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Die Sendung mit dem Bischof - Osterspaziergang mit Frank Otfried July

KENTHEIM (Dekanat Calw-Nagold) – In der Corona-Krise geht auch die Kirche neue Wege: Statt eines TV-Gottesdienstes gibt es einen gefilmten „Osterspaziergang mit dem Landesbischof“. Er wurde rund um die alte Candiduskirche gedreht.

 Kamera ab: Der Landesbischof spricht im Chor der romanischen Kirche das Vaterunser. Foto: Werner KuhnleKamera ab: Der Landesbischof spricht im Chor der romanischen Kirche das Vaterunser. Foto: Werner KuhnleKamera ab: Der Landesbischof spricht im Chor der romanischen Kirche das Vaterunser. Foto: Werner Kuhnle

Frank Otfried July und seine Frau gehen im Schwarzwald spazieren. Plötzlich saust eine Drohne auf sie zu. Sie kommt in friedlicher Absicht, macht aus der Luft ferngesteuerte Filmaufnahmen des Landesbischofs auf dem Weg zur Candiduskirche. Es ist die Anfangsszene jenes 15-minütigen Films, der am Ostersonntag und Ostermontag auf mehreren Fernsehsendern ausgestrahlt wird.

July hat sich das Kirchlein im Nordschwarzwald selbst ausgesucht. Vor über zehn Jahren hat er hier einmal gepredigt und die besondere Atmosphäre in Erinnerung behalten: das mystische Dunkel, die romanischen Fresken, das Auferstehungsbild, das so gut zu Ostern passt. Nun will er all das rüberbringen, zusammen mit einem Filmteam des Evangelischen Medienhauses und von Regio-TV.

Kamera ab, der Bischof in der Kirchenbank, Klappe, die erste. July spricht von Ostern, von der Hoffnung in schweren Zeiten, von den alten Bildern in diesem kleinen Gotteshaus, die ihn berühren. „Sie haben das gut gemacht“, sagt Produktionschef Tobias Glawion, „aber leider müssen wir die Szene nochmal drehen.“ Ein Schatten lag auf dem Gesicht und etwas zu schnell sprach July auch. Außerdem: „Etwas mehr lächeln bitte, es ist ja Ostern.“

Außenaufnahme: das Ehepaar July vor der alten Candiduskirche in Kentheim. Auch Drohnen waren im TV-Einsatz. Foto: Werner KuhnleAußenaufnahme: das Ehepaar July vor der alten Candiduskirche in Kentheim. Auch Drohnen waren im TV-Einsatz. Foto: Werner Kuhnle

Letzteres weiß der Bischof natürlich selber. Aber die Anspannung ist halt da und der Teleprompter mit dem Text einen Tick zu hastig gelaufen. Also ein zweiter Versuch, wenn es sein muss, auch ein dritter. Hinter 15 perfekten Sendeminuten steckt ein ganzer Tag Dreharbeiten, am Ende soll alles zu Hause am Bildschirm so ankommen, als ob die Menschen selbst in der Kirche neben dem Bischof sitzen würden.

Frank Otfried July - Mit 16 als Requisiteur beim SDR

Frank Otfried July nimmt es gelassen, verfolgt voller Neugier die Kameraleute bei ihrer Arbeit. „Da kann man ja richtig was lernen“, findet er. Mit 16 war er Praktikant beim damaligen SDR, hat in der „Sendung mit der Maus“ als Requisiteur gearbeitet. „Das hat großen Spaß gemacht“, sagt July. Nun ist er zum Hauptdarsteller aufgestiegen, in der Sendung mit dem Bischof, zu der ihn auch seine Frau begleitet. Edeltraud July liest Mediationstexte, spaziert mit ihm durch den Wald und an den Bläsern vorbei.

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Um 14.30 Uhr ist ein Team des Schwäbischen Posaunendienstes angekommen. Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann, seine Kinder Pauline und Frieder, der Musikstudent Benedikt Kasprik. Zwei Posaunen, eine Trompete und ein Horn. Das ist Musik in den Ohren der Julys, die nun auf der Wiese vor der Candiduskirche stehen und in Mäntel gehüllt sind. Im schnellen Wechsel strahlt hier die Sonne, regnet oder schneit es. Aprilwetter Ende März, man muss es nehmen, wie es kommt.

Es bleibt immer wieder Zeit zwischen den Filmsequenzen. Zeit, die der Bischof sonst nur selten hat. Er redet mit den Filmleuten, lässt sich die Drohnen erklären und will von der Mesnerin wissen, ob hier viele Touristen herkommen. Ingrid Siemers nickt. Jeden Tag schließt sie die Candiduskirche auf, beobachtet, dass seit der Corona-Krise mehr Menschen da sind als je zuvor. In der Stille sitzen und beten, das ist vielen ein Bedürfnis in diesen Zeiten.

Drohne fuer Filmaufnahmen in Aktion. Foto: Werner KuhnleNur Gottesdienste hat es hier seit einem Jahr nicht mehr gegeben. Die Kirche ist zu klein, die Abstandsregeln kaum einzuhalten. So ist der „Osterspaziergang mit dem Landesbischof“ der erste Tag seit langem, an dem die Mesnerin wieder ein Parament auf den Altar gelegt hat. Es zeigt das Osterlamm, hell erleuchtet von einem Scheinwerfer des Fernsehteams, das July beim Vaterunser im Chorraum filmt.

Nach rund neun Stunden geht der Drehtag zu Ende. Der Bischof ist nun selbst gespannt, was dabei herauskommen wird. Der gefilmte Osterspaziergang ist etwas ganz anderes als ein vom Fernsehen übertragener Gottesdienst. Ein eigenes Format, das man erst so richtig begreift, wenn im Nachhinein alles zusammengeschnitten und bearbeitet wurde.

Viel zu tun also noch für Tobias Glawion und seine Filmcrew. Zu Ostern muss alles fertig sein. Dann wird es aussehen, als ob die Julys nur eben mal kurz in Kentheim vorbeigeschaut hätten. Ein kleiner Sonntagsspaziergang mit meditativen Momenten in der Kirche. In 15 Minuten ist alles vorbei. July, die Letzte, Klappe, Ende.

Sendetermine

„Auferstanden – Ein Osterspaziergang mit Landesbischof Frank Otfried July“ ist zu sehen auf:

Regio-TV
Ostersonntag, 4. April: 9.30, 19.30 und 22 Uhr; Ostermontag, 5. April: 9.30, 11, 19, 21 und 23 Uhr, sowie Mediathek (www.regio-tv.de)

Bibel TV
Ostersonntag, 4. April: 13.05 Uhr
Ostermontag, 5. April: 20 Uhr, sowie Mediathek (www.bibeltv.de);

Internet: www.elk-wue.de