, dass sich etwas ändern muss“, hat Katrin Motta festgestellt. Als Gewinn der Arbeitsgemeinschaft stellt sie die Vernetzung der Gemeinden untereinander heraus. Denn jeder habe gute Ideen und oft könne man sich von den anderen eine Scheibe abschneiden. „So bleiben wir zusammen in Schwung“, sagt Motta.

Um Energie einzusparen, hDaniel Fehrle, Leiter des Dienstleistungszentrums Reutlingen. Foto: A. Straubat die Reutlinger Gesamtgemeinde im Frühjahr ihre 50 Gebäude untersucht. Bei einer Begehung wurden die Pfarrhäuser, Kirchen und Kindergärten mit einem Ampelsystem erfasst und die Einsparmaßnahmen nach Dringlichkeit geordnet: Photovoltaik auf Dächer, bessere Dämmung, neue Heizungen, Einbau von Bewegungsmeldern, Ersatz herkömmlicher Leuchten durch LED-Lampen. „Es ist eine lange To-Do Liste entstanden“, sagt Fehrle. Durch das systematische Herangehen soll sichergestellt sein, dass das Geld richtig investiert wird. „Wir müssen nicht alles neu erfinden und können auf bewährte Ressourcen zurückgreifen“, sagt Fehle. Das sei beispielsweise das städtische Netzwerk Klimaschutz und die Klimaschutzagentur des Landkreises.

Um die Maßnahmen der Gesamtgemeinde abzuarbeiten, wurde zum 1. Oktober ein Klimaschutzmanager eingestellt. Mit einer halben Stelle soll er das Thema außerdem weiter voranbringen. In jeder Kirchengemeinde soll zum Beispiel ein eigener Klimaschutzbeauftragter ausgebildet werden. Diese Ehrenamtlichen, so die Idee, dienen wiederum als Ansprechpartner vor Ort und tragen das Thema weiter. □

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