Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Last der Erwartungen - Hoffnungsträger

Die Geschichte ist voller Hoffnungsträger. Auf welchem Wege kamen manche Menschen in solch eine Position? Wie gingen sie mit den Erwartungen um, die an sie gerichtet wurden? Wie schaut die Nachwelt auf sie? Ein beispielhafter Blick auf drei große Hoffnungsträger: den biblischen König Saul, den britischen Premier Winston Churchill und US-Präsident Barack Obama.

Barack Obama im Wahlkampf 2008. Change we need. Foto: picture-alliance

Barack Obama im Wahlkampf 2008. Mit seinem Ruf nach Veränderung war er damals der große Hoffnungsträger. Foto: picture-alliance

Das gute Amerika. Mit der Wahl von Barack Obama im November 2008 schien eine neue Zeit anzubrechen. Ein junger, charismatischer Politiker, der erste Afroamerikaner im Weißen Haus. Nach acht Jahren Präsidentschaft von George W. Bush konnte die Zeit des „Change“, der Veränderung, beginnen. Obama wurde weltweit gefeiert als Hoffnungsträger. Er musste lediglich die Vision einer Welt ohne Atomwaffen formulieren, und schon erhielt er den Friedensnobelpreis.

Heute sitzt Donald Trump im Weißen Haus und irrlichtert durch die Corona-Krise. Die Ungleichheit in Amerika ist gestiegen, außenpolitisch ist keine Linie erkennbar. Rassismus und Gewalt haben zugenommen.

Womöglich wird die Präsidentschaft Obamas in der Rückschau, verglichen mit denen seines Vorgängers und seines Nachfolgers, in besserem Licht erscheinen. Doch am Ende der acht Jahre fiel die Bilanz ernüchternd aus. Klar, er habe einiges angestoßen, hieß es. Aber: Guantanamo sei weiterhin offen, die USA weiter in Kriege verwickelt, die Gesellschaft gespalten. Der Hoffnungsträger hatte viele Erwartungen nicht erfüllen können.

Hoffnungsträger - Die Vision und die Umsetzung

Das Beispiel Obama zeigt eindrücklich den Aufstieg eines Hoffnungsträgers und welche Probleme sich für ihn ergeben können. Die Geschichte der Menschheit ist voll von Männern und Frauen, die andere begeisterten. Die eine politische Idee, eine Vision verkörperten. Bekannt sind uns heute meist nur noch die Erfolgreichsten. Und jene, die katastrophal gescheitert sind.

Im Alten Testament befindet sich ein besonders deutliches Beispiel des Scheiterns eines Hoffnungsträgers: Saul. Mit der Salbung Sauls zum König erfüllt der Richter Samuel dem Volk Israel einen lang gehegten Wunsch. Saul ist groß, gutaussehend und stark. „Da seht ihr, wen der Herr erwählt hat; ihm ist keiner gleich im ganzen Volk“, ruft Samuel über Saul – das Volk jauchzt (1. Samuel 10,24).

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Tatsächlich erfüllt der junge König die in ihn gesetzten Hoffnungen zuerst. Unter seiner Führung besiegt Israel die Ammoniter und nimmt den Kampf mit den Philistern auf. Doch schon bald verwirft Gott Saul, weil er seinen Befehlen nicht gehorcht, und Samuel salbt David zum neuen König. Das Volk hält vorerst weiter zu Saul. Doch der König wird schwermütig und paranoid, eifersüchtig auf David, den neuen Hoffnungsträger. Er befiehlt, David töten zu lassen, versucht es auch selbst, wird zornig auf seinen Sohn Jonatan und seine Tochter Michal, die David die Treue halten. Saul lässt Priester erschlagen, jagt David durchs ganze Land. Als David ihn verschont, heilt ihn das vorerst von seinem Verfolgungswahn.

König Saul führt die Israeliten zum Sieg über die Ammoniter. Foto: picture-allianceKönig Saul führt die Israeliten zum Sieg über die Ammoniter. Foto: picture-alliance

Doch als das Heer der Philister angreift, verzagt Saul. Er sucht eine Geisterbeschwörerin auf, obwohl das gegen sein eigenes Gesetz verstößt. Sauls Söhne sterben im Kampf. Am Ende stürzt sich der erste König Israels in sein eigenes Schwert.

