Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Liebe feiern

Der Valentinstag ist kein kirchlicher Feiertag und gilt für manche als reine Kommerzveranstaltung. Doch immer mehr Gemeinden in Württemberg feiern Valentinsgottesdienste. Dort können Liebende für ihre Beziehung beten, danken und sich segnen lassen.


Für Christen ist klar: Die menschliche Liebe weist auch auf die göttliche Liebe hin. (Foto: epd-Bild)


Diese Frage hören alle Pfarrer, die am Valentinstag Gottesdienst halten. „Mich stört die Geschäftemacherei auch“, sagt Regina Fetzer, Pfarrerin in Rottenburg am Neckar. Mit einem Gottesdienst könnten die Paare den Tag bewusst anders füllen als mit dem üblichen Kitsch. Ihr Eninger Kollege Johannes Eißler sieht das ähnlich: „Ich möchte versuchen, den geistlichen Aspekt wieder einzubringen.“ Immerhin gehe der Valentinstag ja auf einen christlichen Heiligen zurück.

Magdalena Smetana sieht den Valentinstag als schöne Gelegenheit für Liebende, die eigene Beziehung mal wieder zu feiern. „Das Miteinander kommt in der heutigen Zeit zu kurz“, sagt sie. Da könne ein Gottesdienst, in dem Paare für ihre Beziehung beten und danken, ein Moment der Besinnung sein. Schließlich will sie mit dem Gottesdienst auch zeigen, dass „Kirche und Liebe nicht gegeneinander stehen“.

Dabei geht es auch darum, Leute auf die Kirche aufmerksam zu machen. Johannes Eißler möchte mit dem Gottesdienst für Verliebte Menschen ansprechen, die sonst kaum einen Gottesdienst besuchen würden. Die Idee für den Valentinsgottesdienst hat er von Pfarrer Johannes Bräuchle, der ihm von seiner Erfahrung auf Hochzeitsmessen erzählt hatte. „Dort trifft man interessierte Paare, die vorher noch gar nicht an eine kirchliche Hochzeit gedacht haben, weil ihnen der Bezug fehlt“, habe Bräuchle ihm erzählt. Eißler fand das interessant. Und dachte daran, den Valentinstag als „Link“ zur Kirche für solche Menschen zu nutzen.

Im Gegensatz zu seinen Kolleginnen aus Rottenburg und Gruibingen, die in diesem Jahr erstmals einen Valentinsgottesdienst in ihrer Gemeinde feiern, hat Eißler bereits Erfahrung aus dem Vorjahr. Etwa 20 Paare kamen im vergangenen Jahr zum „Gottesdienst für Verliebte“ in die Eninger Andreaskirche. Die Besucher waren nicht nur auf Eningen beschränkt. Bis zu 15 Kilometer hatten manche von ihnen zurückgelegt, um beim Valentinsgottesdienst dabei zu sein. Die meisten von ihnen waren um die 50, auch einige ältere Paare waren dabei.

Besonders seien am „Gottesdienst für Verliebte“ vor allem die abendliche Uhrzeit und die Segnung im Anschluss gewesen, sagt Eißler. Statt der Kirchenorgel spielte ein Pianist Jazz-Stücke, die Schriftlesung kam aus dem Hohelied Salomos. Über einen Satz am Ende des Hoheliedes hielt Eißler dann auch seine Predigt: „Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn.“ Liebe also wie das Feuer, wärmend, aber auch zerstörend. Feuer macht Angst – wie Sexualität manchmal? Eißlers offene Predigt kam gut bei den Besuchern an.

Der Organist spielt den Beatles-Klassiker „All you need is love“. In der Kirche sitzen Jüngere und Ältere, manche von ihnen stehen auf, gehen an den Teelichtern auf den Altarstufen vorbei und lesen Texte über Liebe vor. So erlebte Regina Fetzer ihren Valentinsgottesdienst in Mühlen, den sie 2010 gehalten hat – als der 14. Februar auf einen Sonntag fiel. Wie dieses Jahr. Und an ihrer neuen Pfarrstelle in Rottenburg möchte sie nun auch einen Valentinsgottesdienst ausprobieren.

