Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Rettung in der Krise - Jugendgästehaus Monbachtal

BAD LIEBENZELL (Dekanat Calw-Nagold) – Seit Beginn der Corona-Krise ist das Jugendgästehaus der Liebenzeller Mission im Monbachtal eine Flüchtlingsunterkunft. Eine Zweckentfremdung, die freilich genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Denn die Staatsgelder retten die Ferien- und Tagungseinrichtung, der wegen der Corona-Maßnahmen alle Einnahmen wegbrachen.

Mundschutz ist Pflicht auf dem Geflüchteten-Gelände: (von links) Leiter Armin Jans, Verwaltungschef Holger Krauß und Arzt Helmut Karpf. Unten die Hygieneregeln auf Arabisch. (Foto: Andreas Steidel)Mundschutz ist Pflicht auf dem Geflüchteten-Gelände: (von links) Leiter Armin Jans, Verwaltungschef Holger Krauß und Arzt Helmut Karpf. Unten die Hygieneregeln auf Arabisch. (Foto: Andreas Steidel)

Für gut zwei Millionen Euro war das Jugendgästehaus im Liebenzeller Monbachtal renoviert worden. Ein Betrag, der erst mal refinanziert sein will. Doch mit der Fertigstellung im Frühjahr 2020 kam der Corona-Shutdown, an eine Unterbringung von Schulklassen, Konfirmanden und Jugendgruppen war nicht mehr zu denken.

Daher hat Armin Jans, Leiter der Christlichen Gästehäuser, auch nicht lange gezögert, als das Regierungspräsidium fragte, ob er bereit sei, Geflüchtete aufzunehmen: Angehörige von Corona-Risikogruppen, die in den Sammelunterkünften nicht bleiben konnten.

Und so kamen Ende April als erste Gäste des renovierten Gästehauses Flüchtlinge: Alte und Kleinkinder, Herz- und Krebspatienten, Asthmatiker und Behinderte. 65 sind es derzeit. Sie waren als Klientel mehr als willkommen, weil es nun plötzlich finanziell wieder eine Perspektive gab: „Ein Gottesgeschenk“, sagt Armin Jans, der obendrein findet, „dass das Engagement für Schwache auch gut zu uns passt“.

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Und so ist in Teilen auf dem großen Gelände der Gästehäuser im Monbachtal ein völlig neuer Alltag eingekehrt. Ein hoher Bauzaun schirmt den Bereich der Geflüchteten ab, am Eingang kontrolliert ein Sicherheitsdienst den Zutritt zu den Flüchtlingshäusern.

Fünf Tage in der Woche ist ein Arzt zugegen, ein Vertreter des Regierungspräsidiums kümmert sich um Verfahrensangelegenheiten. Für die Alltagsbetreuung sind freilich die Mitarbeiter des Gästehäuser verantwortlich: 46 Männer und Frauen, von denen ein Teil in Kurzarbeit geschickt werden musste.

Leiter Armin Jans hat viele der Geflüchteten inzwischen ganz gut kennengelernt, ihre alltäglichen Nöte und Sorgen, ihre Dankbarkeit dafür, dass sie gut versorgt werden. Meistens wird Englisch gesprochen, doch sicherheitshalber hat man den Aushang über die Hygieneregeln auch auf Arabisch veröffentlicht.

Hygieneregeln auf Arabisch. Foto: Andreas SteidelUnten die Hygieneregeln auf Arabisch. Foto: Andreas Steidel

Mundschutz ist Pflicht im Bereich für die Geflüchteten. Sie kommen aus verschiedenen europäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern und warten auf die Bearbeitung ihres Asylantrags.

Es ist ein kleiner Spagat, den die Liebenzeller da hinbekommen müssen: Auf der einen Seite sollen die Flüchtlinge noch bis mindestens Ende September bleiben, auf der anderen Seite soll der normale Gästebetrieb allmählich wieder hochgefahren werden.

Dabei hilft die Weitläufigkeit des Geländes. Wer vorne im Café ist, bekommt von den Geflüchteten im hinteren Bereich kaum etwas mit. Doch es wird ohnehin dauern, bis in den Gästehäusern im Monbachtal wieder Normalbetrieb einkehrt: Der große Tagungsraum, in den normalerweise 160 Personen passen, kann derzeit nur mit 35 belegt werden. Ähnliches gilt für die anderen Räume im Monbachtal.

Auf mindestens 50 Prozent schätzt Armin Jans den Einnahmeausfall 2020, da können ein paar Monate mehr aus der Kasse des Regierungspräsidiums nur guttun. Zwischenzeitlich sind auch die ersten regulären Gäste wieder da, der Cafébetrieb hat ebenfalls begonnen.

Wann freilich wieder alles beim Alten ist, das ist aktuell auch im Monbachtal überhaupt nicht abzusehen. □

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