Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Puppe eröffnet Chancen

ULM – In über 1300 Gemeinden in Württemberg wird Kindergottesdienst gefeiert. Bei der Landeskonferenz können sich Kinderkirch-Mitarbeiter jedes Jahr neue Ideen und Anstöße holen. Die letzte Tagung stand unter dem Motto „Kinder stark, stärker, stärken“. 


(Foto: Margot Autenrieth)

Im Haus der Begegnung, der Pauluskirche und der Spitalhofschule in Ulm herrscht eine fröhliche Atmosphäre unter den rund 400 Teilnehmern der Landeskonferenz. „Das ist eine Mischung zwischen Fest und Fortbildung“, sagt Frank Widmann, Landespfarrer für Kinderkirche. „Die Landeskonferenz gibt immer so gute Anregungen, ich nehme immer was mit nach Hause“, meint Petra Bauer aus Langenau. Sie hat ein graues Tuch um und will gleich den Sturm bei der Sturmstillung spielen.

„Ich schlüpfe gerne in Rollen und erzähle gerne aus der Ich-Perspektive“, sagt die Mitarbeiterin und hofft auf neue Impulse. Im Workshop mit Religionspädagogin und Diakonin Frauke Liebenehm geht es um Ausdruckspiele im Kindergottesdienst. Die Teilnehmer können lernen, wie sich biblische Geschichten mit Kindern nachspielen lassen. Und das nicht nur in der Theorie.

Nach Einführung und Rollenvergabe geht es los. Ein Gong ertönt und die Leiterin liest die bekannte Geschichte aus der Bibel ganz ruhig vor, macht Pausen, gibt Raum zum spontanen Spiel. Dieses kommt ohne Worte aus. Den Teilnehmern macht die Sache sichtlich Spaß. Auch Rollen wie die Sonne oder das Segel sind besetzt. Alle haben etwas zu tun und gestalten ihre Figur so gut es geht aus. Bei der Nachbesprechung fragt Liebenehm: „Wie habt Ihr Euch gefühlt? Was habt Ihr erlebt?“.

Das Nachgespräch ist wichtig. „Die Kinder erschließen sich durch das Spiel und das Nachgespräch ihre Rolle“, sagt die Leiterin. Beim Workshop Puppenspiel ist Daniel Kallauch, der bekannte Kindermusiker und Puppenspieler Referent und gibt seinen Erfahrungsschatz in Sachen Puppenspiel weiter. Ganz praktische Tipps kommen vom Profi: etwa wie die Puppe gehalten, wohin sie schauen soll oder dass sie Vorlieben haben soll und so eine Identität bekommt. Die Puppe soll positive Werte vertreten oder keine Vulgärausdrücke verwenden.

Die Chancen beim Puppenspiel sind groß. Da kann die Puppe fragen, was sich Kinder nicht zu fragen trauen. Mitarbeiter können ein Verhalten von Kindern über die Puppe hinterfragen, ohne das Kind bloßzustellen – „Sag mal, darf man bei Euch im Gebet Quatsch machen?“. Puppen sorgen für Abwechslung und halten so die Spannung und damit die Konzentration wach. Die Teilnehmer dürfen mit ihren Puppen gleich praktische Übungen machen.

Überhaupt, so erfahren die Kinderkirchmitarbeiter, gilt beim Puppenspiel: Üben, üben, üben. „Mir hat das jetzt wieder Lust gemacht, meine Puppe öfters zu benutzen“, meint Julia Grauer aus Gomaringen. Sie ist seit ihrer Konfirmandenzeit als Mitarbeiterin dabei und auch im Landesausschuss für Kindergottesdienst engagiert. „Es ist toll, was mit Kindern zu machen und ein kreativer Ausgleich für mich“, meint die Ärztin. „In der Kinderkirche kann ich meinen Glauben auf fröhliche Art und Weise weitergeben“, sagt die zweifache Mutter. Sie empfinde den Kindergottesdienst als vollwertigen Gottesdienst. Die Landeskonferenz schätze sie sehr, weil sie ein vielfältiges Fortbildungsangebot an einem Tag darstelle, sagt die 34-Jährige. „Und es ist immer wieder schön, bekannte Leute zu treffen.“

„Mir ist der missionarische Gedanke bei der Kinderkircharbeit wichtig“, meint Joachim Brodmann aus Rutesheim. „Ich will Jesus den Kindern lieb machen.“ In Rutesheim kommen rund 25 Kinder am Sonntag. „Kontinuität ist wichtig, deshalb machen wir auch in den Sommerferien Kinderkirche.“

Ein gutes Beispiel für den Blick über den Kirchturm bildet die Partnerschaft mit der Sonntagsschule in Kamerun. Von einer Reise wird berichtet, aber auch, wie man den Kinderkirchkindern Kamerun nahe bringen kann.