Die Philister trennen ihm das Haupt ab, senden seine Rüstung im Land herum und hängen den Leichnam Sauls von einer Mauer.

Zwar holen die Israeliten sich den Körper zurück. Dennoch endet der große Hoffnungsträger in der denkbar katastrophalsten Weise. Seine Prinzipien hat er verraten, sein Volk ist geschlagen, seine Königslinie beendet, noch bevor sie wirklich begonnen hat.

So wenig vergleichbar der mythische erste König Israels und der 44. Präsident der USA sind, lassen sich doch an ihnen einige Voraussetzungen zeigen, die für politische Hoffnungsträger gegeben sein müssen.

Hoffnungsträger - In der Krise die Nerven behalten

Die erste ist eine Situation, die als krisenhaft, als veränderungsbedürftig wahrgenommen wird. Ob im von Philistern und Ammonitern bedrängten Israel oder in der wirtschaftlichen und moralischen Krise der USA der Bush-Jahre – Hoffnung erwächst vor allem in schlechten Zeiten.

In dieser Situation braucht es, zweitens, eine Persönlichkeit, die mit neuen Ideen auf den Plan tritt. Sie sollte charismatisch sein, eine Vision verfolgen. Hoffnungsträger müssen mitreißen können und oft den massiven Gegenwind jener aushalten, die daran interessiert sind, den Status quo beizubehalten.

Die Persönlichkeit muss also mit neuen Ideen in der veränderungsbedürftigen Situation auftreten. Zum Hoffnungsträger wird sie aber erst durch das, was andere in ihr sehen. Hoffnung geben kann man nur denen, die bereit sind, sich für diese Vision einzusetzen. Kein Hoffnungsträger ohne Anhänger, die an ihn und seine Ideen glauben.

Wer schließlich an die Macht kommt, auf den wartet die schwerste Aufgabe: Die Gefolgschaft erwartet nun von ihm, dass er führt und seine Ideen durchsetzt. Wie Obama fanden sich zahlreiche Hoffnungsträger, die angetreten waren, die Politik umzukrempeln, schnell innerhalb der Zwänge gefangen, die mit einer Machtposition einhergehen.

Nicht immer jedoch müssen Hoffnungsträger Reformer sein, die sich gegen das „Establishment“ wenden. Gerade in schweren Krisenzeiten sehnen sich viele Menschen weniger nach revolutionären Ideen als nach Erfahrung und Nervenstärke. Im 20. Jahrhundert verkörperte das niemand mehr als der britische Premier Winston Churchill.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in der „dunkelsten Stunde“ des Landes, richtete sich die Hoffnung Großbritanniens auf einen bereits 66-jährigen Politiker, dessen frühe Warnungen vor Hitler ignoriert worden waren. Churchill ordnete fortan alles einem Ziel unter: Sieg um jeden Preis.

Churchill mit seinem V-Zeichen, das für „Victory“ (Sieg) steht. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Hoffnungsträger Großbritanniens. Foto: picture-allianceChurchill mit seinem V-Zeichen, das für „Victory“ (Sieg) steht. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Hoffnungsträger Großbritanniens. Foto: picture-alliance

Wer, wie Churchill in seiner Antrittsrede, nichts als „Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen“ anzubieten hatte, muss sich nicht mit überzogenen Erwartungen auseinandersetzen. Von ihm werden klare und entschlossene Entscheidungen erwartet. Entscheidend ist aber auch hier wieder das Charisma. Nur weil die Briten in Churchill einen Hoffnungsträger sahen, sind sie seinen Vorgaben gefolgt.

Mit dem Sieg im Zweiten Weltkrieg hatte Churchill seinen Auftrag erfüllt und seine Popularität schien grenzenlos. Umso überraschender, dass er und seine Konservative Partei die Unterhauswahlen direkt nach Kriegsende krachend verloren. In der Politik haben Hoffnungsträger eben immer nur eine begrenzte Zeit. Dem Nachruhm Churchills hat die Niederlage nicht geschadet. Er ging in die Geschichte ein als jemand, der die Erwartungen erfüllte.

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Die größten

Menschen sind jene,

die anderen Hoffnung

geben können.

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