Die beiden Gottesdienste dort sind normale Sonntagsgottesdienste. Aber sie werden ganz besonders gestaltet: Auf die Altarstufen soll ein weißes Tuch gelegt werden, bestreut mit roten Rosenblättern. Paare können für ihre Liebe Kerzen anzünden. Auch Regina Fetzer  will über das Hohelied predigen.

Während in Eningen der „Gottesdienst für Verliebte“ ein zusätzliches Angebot zu den beiden Sonntagsgottesdiensten ist und in Rottenburg einfach die Sonntagsgottesdienste auf den Valentinstag ausgerichtet sind, haben sich Magdalena Smetana und ihr Kollege Jörg Schaber aus Wiesensteig für eine andere Lösung entschieden: Morgens gibt es in Wiesensteig einen normalen Gottesdienst, um 17 Uhr dann in Gruibingen den „Gottesdienst für Liebende“.

Dabei setzt Magdalena Smetana auf ähnliche Texte wie Johannes Eißler: Das Hohelied der Liebe, den Text von 1. Korinther 13 und das bekannte Gedicht „Es ist, wie es ist“ von Erich Fried. Die Musik in Gruibingen spielt das „Trio Melange“. Nach dem Gottesdienst gibt es einen Sektempfang und die Möglichkeit, sich segnen zu lassen.

Diesen Segen können Paare auch in Eningen empfangen. Dabei sind die Pfarrer in beiden Gemeinden offen für Menschen, für die es sonst keine Paarsegnungen gibt. „Es können alle kommen, die lieben“, sagt Magdalena Smetana. Neben Verheirateten also auch Verlobte, Menschen in Lebenspartnerschaften oder einfach Verliebte. Liebe geht für Magdalena Smetana weit: „Auch eine Freundschaft ist etwas, was man segnen kann.“ Alleinstehende sind in Gruibingen ebenfalls eingeladen, sich segnen zu lassen.

Der Segen ist ein zusätzliches Angebot nach dem eigentlichen Gottesdienst. Aber er weist auf das hin, was ein Gottesdienst am Valentinstag leisten kann: Ein Bewusstsein dafür geben, wem man die Beziehung verdankt. Denn letztendlich, finden Johannes Eißler und Magdalena Smetana, geht ein Gottesdienst am Valentinstag auch über die menschliche Liebe hinaus. Denn die menschliche Liebe weise auf die göttliche Liebe hin, sagt Magdalena Smetana. Und für Johannes Eißler ist klar: „Für Christen gehört zu der menschlichen Liebe immer die Liebe Gottes dazu.“


Information
Bereits eine Woche vor dem Valentinstag findet am 7. Februar um 17 Uhr ein Gottesdienst für Paare in der Stiftskirche in Stuttgart statt. Paare können einen Segen empfangen.

Am Valentinstag selbst, 14. Februar, feiern folgende Gemeinden thematische Gottesdienste:

In der Andreaskirche in Eningen unter Achalm (Dekanat Reutlingen) wird der „Gottesdienst für Verliebte“ um 19 Uhr gefeiert.

Der „Gottesdienst für Liebende“ in der Martinskirche in Gruibingen (Dekanat Geislingen) findet um 17 Uhr statt.

In der Christuskirche in Kirchheim unter Teck feiert die Gemeinde um 10 Uhr einen „treff punkt 10“-Gottesdienst unter dem Titel „All you need is love“.

Im Gemeindehaus „Oase“ in Murr an der Murr (Dekanat Marbach) findet um 10 Uhr der Gottesdienst zum Thema „Liebe und Leidenschaft“ statt. Dazu sind extra die Hochzeitspaare der vergangenen Jahre eingeladen worden.

In Rottenburg (Dekanat Tübingen) beschäftigen sich beide Gottesdienste mit dem Valentinstag: Um 9 Uhr in der Kirche St. Katharina in Wendelsheim und um 10.15 Uhr in der Evangelischen Kirche in Rottenburg.

In der katholischen Kirche St. Franziskus in Schwäbisch Gmünd wird um 18.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit Einzelsegnung gefeiert.