Martina und Sara Widmann zeigen Bilder und Spiele oder singen mit den Teilnehmern afrikanische Lieder. Mit einem speziellen Ring auf dem Kopf können Mitarbeiter ausprobieren, Wasser auf dem Kopf zu balancieren, eine tägliche Übung für Mädchen und Frauen in Kamerun.

Das Thema der Landeskonferenz greift die Pfarrerin und Theologische Referentin des Gesamtverbands Kindergottesdienst, Kirsti Greier, in ihrem Referat „Resilienz und Religion“ auf. Resilienz kann mit innerer Stärke gegen die Widernisse des Lebens übersetzt werden. Was macht widerstandsfähig, stabil und stark, auch unter schwierigen Bedingungen? Wie kann der Kindergottesdienst zur Stärkung der inneren Widerstandskraft von Kindern beitragen? Diesen Fragen geht Greier nach und nennt etwa Bindungssicherheit als wichtigen Faktor. Die Kinder bräuchten tragfähige Beziehungen. Ein Kinderkirchmitarbeiter könne solch eine wichtige Bezugsperson sein, auch wenn man sich nicht so oft sehe.

„Es ist unglaublich wichtig, was die Mitarbeiter da in den Gemeinden tun“, betont die Pfarrerin. Kinder müssten Wertschätzung oder Selbstwirksamkeit erfahren, um resilient zu werden. Kinder müssten erleben, dass sie etwas bewirken könnten, etwa auch indem sie Hilfe in Anspruch nähmen. Beim Gute-Nacht-Gebet könnten Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihre Sorgen ablegen können. In Beziehung zu Gott könne ein Gefühl des Gehaltenwerdens entstehen.

Die Kinder fühlten sich nicht in einem sinnlosen Chaos, sondern „erfahren den Schöpfer, der mich will, mir was zutraut und an mich glaubt“, sagt Kirsti Greier. Im Kindergottesdienst könnten innere Bilder gestärkt werden, wie: Gott ist wie eine Burg oder Gott ist wie der gute Hirte.

„Wir haben doch eine tolle Aufgabe! Es ist schön, in die Gesichter der Kinder zu schauen und für sie da zu sein“, freut sich Jürgen Sept aus Heidenheim. „Durch die Kinderkircharbeit erarbeite ich mir die biblischen Geschichten und kann sie selber oft besser verstehen.“ Er habe vom Gottesdienst mitgenommen, dass Gott nicht Äußeres beeindrucke, sondern er den inneren Menschen ansehe. „Wir lassen uns oft stark vom Äußeren beeindrucken“, sagt er. „Ich will mir wieder mehr Zeit und Ruhe nehmen und Gott fragen, was willst du“, sagt der 42-Jährige, der seit 30 Jahren Kinderkirchhelfer ist.

Etliche Kinderkirchmitarbeiter sind mit der ganzen Familie angereist. Für sie gibt es in der Münsterstadt eine kindgemäße Münsterführung. Nicht schlecht staunen die Kinder angesichts des großen Münstermodells aus Legosteinen. Sie erfahren, dass der 161 Meter hohe Kirchturm so viel wie 8000 Elefanten wiegt. Die historischen Werkzeuge der Steinmetze werden gezeigt und die Kinder suchen mit Feuereifer individuelle Steinmetz-Zeichen.

Elias (10 Jahre), Aaron (9) und Debora (7) aus der Familie Eberhardt aus Laichingen, sind mit ihren Eltern dabei. Ihre Kinderkirche heißt Fishermans Friends. Elias gefallen die Geschichten und die Band in seiner Kinderkirche. Sein Bruder Aaron findet die Anspiele immer interessant und die kleine Schwester freut sich auf ihre Freunde in der Kinderkirche. Zum Abschluss in der Pauluskirche hat Daniel Kallauch seinen großen Auftritt. „Voll-, Voll- , Volltreffer, ein Volltreffer Gottes bist du“, singen sich alle zu.


Information
Der Landesverband für Kindergottesdienst fördert die Kirche mit Kindern in der Landeskirche unter anderem durch Arbeitsmaterialien, Fortbildungen und Hilfe vor Ort. Die nächste Landeskonferenz findet voraussichtlich am 9. Oktober 2016 in Stuttgart statt. Informationen unter www.kiki.ichraum.de

Die Gesamttagung für Kindergottesdienst in der EKD findet 2018 in Stuttgart statt. Vom 10. bis 13. Mai 2018; www.kiki.ichraum.de/gt2018