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Die Not lindern - Libanon

Vor drei Monaten explodierte in der libanesischen Hauptstadt Beirut ein Hafenspeicher, in dem 2750 Tonnen Ammoniumnitrat gelagert waren. Pfarrerin Friederike Weltzien aus Obertürkheim hatte gehofft, dass sich nun etwas ändert im Land – doch es kam anders.

Beirut. Die Schäden durch die Expolosion sind noch sichtbar. Foto: PrivatBeirut. Die Schäden durch die Expolosion sind noch sichtbar. Foto: Privat

Pfarrerin Friederike Weltzien ist ständig am Telefon. Da sind Fragen und Aufgaben der Flüchtlingshilfe, die sie in Obertürkheim betreut, da sind die organisatorischen Aufgaben in der Kirchengemeinde – und nicht zuletzt erhält sie viele Anrufe aus dem Libanon, wo sie aufgewachsen ist und als Pfarrerin arbeitete. „Nach der Explosion in Beirut im August hatten wir die leise Hoffnung, dass sich die Lage bessert, dass die Explosion der Anlass ist für die Politik im Libanon, etwas zu verändern“, sagt sie. Doch die Lage werde immer verzweifelter. Wegen der steigenden Inflation und dem rasanten Wertverlust des Libanesischen Pfunds sind Devisen knapp. Medikamente können deshalb nicht eingeführt werden.

Die Arbeitslosigkeit steigt, nicht zuletzt, weil kleine Betriebe keine Importwaren mehr bekommen und dadurch nicht mehr produzieren können. Diejenigen, die noch einen Job haben, werden meist mit Libanesischen Pfund bezahlt. Aber für das Geld können sie fast nichts mehr kaufen. „Die Menschen hungern und sie rufen hier an mit der Frage, ob wir ihnen Geld schicken können“, berichtet Weltzien. Mit Geld meinen die Anrufer Euro. Die aber persönlich überbracht werden müssen, denn die Banken, sagt Weltzien, zahlen im Libanon nur die Landeswährung aus.

Libanon - Beirut - Wer kann, verlässt das Land

Am liebsten wäre Weltzien im Oktober selbst hin geflogen. Doch wer in den Libanon reist, muss dort zwei Wochen in Quarantäne. Wer nach Deutschland zurück kehrt, muss ebenfalls zwei Wochen zu Hause bleiben. Das verträgt sich nicht mit den Aufgaben in der Gemeinde.

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Im Sommer 2019 begannen Proteste der Menschen gegen die Politik, gegen die Korruption im Land. Dann kam Corona. Und jetzt? Kürzlich hat Präsident Michel Aoun Ex-Premier Saad Hariri erneut zum Ministerpräsidenten ernannt und mit der Bildung einer Regierung beauftragt. Hariri war erst im Januar nach anhaltenden Protesten aus der Bevölkerung zurückgetreten. „Er verspricht Reformen und will Fachleute einstellen anstelle der alten Cliquen. Dabei hängt er selbst drin in dem alten Netzwerk“, beobachtet Friederike Weltzien. Finanzielle Hilfen, die andere Länder versprechen, sind an die Bedingung geknüpft, dass es Reformen gibt. Das heißt, sie fließen erst mal nicht.

Durch die Explosion im Sommer seien auch Krankenhäuser zerstört worden, im Gesundheitssystem herrscht große Not. Die Corona-Pandemie verbreitet sich massiv, wenngleich es wenig belastbare Zahlen gibt: Es wird kaum getestet. Die Lage ist verzweifelt. „Diejenigen, die es können, kehren dem Land den Rücken“, sagt die Pfarrerin.

Die Deutsche Gemeinde in Beirut hat aus Deutschland viele Spenden bekommen. Diese gibt sie direkt weiter an drei Hilfsorgansiationen, die Wohnungen wieder aufbauen und Lebensmittel verteilen. Außerdem ist die Schule für syrische Flüchtlingskinder, die von der Gemeinde betrieben wird, komplett auf Spenden angewiesen.

Friederike Weltzien liegt noch ein weiteres Projekt am Herzen: Die Stätte für interkulturelle Begegnungen im Süden des Landes. Dort leben zur Zeit Frauen aus zerstörten Beiruter Häusern und es werden Lebensmittelpakete für die Menschen in der Hauptstadt gepackt.

◼ Informationen im Internet: www.evangelische-gemeinde-beirut.org